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Als Riegel-Rudi Busendorf Beine machte

Mein Verein - SV Busendorf Als Riegel-Rudi Busendorf Beine machte

Der SV Busendorf hat 110 Mitglieder. Anfang der 1990er-Jahre war der Verein so etwas wie ein kleiner Fernsehstar und wurde von einem prominenten Coach trainiert.

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Quelle: MAZ

Rudi Gutendorf hat in Busendorf nachhaltig Eindruck hinterlassen. Der legendäre Fußballtrainer stand nur bei einem einzigen Spiel des SV 71 Busendorf an der Seitenlinie. Aber noch 24 Jahre später rasten regelmäßig nostalgische Gespräche bei der Anschubhilfe Gutendorfs ein. „Das ist eine schöne Erinnerung, wir sprechen öfter darüber“, erzählt Andreas Thiele.

Der 53-Jährige spielte Anfang der 90er Jahre als Rechtsverteidiger für den SV 71 Busendorf. 1991 stieg die Mannschaft aus der Kreisklasse ab und legte in der 2. Kreisklasse einen ziemlich schwachen Saisonstart hin. Tabellenkeller. Bei der Fernsehsendung „Wennschon, denn schon“ mit dem legendären Hans-Joachim Wolfram kam jemand auf die Idee, die schwächste Mannschaft Brandenburgs zu küren. Und der SV Busendorf machte den Spaß mit. Denn dem kleinen Verein aus dem Ortsteil von Beelitz (Potsdam-Mittelmark) winkte dank des Fernsehens prominente Unterstützung.

Steckbrief

Gründung: 1971

Mitgliederzahl: 110

Vorstand: Raik Knoche (Vorsitzender), Daniel Badzio (Kassenwart), Mike Gloger (Männerfußball), Mathias Gedicke (Alte Herren), Thomas Scholz (Jugendwart), Marina Welsch (Volleyball).

Abteilungen: Fußball, Volleyball.

Anzahl Fußball-Mannschaften: Neun (inklusive Spielgemeinschaften)

Ehrenmitglied: Helmut Thiele (80)

Größter Erfolg: Final-Teilnahme im FDGB-Kreispokal 1975 (2:3-Niederlage gegen Töplitz).

Nächstes Heimspiel: 26. April gegen Grün-Weiß Niemegk (Kreisliga).

Im Oktober 1991 kam Rudi Gutendorf eine Woche nach Busendorf und leitete zweimal das Training. Der heute 88-Jährige war damals ein Weltreisender in Sachen Fußball. Er arbeitete einst in der Bundesliga und handelte sich wegen seiner Defensiv-Taktik beim MSV Duisburg den Spitznamen „Riegel-Rudi“ ein. Später sammelte der Rheinländer zahlreiche Auslandsstationen, war so etwas wie ein sportlicher Entwicklungshelfer.

Die sollte er auch in Busendorf leisten. „Er hatte eine ganz lockere Art“, erinnert sich Andreas Thiele. „Aber wir hatten richtig Respekt vor ihm.“ Schon die Anwesenheit des Startrainers machte die Brust der Busendorfer breiter. Gutendorf trichterte den Feierabendkickern Taktik ein, lötete die Schwachstellen in der Abwehr zusammen und gab dem Angriff Struktur. „Vor allem in der Offensive hat er etwas bewirkt. Die Umstellungen haben gefruchtet“, erinnert sich Thiele. Am folgenden Wochenende gewann Busendorf gegen Geltow mit 4:2. Bei der Show „Wennschon, dennschon“ unterhielten sich die Busendorfer mit Prominenten wie Peter Maffay und Heinz Rudolf Kunze. Gutendorfs Hinweise wirkten nach. Thiele: „Wir haben uns dann im Laufe der Saison berappelt.“

Das Auf und Ab gehört zur Geschichte des Vereins aus dem Spargelgebiet. 1952 wurde die SG Busendorf gegründet und der Sportplatz angelegt. Doch schon in den 60er Jahren war dort tote Hose. Die SGB schlief ein. Unter dem Namen Traktor gab der Fußball ab 1971 wieder Gas. Matthias Gedicke (59), Vorstandsmitglied und Ortsbürgermeister, erinnert sich: „Wir haben bis zur 1. Kreisklasse gespielt.“ Der größte Erfolg sei die Teilnahme am FDGB-Kreispokal 1975 gewesen. „Leider haben wir 2:3 gegen Töplitz verloren.“

Nach der Wende wurde der Verein in SV 71 umbenannt. Und als Gutendorf schon lange Geschichte war, bauten die Gutendorfer eine Nachwuchsabteilung auf. „1993 haben wir damit angefangen“, erzählt Gedicke. Derzeit sind alle Altersklassen – wenn auch teilweise über Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen – besetzt. Gedicke: „Inzwischen sind die ersten Talente in der ersten Mannschaft angekommen.“

Die spielt in der Kreisliga Havelland und steht in dem 16er-Feld auf Platz 13. 19 Punkte aus 22 Partien. „Damit sind wir nicht zufrieden“, sagt der Vereinsvorsitzende Raik Knoche. „Wir hatten vor der Saison eine Platzierung zwischen acht und zwölf als Ziel ausgegeben.“ Allerdings hatte die Mannschaft von Trainer Mike Gloger einiges Verletzungspech. Und nach zwei Aufstiegen in Folge müssen sich die 71er erstmal in der Kreisliga akklimatisieren. Immerhin haben sich die Trainingsbedingungen im vergangenen Jahr mit der Einweihung einer Flutlichtanlage verbessert. Auch mit dem Vereinsheim, das gleichzeitig Gemeindehaus ist, sind die Busendorfer zufrieden. Klar dass dort auf Fotos an die kurze Amtszeit von Rudi Gutendorf erinnert wird.

Von Ronny Müller

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