Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Als der T 34 die Slipanlage hochzog

Mein Verein - Segelverein Einheit Werder Als der T 34 die Slipanlage hochzog

185 Mitglieder aus drei Generationen hat der Segelverein Einheit Werder. Inzwischen besitzt der Verein zahlreiche Boote. Dabei musste der Verein bescheiden anfangen und einen Hilferuf absetzen.

Voriger Artikel
Gewusel auf der Bieselheide
Nächster Artikel
Fußball ist in Schenkenberg das große Steckenpferd

Am Wochenende geht es auf der Havel vor der Insel in Werder wieder hoch her. Die Seglervereinigung Einheit Werder 1952 lädt zum 55. Preis der Stadt Werder. Die Regatta ist eine von drei großen Segelwettbewerben, die der Verein in Eigenregie ausrichtet. Da sind dann quasi fast alle Vereinsmitglieder mit an Bord. Das reicht vom Wettfahrtenleiter, über die Schiedsrichter, die Trainer bis zu den Betreuern. Denn für das leibliche Wohl ihrer Gäste können die Werderaner nicht nur zur Baumblüte sorgen. In zehn Bootsklassen wird an zwei Tagen um die begehrten Pokale der Havelstadt im Wind gekreuzt. 120 Teilnehmer werden in 80 Booten am Start sein und die Segel hissen.

„Wir haben 185 Vereinsmitglieder, da sind drei Generationen vereint“, erzählt Jens-Uwe Weggässer, der seit fünf Jahren der Vereinsvorsitzende und stolz auf seine Gemeinschaft ist. Zur Eröffnung der Regatta wird morgen um 9.45  Uhr – das Vereinsrevier liegt direkt auf der Nordseite der Insel der Stadt – am Flaggenmast ein neues Schlauchboot eingeweiht. Das soll vor allem die Trainer in der Jugendarbeit unterstützen. „Das Boot ist wendig, schnell und kann zehn Leute gleichzeitig aufnehmen“, sagt Weggässer. Sollte also mal ein Nachwuchssegler SOS funken, wäre eine schnelle Hilfe zur Stelle.

Kaum zu vergleichen mit den bescheidenen Anfängen: Am Vorweihnachtsabend des Jahres 1952 wurde die Seglervereinigung gegründet. Als Sektion Segeln gehörte sie im Laufe der Jahrzehnte verschiedenen Betriebssportgemeinschaften (BSG) der Stadt Werder an. Los ging es mit zwei Jollen und einer ausgebauten Garage mit Schmalspur-Slipanlage. „Carpe Diem“ hieß die legendäre Jolle der Gründerzeit.

Doch im Herbst 1960 kündigte der Pächter den Seglern das Gelände auf der Insel. Sektionsgründer und -leiter Karl Czeplak schrieb einen Beschwerdebrief an den Ministerrat der DDR – mit durchschlagendem Erfolg. Schon im Mai 1960 standen 60 000 Mark für einen Bootshausneubau bereit. Als Gelände wurde eine tieferliegende Wiese angeboten, die als Schuttabladeplatz gedient hatte. Auf dem Areal sind die Segler noch heute zu Hause. In vielen freiwilligen Stunden packten sie mit an. Die Sportfreunde mussten Steine heranschaffen, Dachbinder nageln und Ringanker schütten, berichtet die Vereinschronik. Dachsteine wurden aus einem Gefängnis herantransportiert und bei Mondschein abgeladen. Sogar die sowjetischen Armee half mit einem T-34-Panzer, der die an der „Elka-Werft“ abgebaute Slip-Anlage auf das Vereinsgelände zog. Czeplak folgten Werner Gensicke und in den Wendewirren Wilfried Heydebreck, die den Verein sicher durch alle Stürme der Zeiten führten, um stellvertretend nur drei von vielen fleißigen Ehrenamtlern zu nennen.

Der Segelsport erfreut sich in der Inselstadt weiter großer Nachfrage. Das Wasser ringsum ist Einladung genug. Vom Zuzug in der Havelstadt profitieren auch die Sportvereine. Bei der Seglervereinigung ist das nicht anders. 50 Kinder und Jugendliche sind hier aktiv, die von zehn Trainern betreut werden. In vier Trainingsgruppen lernt der Nachwuchs das Segel-Abc. Bekannt ist vor allem die Optimisten-Klasse. Max Georgi und Marino Rychlitzki sind zwei der größten Talente. Letzterer weilte am vergangenen Wochenende sogar bei der WM- und EM-Qualifikationsregatta vor Warnemünde und schlug sich auf den rauen Ostseewellen in der nationalen Konkurrenz ganz achtbar. In seinem Rennbericht zeigte sich der zwölf Jahre alte Optimist-A-Segler ganz begeistert von dem Segelrevier. Das wird ganz sicher die jungen Vereinsmitglieder anspornen.

Denn die Werderaner haben von je her das eine oder andere Talent hervorgebracht. Der Vereinsvorsitzende zum Beispiel war 1983 auf der Müritz mal Dritter bei den DDR-Meisterschaften in der OK-Klasse, eine Einmann-Klasse. Im Januar 2000 nahm die damals 18-jährige Susan Kagel, Tochter von Sportwart Wolfgang Kagel, mit ihrer „Europe“-Einmannjolle sogar an den Weltmeisterschaften in Bahia/Brasilien teil. Aktuell wären noch die Landesmeister in der 420er Klasse Laura Berner und Carolin Buder zu nennen. Der Verein hat sich aber nicht nur dem Wettkampfsport verschrieben.

„Es gibt einen stärkeren Trend hin zum Freizeit- und Erholungssport“, erklärt der 50 Jahre alte Vereinschef. „Auf der Havel am Wochenende zu entspannen, bringt einen großen Mehrwert.“ Bei Einheit werden alle Interessen unter einen Hut gebracht. Die dritte Sparte geht mit Rasmus’ Hilfe auf große Törns – mitunter bis nach Skandinavien. Aber, dass es das Segelrevier vor der Haustür auch in sich hat, wird sich – eine steife Brise vorausgesetzt – ganz gewiss am Wochenende bei der 55. Regatta um den Preis der Stadt Werder zeigen.

Von Peter Stein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mein Verein - MAZ-Serie
MAZ Sportbuzzer
Die 10 größten Landesfachverbände und ihre Präsidenten

Tischtennis, Kegeln oder Fußball - für viele beliebte Sportarten gibt es in Brandenburg eigene Verbände. Die MAZ stellt die zehn größten und ihre Präsidenten vor.

Welchem Fußball-Bundesligisten drücken Sie die Daumen?