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Dem Sport vor der Haustür treu geblieben

Mein Verein - Wohnsportgemeinschaft Potsdam-Waldstadt Dem Sport vor der Haustür treu geblieben

Die Wohnsportgemeinschaft Potsdam-Waldstadt hat 260 Mitglieder, darunter auch ein einstiger prominenter Fußballer. Für einige Mitglieder ist der Verein so etwas wie ein zweites Zuhause. Wir erklären, warum.

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In der Aerobic-Gruppe ging’s zum Faschingsdienstagabend noch ein bisschen lustiger zu.

Quelle: MAz

Morgen steht für Dietrich Wendorff ein besonderes Jubiläum an. Der frühere Torwart aus der DDR-Fußballliga-Mannschaft von Motor Babelsberg, der in Sportlerkreisen besser bekannt ist als „Atze”, steht dann exakt 50 Jahre an der Spitze der Wohnsportgemeinschaft (WSG) Potsdam-Waldstadt. Dass er seit der Gründung bis heute den Vereinsvorsitz inne hat, zeigt schon, wie sehr für den mittlerweile 79-Jährigen und seine Ehefrau Ruth (73) der Verein zum zweiten Zuhause geworden ist.

Steckbrief

  • Gründungsdatum: 20. Februar 1965
  • Mitgliederzahl: 260 (1989: 1780);
  • Jüngstes Mitglied: 5 Jahre, ältestes Mitglied: 83 Jahre
  • Vorsitzender: Dietrich „Atze” Wendorff, seit der Gründung.
  • Abteilungen: Aerobic, Tischtennis, Volleyball, Frauen-Gymnastik, Badminton, Karate, Fußball, Basketball, Yoga.
  • Bekannte Namen: Aus dem Nachwuchs-Volleyball gingen u. a. die Nationalspieler Robert Dellnitz, Manuel Rieke (jetzt Netzhoppers KW-Bestensee) und Jonathan Erdmann (WM-Dritter Beachvolleyball) hervor.
  • Fußball: Harald Gramenz — später DDR-Oberliga-Spieler bei Vorwärts Frankfurt (Oder).
  • Jubiläum: Am 6. Juni findet ein Jubiläumssportfest in der Waldstadt statt.

„Wir haben damals im neu entstandenen Wohngebiet Waldstadt eine Umfrage gestartet, um die sportlichen Interessen auszuloten”, erinnert sich Atze Wendorff. „Ziel war es, für die Breite der Bevölkerung den Freizeitsport vor der Haustür zu organisieren. In Halle-Neustadt haben wir uns angeschaut, wie das funktionieren kann.” Und so waren die Waldstädter in Potsdam die ersten, die ab dem 20. Februar 1965 eine WSG vorweisen konnten. Der Vorsitzende persönlich war sich als mehr als stadtbekannter Fußball-Torwart und Sportfunktionär des Bezirksvorstandes des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR nicht zu schade, mit einer Frauengymnastikgruppe loszulegen. „Da war ich der Hahn im Korbe”, erzählt Wendorff. Weil er aber wegen des Fußballs oft nicht die Übungsstunden in der Schulturnhalle gleich nebenan leiten konnte, musste seine Frau Ruth einspringen. Auch sie blieb bis heute dabei. „Ich bin mit meinen Frauen zusammen alt geworden”, meint sie weniger despektierlich als anerkennend. „Denn wir sind auch fit geblieben. Meine Frauen sagen immer: ,Wenn du aufhörst, hören wir auch auf.’ Also halte ich weiter zur Stange.”

Die Waldstädter hatten rasch riesigen Zulauf. Nicht nur die Gymnastikgruppen standen hoch im Kurs, auch Fußball, Volleyball und Tischtennis wurden gespielt. Schon fünf Jahre nach der Gründung waren 1200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene WSG-Mitglied. Während die Fußball-Nachwuchsabteilung alsbald aufgelöst und die Talente zu Motor Babelsberg und Turbine Potsdam abgegeben wurden, machten vor allem die Volleyballer als Trainingszentrum ab 1972 von sich reden. Volleyball war und ist auch Wendorffs große Leidenschaft. 1984 wurden die Waldstädter Junioren mit Sohn Thorsten DDR-Meister und 1985 noch einmal „Vize”.

Wendorff ging es aber vor allem um den Breitensport. So wurden in Zusammenarbeit mit dem Ernährungsinstitut in Rehbrücke Molly-Kurse für Dicke angeboten. „Da hatten wir einen Bombenzulauf”, berichtet der Vereinschef. Für Hort- und Vorschulkinder gab es Turnstunden. Mit Olympia-Legende Hans Grodotzki, der in der Waldstadt wohnt, als Zugnummer wurden regelmäßige Lauftreffs organisiert. Mehrfach erhielten die Waldstädter die Auszeichnung als „Vorbildliche Sportgemeinschaft des DTSB der DDR”, die Wendorff sogar von DTSB-Chef Manfred Ewald höchstpersönlich in Empfang nahm. Auch im Judo, Karate, Federball und Yoga — das DTSB-konform Yoganastik genannt wurde — trimmten sich die Hobbysportler. Der jährliche Sportlerball in der HO-Gaststätte „Zum Kahleberg” war der kulturelle Höhepunkt.

Der Mauerfall war auch eine tiefe Zäsur für die WSG. Von den einst 1780 Mitgliedern blieben zwischenzeitlich nur noch knapp 150 übrig. „Trägerbetriebe und staatliche Förderung fielen weg. Übungsleiter wurden nicht mehr freigestellt. Die Menschen hatten andere Sorgen, mussten sich um neue Jobs kümmern”, erinnert sich Wendorff, der selbst arbeitslos wurde und noch einmal seinen Trainerschein ablegen musste, ehe er 1992 Landestrainer Volleyball wurde. So blieben die Pritscher auch nach der Wende als Trainingszentrum ein Aushängeschild — bis sich die Leistungsabteilung 2010 als VC Potsdam-Waldstadt ausgliederte.

Wendorff, der derzeit mit 260 Mitglieder in neun Abteilungen dem Sport vor der Haustür treu bleibt, ließ sich nie entmutigen: „Wenn du einmal etwas angefangen hast, dann musst du das auch zu Ende führen. Da ich immer wieder neue engagierte Mitstreiter gefunden habe, die mitziehen, habe ich den Vorsitz immer wieder übernommen. Bis zum 50. wollte ich schon noch machen.”

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