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Der versteckte Pokal

Mein Verein - Mögeliner SC Der versteckte Pokal

Der Mögeliner SC hat 174 Mitglieder. Der Verein hat eine ziemlich bewegte Geschichte hinter sich, unter anderem musste der Name geändert und ein Pokal versteckt werden.

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Die Mögeliner um Daniel Lilke (rechts) sind auf dem Havelland-Sportplatz zu Hause.

Quelle: MAZ

Die Nationalsozialisten haben fast alles einkassiert. Das Grundstück mit dem Sportplatz, Sportgeräte, sogar Urkunden und Wimpel. Als der Mögeliner SC 1933 vom Regime verboten wurde, blieb beinahe nichts übrig. Bis auf einen alten Pokal, den das Vereinsmitglied Erich Kolrep vor dem Zugriff der braunen Horden rettete und daheim in seinem Garten vergrub. Erst nach dem 2. Weltkrieg tauchte die Trophäe in Form einer Fußballer-Statur wieder auf.

Es sind Geschichten wie diese, die Manfred Sandmann faszinieren. Der 62-Jährige führt die Chronik des Vereins. Seit 1968 ist er Mitglied, hat sogar mit 39 noch die Töppen für den MSC geschnürt. Ein Clubwechsel kam für den Lehrer nie in Frage. „Ich habe so viel Schweiß für den Verein vergossen, das ist eine Herzenssache.” Heute ist der Mögeliner Teamleiter der ersten Fußball-Mannschaft, die in der 1. Kreisklasse Havelland spielt. Manfred Sandmann: „Ich klebe Pflaster, fülle das Spielformular aus oder schließe Freundschaftsspiele ab.”

Und wenn keine Partien anstehen, kümmert er sich gerne um die Chronik. „Wir haben eine große Tradition in Mögelin”, erzählt Sandmann stolz. Er hat sogar schon im Landeshauptarchiv in Potsdam gestöbert. „Ich suche Unterlagen zum Vereinsverbot durch die Nazis.” Der Mögeliner SC sei damals als linker Verein bekannt, viele Mitglieder Arbeiter gewesen. „Für rote Sporteinheit” steht auf dem alten Pokal, der heute quasi wie ein Schatz gehütet wird.

Steckbrief

  • Gründungsdatum: 11. Oktober 1913,
  • Neugründung 1937, in der DDR hieß der Verein Motor Mögelin.
  • Mitgliederzahl: 174.
  • Vorsitzender: Ralf Tebling.
  • Größter Erfolg: Viele Jahre Spielbetrieb in der Bezirksliga.
  • Abteilungen: Fußball und Tischtennis. Früher gab es noch eine Pferdesportabteilung. Als sie sich der Gesellschaft für Sport und Technik anschließen sollte, löste sie sich auf.
  • Jubiläum: Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 2013 gab es ein Spiel gegen ein DDR-All-Star-Team – unter anderem mit Wolfgang „Paule“ Seguin, Peter Ducke und Harald Irmscher. Außerdem gab es einen Festumzug.
  • Mannschaften: 1. Mannschaft (1.Kreisklasse), 2. Mannschaft (2.Kreisklasse), A-Junioren (Havellandliga), D-Junioren (1. Kreisklasse), Senioren.
  • Bekannte Namen: Günter Heitepriem, Willi Ginzel, Hans-Jürgen Meißner, Manfred Bergunde, Nicolas Tix.
  • Rekordspieler (seit 1968): Axel Heidepriem (378 Punktspiele für die erste Mannschaft/33 Tore), Norbert Lentge (363/136), Lothar Schneider (338/17).

Hin und wieder kommen Leute aus dem Dorf zu Sandmann und bringen ihm alte Fotos. Das älteste Bild zeige „die legendäre Gründerelf, die am 11. Oktober 1913 den Grundstein für den Mögeliner Fußball legte”. Einer der Gründer ist Fritz Heitepriem, ein Name, der Sandmann auf der Reise durch mehr als 100 Jahre Mögeliner SC immer wieder begegnet. Die Heitepriems gehören zum Mögeliner SC wie die Vereinsfarben Gelb und Schwarz. Günter Heitepriem, Sohn des Mitgründers, war einer der besten Kicker, die in Mögelin spielten, und wurde später Trainer. Auch dessen Sohn spielte Fußball. Und Danny Heitepriem (200 Spiele für die „Erste”), der Urenkel des Gründers, spielt heute in der zweiten Mannschaft. Weitere wichtige Namen sind Willy Ginzel, Hans-Jürgen Meißner und Manfred Bergunde. Ginzel kam aus Mögelin und lief in der 50er Jahren für Union Oberschöneweide in der DDR-Oberliga auf. Meißner spielte für Lok Stendal in der DDR-Liga. Und Bergunde war nach seiner Rückkehr von Motor Rathenow viele Jahre Spielertrainer und Trainer.

Es gab früher viele gute Kicker in Mögelin. 1949 wurde das Team Kreismeister und spielte fortan bis auf zwei Jahre im Bezirksmaßstab. „Wir waren jahrelang das einzige Dorf in der Bezirksliga”, erzählt Manfred Sandmann. Viele ältere Fußballfans aus dem Dorf erinnern sich noch gut an spektakuläre Partien gegen Motor Rathenow. Bis zu 3000 Zuschauer drängelten sich um den Platz. Sandmann: „Das waren große Derbys.” Ab 1984 ebbte die Euphorie ab. Das Dorf verschwand wieder auf Kreisebene. Derzeit steht der MSC in der 1. Kreisklasse auf Tabellenplatz fünf.

Das größte Talent der Neuzeit ist schon lange nicht mehr da. Torwart Nicolas Tix (17) ist über die Sportschule Cottbus zu RB Leipzig gewechselt. Vielleicht schafft es Tix, der schon für DFB-Auswahlmannschaften auflief, Profi zu werden. Manfred Sandmann würde es freuen — es wäre eine neue Episode in der Vereins-Chronik.

Derweil arbeitet er die vergangenen 102 Jahre auf. Bis in die 60er Jahre wurde auf dem Sportplatz „Haveleck” gekickt. Zur 50-Jahrfeier 1963 wurde der neue Havelland-Sportplatz eröffnet. 1983 bauten die Mögeliner eine ausgediente Kantinenbaracke aus der Industrie auf dem Sportplatz wieder auf. 2003 entstand eine neues Vereins-Gebäude. Es beherbergt eine Gaststätte und Räume für die Tischtennisspieler.

Auch über Freundschaften zu Sowjetsoldaten aus der nahen Garnison weiß Sandmann viel. Der MSC hatte früher oft russische Spieler. In dem Militär-Stützpunkt war in den 90er Jahren ein Asylbewerberheim untergebracht. Der MSC lud immer wieder Bewohner zum Training ein. Außerdem träumt Sandmann von einer Statistik aller Punktspiele seit der Gründung. Und noch eine Sache lässt ihm keine Ruhe. Als die Nazis das Bar-Vermögen des Vereins beschlagnahmten, waren nur noch 5,91 Reichsmark übrig. „Da hat man wohl rechtzeitig Geld beiseite geschafft.”

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