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Geschmettert wird nicht nur beim Mumien-Cup

Mein Verein Ludwigsfelder Volleyballfreunde 76 Geschmettert wird nicht nur beim Mumien-Cup

Die Ludwigsfelder Volleyballfreunde 76 haben zwar nur 12 offizielle Mitglieder, die sind dafür aber schon lange mit dabei und voller Elan. Wir stellen den Verein vor und erklären, warum ihnen das Spiel trotz teilweise hohen Alters gut von der Hand geht.

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Pünktlich, kurz vor 19.30 Uhr, öffnet Jürgen Vieweg die Eingangstür. Dann geht alles ganz schnell. Kurze Umkleide und schon hängt mitten in der Sporthalle mit dem DDR-Charme der 1960er Jahre das hohe Netz. Und nach einer kurzen Erwärmung geht’s auch schon los. Da fliegt der Ball hin und her. Hier wird geschmettert, was das Zeug hält frei nach dem Motto: Je oller, desto doller. Denn die Mitglieder der Ludwigsfelder Volleyballfreunde 76 (LVF), die sich regelmäßig zweimal in der Woche zum Volleyballsport treffen, sind zu einem großen Teil schon Rentner. Wie Jürgen Vieweg, Vereinsvorsitzender seit der Gründung.

Steckbrief

  • Gründungsdatum: September 1976
  • Mitgliederzahl: 12
  • Jüngstes Mitglied: 34 Jahre
  • Ältestes Mitglied: 76 Jahre
  • Vorsitzender: Jürgen Vieweg (66) seit der Gründung.
  • Größte Erfolge: zu DDR-Zeiten Kreismeister, Teilnahme und mehrfach Medaillengewinn bei deutschen Seniorenmeisterschaften.

Der 66-Jährige greift vor der Übungsstunde kurz zur von ihm mit viel Sorgfalt geführten Chronik und beginnt zu erzählen — von damals. Er habe 1971 in Großbeeren als Lehrer für Polytechnik angefangen. An der Schule gab es unter Kollegen eine Volleyballfreizeitmannschaft. „Da wurde ich angesprochen und habe mitgemacht. Als ich 1976 an die Schule nach Ludwigsfelde kam, habe ich es genauso gemacht und unter den Kollegen rumgefragt, wer Volleyball spielen will.” So sei eine Freizeitmannschaft entstanden, die bald bei diversen Turnieren für Furore sorgte.

Holger Ley (70), wie Vieweg und Hans-Erwin Baltrusch (61) von Anbeginn dabei, wirft ein: „Als wir mit unserem bunten Haufen bei den Kreissportfesten der Werktätigen abräumten, gab es sogar Ärger mit der Gewerkschaft. Um das Startverbot zu umgehen, weil wir quasi illegal waren, schlossen wir uns Motor Ludwigsfelde an.” Als zweite Mannschaft der Betriebssportgemeinschaft konnten sie dann auch offiziell am Punktspielbetrieb teilnehmen.

Nach der Wende gaben sich die Volleyball-Autodidakten, die sich selbst trainierten, dann auch offiziell den Vereinsnamen Ludwigsfelder Volleyballfreunde 76 als stolzen Hinweis auf die Gründerväter, die bis heute zur Stange halten. „Es macht einfach Spaß, sich noch ein bisschen zu bewegen. Klar, zwickt und zwackt es mal hier, mal da. Aber ich habe mein ganzes Leben lang Sport getrieben, da will ich doch im Alter erst recht nicht darauf verzichten”, meint Ley. Der ehemalige Schlosser gerät ins Schwärmen, wenn er von den legendären Beach-Turnieren am FKK-Strand von Prerow an der Ostsee erzählt...

Eberhardt Schröder, der kurz nach der Gründung zum Verein stieß, ist mit seinen 76 Jahren nicht nur der älteste, sondern als Zuspieler auch ein ganz wichtiger Akteur bei den Volleyballfreunden: „Sicher ist Volleyball recht anspruchsvoll. Aber aus alter Gewohnheit geht es noch ganz gut von der Hand. Das verlernt man nicht so schnell, wenn man regelmäßig spielt.” Auch die beiden Polizisten Marko Kither (40) und Frank Meister (55), die angesichts ihres Alters fast noch „als Jungspunde durchgehen”, sind mit Eifer dabei: „Auf dem Dorf ist die Freizeitmannschaft nicht mehr aktiv, aber hier habe ich genau die richtige Truppe getroffen. Das Training lässt sich mit dem Schichtdienst gut vereinbaren. Es macht einfach Spaß, wir hauen anständig drauf auf den Ball”, versichert Kither. Mit Sabine Heilbrunn (51) und Anne Kramer (39) sind auch zwei Frauen darunter.

Vereinschef Vieweg hat längst Ehefrau Carin und Tochter Yvonne mit dem Volleyball-Virus angesteckt. Die Ehefrau verrät: „Der Volleyball liegt immer im Kofferraum des Autos. Da sind wir früher bei Reisen nur schwer an einem Volleyballfeld vorbeigekommen ohne Zwischenstopp.” Selbst die Hotels in aller Herren Länder wurden bei diversen Reisen nur gebucht, wenn sie auch über einen Volleyballplatz verfügten. Dank persönlicher Kontakte zu anderen Mannschaften und Vereinen ist Vieweg an fünf Abenden die Woche am hohen Netz aktiv.

Mit seinen Freunden nimmt er an deutschen Seniorenmeisterschaften teil, war 2008 mit Wildau in der Ü60 Meister und vor zwei Jahren mit Bestensee in der Ü65 Vize. Dazu kommen Beachvolleyball-Turniere wie der Mumien-Cup in Warnemünde. Schließlich will auch das Vereinsleben organisiert sein. Jedes Jahr lädt eine Familie zum Sommerfest in den Garten. Im Februar steht die traditionelle Winterwanderung an — mit Rast in der Gaststätte inklusive. Die Ludwigsfelder Volleyballfreunde wollen noch lange am Ball bleiben.

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