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Nach Terror Rückkehr ins Stade de France

Fußball Nach Terror Rückkehr ins Stade de France

Viereinhalb Monate nach den Pariser Anschlägen kehren "Les Bleus" ins Stadion zurück, das damals auch im Visier der Terroristen stand. Das Match gegen Russland wühlt drückende Erinnerungen auf - und soll der Mannschaft trotzdem Rückenwind vor der EM im eigenen Land geben.

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Frankreichs Trainer Didier Deschamps machte trotz aller Trauer klar: «Das Stade de France ist unser Stadion.»

Quelle: Uwe Anspach

Saint-Denis. Die Szene haben vielen Fußballfans noch im Kopf: Das dumpfe Explosionsgeräusch und der irritierte Blick des französischen Verteidigers Patrice Évra, der gerade den Ball hat.

Zu diesem Zeitpunkt wissen die Spieler an jenem 13. November noch nicht, dass sich wenige Meter vom Stade de France gerade ein Attentäter in die Luft gesprengt hat. Am Dienstag kehrt Frankreichs Nationalmannschaft erstmals seit den Pariser Terroranschlägen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zurück in ihr Stadion.

Zweieinhalb Monate vor der Europameisterschaft ist das Freundschaftsspiel gegen Russland für die EM-Gastgeber auch eine Gelegenheit, Sicherheits-Bedenken entgegenzutreten. Die Anschläge von Brüssel in der vergangenen Woche haben die Frage nach dem Schutz des Turniers noch stärker in den Vordergrund gerückt. "Die schönste, die stärkste Antwort auf den Terrorismus (...) ist das Leben", sagte Premierminister Manuel Valls am Sonntag im Sender France 2. Frankreich sei in der Lage, die Sicherheit zu gewährleisten.

Angreifer Olivier Giroud machte klar, dass der Gang auf den Rasen am Dienstagabend Erinnerungen auslösen wird: "Bevor wir Sportler sind, sind wir menschliche Wesen. Das wird uns berühren, zurückzukehren." Frankreichs Trainer Didier Deschamps sagte im Vorfeld: "Niemand wird vergessen können, was passiert ist, aber wir dürfen nicht mit Furcht und Angst dorthin gehen." - "Das Stade de France ist unser Stadion."

Verteidiger Christophe Jallet erklärte nach Angaben des Magazins "France Football", es gebe keine Furcht im Team. "Wir werden unsere Gefühle beiseite lassen müssen", so die Devise - für die Spieler ist es die letzte Chance, bei einem Länderspiel zu glänzen, bevor Deschamps Mitte Mai seinen vorläufigen EM-Kader bekanntgibt.

Am 13. November hatten drei Selbstmordattentäter im Umfeld des Stade de France ihre Bomben gezündet, während drinnen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte (0:2). Ziel der Männer war es nach Angaben der Behörden eigentlich, ins Stadion zu gelangen. Die deutsche Elf verbrachte die Nacht in den Kabinen, die Franzosen verließen das Gebäude erst gegen 3.00 Uhr morgens.

Nun wird das Stadion wie schon bei einem Rugby-Spiel im Februar streng abgeschirmt. Alle Besucher müssen sich auf zwei Kontrollen einstellen, nach einem Bericht von RMC Sport werden neben den privaten Sicherheitsleuten gut 400 Polizisten im Einsatz sein. Laurent Simonin von der Polizeipräfektur sagte dem Sender, zusätzlich würden Scharfschützen positioniert, außerdem sei ein Team der Polizei-Spezialeinheit RAID im Stadion in Bereitschaft.

Sportlich erhoffen die Franzosen sich von der Partie Rückenwind vor der EM im eigenen Land, die das Viertelfinal-Aus bei der WM in Brasilien vergessen machen soll. Die Zwischenbilanz ist solide: Bei ihren letzten sieben Spielen kassierte die Équipe tricolore nur eine Niederlage gegen England, und diese Partie war vier Tage nach der Schreckensnacht von Saint-Denis nicht aussagekräftig. Erst am Freitag bezwangen sie die Niederlande verdient mit 3:2.

Vor dem Turnier stehen für die Franzosen noch zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, gegen Kamerun und Schottland. Am 10. Juni laufen die Männer in Blau dann wieder im Stade de France auf - für das EM-Eröffnungsspiel gegen Rumänien. Offen ist aber immer noch, ob der skandalumwitterte Top-Torjäger Karim Benzema bei der EM ein Comeback geben darf - eine Entscheidung soll bis zum 15. April fallen. Benzema hatte verletzt auch schon am 13. November gefehlt.

Anders als Blaise Matuidi. Der Mittelfeldspieler traf sich vor einigen Tagen auf Einladung der Sportzeitung "L'Équipe" mit dem Sicherheitsmann, der damals einem Attentäter den Zugang verweigert hatte. Er sei ein bisschen traumatisiert, wie alle Spieler, erzählte der Spieler da. "Aber wir müssen zeigen, dass wir stärker sind als das."

dpa

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