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Neuer Wirbel um Blatter vor Pk mit US-Justizministerin

Fußball Neuer Wirbel um Blatter vor Pk mit US-Justizministerin

An diesem Montag informiert die US-Justizministerin über den Stand der Ermittlungen zum FIFA-Korruptionsskandal. Schon vorher muss Noch-Chef Joseph Blatter sich neuen Vorwürfen stellen. Er soll TV-Rechte unter Marktwert verkauft haben.

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FIFA-Chef Joseph Blatter und der ehemalige CFU-Präsident Jack Warner 2003 in Mexico City.

Quelle: Mario Castillo

Berlin. Noch vor dem womöglich brisanten Auftritt von US-Justizministerin Loretta Lynch am Montag in Zürich sorgen neue Enthüllungen über Joseph Blatter für Wirbel.

Drei Tage vor der Zwischenbilanz der Ermittler im FIFA-Korruptionsskandal stellte ein Bericht des Schweizer Fernsehens den umstrittenen Weltverbandschef an den Pranger. Demnach soll der im Februar aus dem Amt des FIFA-Präsidenten scheidende Blatter TV-Übertragungsrechte vor zehn Jahren zu einem bemerkenswerten Preis an einen der Beschuldigten in der FIFA-Affäre verkauft haben. Konkret geht es um einen Vertrag mit dem damaligen Chef der karibischen Fußball-Union (CFU), Jack Warner.

Für insgesamt 600 000 Dollar soll Blatter nach Angaben des Senders SRF die Rechte dem damaligen Karibik-Chef überlassen haben. 250 000 Dollar kosteten Warner demnach die TV-Übertragungsrechte für die WM 2010 in Südafrika, 350 000 Dollar die entsprechenden Rechte für die WM in Brasilien. Der Deal werfe die Frage auf, ob das ein Freundschaftspreis gewesen sei oder ein kaufmännisch korrekt berechneter Preis, sagte die Rechtsprofessorin und Korruptions-Expertin Monika Roth in dem Fernseh-Beitrag.

Die FIFA bestätigte den Vertrag. Dieser sei am 12. September 2005 mit der CFU betreffend Fernsehübertragungsrechte abgeschlossen worden. Der Weltverband betonte aber, dass sich die CFU nicht an Vereinbarungen gehalten habe. "Gestützt auf diesen Vertrag sollte die FIFA nicht nur eine fixe Lizenzzahlung, sondern auch eine Gewinnbeteiligung in der Höhe von 50% aller Unterlizenzeinnahmen erhalten. Der Vertragspartner CFU hat dann aber die Zahlungspflichten nicht erfüllt sowie diverse weitere Vertragsverletzungen begangen", hieß es von der FIFA. Die Vereinbarung mit CFU sei von der FIFA am 25. Juli 2011 gekündigt worden.

Warner soll die Rechte 2007 angeblich für 15 bis 20 Millionen Dollar weiterverkauft haben, berichte das Schweizer Fernsehen. Zu dem äußerst umstrittenen 72-Jährigen wollte sich die FIFA mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen in den USA nicht äußern.

Warner gehörte fast drei Jahrzehnte (1983 bis 2011) dem höchsten Gremium der FIFA (Exekutivkomitee) an und war zeitweise auch FIFA-Vizepräsident. Er war 2011 suspendiert worden, nachdem er vor der damaligen Präsidentenwahl Stimmen für Blatter-Herausforderer Mohamed bin Hammam gekauft haben sollte. 2006 war Warner in Schwarzmarkt-Ticketverkäufe bei der WM in Deutschland verstrickt gewesen. Warner bestreitet alle Vorwürfe auch im jüngsten Skandal, in seiner Heimat Trinidad und Tobago wurde er gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar zunächst wieder freigelassen.

Um seine Verstrickungen in den schwersten Korruptionsskandal der FIFA, der Blatter letztlich zum Rückzug Ende Februar 2016 bewogen hat, dürfte es auch in der Pressekonferenz gehen, die Lynch und der der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber in Zürich geben werden. Sie wollen über den Stand der Ermittlungen informieren. Nach bisheriger Kenntnis werden von den US-Ermittlern 14 Personen - neun ehemalige Fußball-Funktionäre und fünf Geschäftsmänner - der Korruption beschuldigt. In der Schweiz läuft zudem ein Strafverfahren um die umstrittenen WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022.

Bei einer Pressekonferenz im Mai in New York hatte Lynch mit Blick auf die Beschuldigten betont: "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern."

Anfang Juni hatte Lynch zu möglichen FBI-Ermittlungen gegen Blatter geschwiegen und darauf verwiesen, dass es eine laufende Angelegenheit sei. "Es ist ein offener Fall, und deshalb werden wir nun durch die Gerichte sprechen."

Blatter hatte nach dem schwersten Korruptionsskandal in der FIFA-Geschichte seinen Rückzug angekündigt. Er war vorher für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden. Immer wieder beteuerte Blatter seine persönliche Unschuld in dem Skandal. "Ich weiß, was ich getan habe, was ich nicht getan habe. Ich habe mein Gewissen, und ich weiß, dass ich ein ehrenwerter Mann bin. Ich bin sauber", hatte er der BBC gesagt. Es gebe keine Korruption im Fußball, es gebe Korruption bei Einzelpersonen.

Blatters Nachfolger wird am 26. Februar 2016 gewählt. Favorit auf den FIFA-Chefposten ist bislang der Franzose Michel Platini, derzeit Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

dpa

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