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Boll: Der Fahnenträger tut sich an der Platte schwer

Olympia Boll: Der Fahnenträger tut sich an der Platte schwer

Timo Boll hat bei den Olympischen Spielen in Rio (noch längst) keine Medaille gewonnen, wird aber immerhin wiedererkannt: Er werde jetzt andauernd als Fahnenträger begrüßt, sagte er. Sportlich hatte er zum Auftakt mächtig zu kämpfen.

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Timo Boll tat sich bei seinem Sieg über den Russen Alexander Shibajew schwer.

Quelle: Erik S. Lesser

Rio de Janeiro. Die scherzhafte Frage, ob er noch eine Fahne von der Eröffnungsfeier habe, verstand Timo Boll nach seinem Zitterstart ins olympische Tischtennis-Turnier nicht gleich.

Jedenfalls hat er die schwarz-rot-goldene Flagge nach seinem großen Moment im Maracanã wieder abgeben müssen. "Wir haben sie da alle in so einen Ständer reingesteckt. Schade, dass ich sie nicht mitnehmen durfte", meinte Boll. Auch nach seinem mühsamen Auftakt im Einzel-Wettbewerb von Rio drehte sich noch vieles um seinen Auftritt als deutscher Fahnenträger.

Zwei Tage danach besiegte Boll den Russen Alexander Shibajew in der dritten Runde gerade so mit 4:3-Sätzen. Der sechsmalige Europameister aus Düsseldorf trifft nun auf den Nigerianer Aruna Quadri. Bei einem Sieg könnte dann bereits im Viertelfinale der Gegner Weltmeister und Topfavorit Ma Long aus China sein.

Viel Kraft habe er am Freitagabend im Maracanã nicht gelassen, versicherte Boll. Daran habe es nicht gelegen, dass er sich gegen seinen russischen Trainingspartner so schwer tat. "Das ging schon. Ich habe den early exit genommen", erklärte der Linkshänder, den frühen Ausgang bei der Eröffnungsfeier. Um 23 Uhr sei er schon im Olympischen Dorf gewesen. "Ich glaube, das hat mich eher etwas entspannt, dass ich schon so ein Highlight hatte."

Den Puls, den er vor der Eröffnungsfeier hatte, habe er vor dem ersten Spiel im Riocentro nicht gehabt. "Diese Momente werde ich wahrscheinlich nie vergessen." Und: "Man wird jetzt wirklich oft als Fahnenträger begrüßt."

An der Tischtennisplatte allerdings nicht. Da verlor Boll bereits den ersten Satz mit 12:14. Den zweiten gewann der Weltranglisten-13. klar mit 11:3. Danach lieferte er sich mit Shibajew ein enges Match, ehe er mit einem 11:6 im letzten Durchgang alles klar machte.

Der 35-Jährige hatte von Anfang an von einer "schweren Auslosung" gesprochen. Es bringe auch nichts, sich jetzt schon mit Ma Long zu beschäftigen. Die Chancen mit der Mannschaft seien vielleicht "einen Tick größer" als im Einzel. Da hatte er mit dem deutschen Team 2012 Bronze und 2008 Silber gewonnen.

Dann kam in der Tischtennis-Halle schnell wieder das Gespräch auf den Fahnenträger Boll. "Das ehrt einen schon unheimlich. Man hat so eine gewisse Demut, im Herbst seiner Karriere so etwas zu erleben." Die Spiele 2020 in Tokio wären dann wohl so etwas wie der Winter seiner Laufbahn, meinte er.

"Ich halte das aber nicht für ausgeschlossen - wenn mein Körper nicht zu gebrechlich ist und ich mich nicht mit Schmerzen ins Training schleppe." Dann wäre er jedenfalls nur noch der Ex-Fahnenträger.

dpa

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