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Erst das Bier, dann die Medaille

Kugelstoßerin Christina Schwanitz Erst das Bier, dann die Medaille

Christina Schwanitz, Kugelstoß-Weltmeisterin aus Chemnitz, eröffnet in der Nacht zum Sonnabend die Medaillenjagd der deutschen Leichtathleten im Maracanã. Eine Medaille in Rio ist für die Sächsin fest eingeplant. Doch schafft die 31-Jährige auch den Sprung auf den olympischen Thron?

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Christina Schwanitz

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. An ihrem Ritual, am Abend vor einem wichtigen Wettkampf ein Bier als Schlummertrunk wegzuatmen, hielt Christina Schwanitz auch gestern fest. Die Kugelstoß-Weltmeisterin aus Chemnitz eröffnet in der Nacht zum Sonnabend die Medaillenjagd der deutschen Leichtathleten im Maracanã. Acht Plaketten holten die DLV-Asse vor vier Jahren in London, in Rio ist eine Medaille der Sächsin fest eingeplant. Doch schafft die 31-Jährige auch den Sprung auf den olympischen Thron?

Spätestens bei der Gala im Dezember in Baden-Baden sammelte die Sportlerin des Jahres mit ihrer erfrischenden Art viele Sympathiepunkte bei ihren Landsleuten. Statt vornehm mit Sekt anzustoßen, trank sie mit Moderator Rudi Cerne entsprechend ihrem Ritual ein Bier auf ex – natürlich gleich aus der Flasche. Dann prägte sie den Spruch: „Ich bin die einzige Frau, die sich über sieben Zentimeter freut.“ Damit spielte sie auf ihren Vorsprung bei der WM in Peking an.

Heute könnte es ähnlich eng zugehen, denn neben ihrer Dauerrivalin Lijao Gong aus China hat sich auch Olympiasiegerin Valerie Adams mit 20-Meter-Stößen zurückgemeldet. Die Neuseeländerin war lange wegen Schulterproblemen ausgefallen. In diesem Jahr erwischte es Schwanitz, die eine Leidenszeit zu überstehen hatte. „Bei Valerie hat es zwei Jahre gedauert, bei mir zum Glück nur drei Monate.“ Alle erlaubten Register hat sie gezogen, vor allem half Lars Lienhard, ein Neuroenergie-Coach aus Bonn, der es über nervale Ansteuerung und ohne Hokuspokus schafft, Schmerzzustände zu lindern. „Er hilft mir, meiner Schulter zu sagen, dass sie nicht mehr wehtut. Es funktioniert.“

„Im Februar hatte ich den Glauben schon verloren, in diesem Jahr Kugelstoßen zu können.“ Die Folge war schlechte Laune, die ihr Ehemann auszubaden hatte. Diesen hatte Christina Schwanitz übers Internet kennengelernt. „Er schrieb mir nach den Spielen in Peking – aber nicht nur einmal.“ Aus dem vermeintlich aufdringlichen Fan wurde Monate später die große Liebe. Da die Wege in Rio weit und die Bedingungen nicht optimal sind, reisen nahezu alle DLV-Asse erst wenige Tage vor ihrem Start an. „An den letzten Tagen kann man eh nichts mehr bewegen, da geht es nur um Rituale, möglichst alles so zu machen wie bei seinen Erfolgen“, meint Trainer Sven Lang. „Entweder du hast was drauf, wenn du in den Flieger steigst, oder nicht.“ Der Coach ist davon überzeugt: Schwanitz hat trotz holpriger Vorbereitung eine Menge drauf.

Von Frank Schober

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