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Erste Olympia-Medaille für Deutschland

Vielseitigkeitsreiten Erste Olympia-Medaille für Deutschland

Sie hatten alles gegeben, waren im abschließenden Springreiten fehlerfrei geblieben und hatten sich so die Minimalchance auf die Bronzemedaille erhalten. Umso größer die Freude, als die Vielseitigkeitsreiter am Ende sogar noch Silber holten – und damit die erste deutsche Medaille bei den olympischen Spielen in Rio.

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Die Vielseitigkeitsreiter holen eine Silbermedaille.

Quelle: Imago

Rio de Janeiro. Am Ende schauten sie gebannt auf die letzten beiden Reiter. Ingrid Klimke, Sandra Auffarth und Julia Krajewski auf der Tribüne, Michael Jung beim Abreiteplatz. Sie hatten alles gegeben, waren im abschließenden Springreiten fehlerfrei geblieben und hatten sich so die Minimalchance auf die Bronzemedaille erhalten. Dass die Vielseitigkeitsreiter am Ende Silber holen würden – die erste deutsche Medaille bei den olympischen Spielen in Rio –, damit war nach dem schwarzen Montag im Gelände nicht mehr zu rechnen gewesen.

Frankreich stand schon längst als Olympiasieger fest, als der Neuseeländer Mark Todd an den Start ging, um seinem Land Silber zu sichern. Doch er patzte – vier Abwürfe leistete er sich. Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Bronze sicher. Dass es Silber wurde, weil auch noch der Australier Christopher Burten in einem spannenden Vielseitigkeitsfinale doppelt patzte, bekam Klimke auf der Tribüne fast nicht mit. „Ich habe mich über Bronze gefreut und plötzlich hieß es: Yeah, Silber!“ Jung, der anschließend noch um eine Medaille im Einzel ritt, weil er als Einziger des deutschen Quartetts auch in der Dressur und im Gelände stark war, konnte dieses Glück ebenfalls kaum fassen. „Überragend, dass es noch so ein Happy End gegeben hat.“

Dabei schien es noch vor dem Springreiten so, als würden auch die hoch gehandelten Vielseitigkeitsreiter, die in Rio immerhin den Titel im Team und im Einzel verteidigen wollten und Mannschaftsgold als Ziel ausgegeben hatten, leer ausgehen. Auffarth, eine der Titelfavoritinnen, patzte im Gelände doppelt („Das ist mir noch nie passiert“), Krajewski weinte, nachdem ihr Pferd dreimal verweigert hatte und sie damit aus dem Rennen war, und auch Klimke patzte.

Am Ende musste Bundestrainer Hans Melzer schon am Montag enttäuscht erklären: „Der Traum von der Titelverteidigung ist geplatzt.“ Der Mannschaftsbeste Jung sagte vor dem Finale gar demütig, man müsse nun Platz fünf und damit die erneute Olympia-Teilnahme sichern.

Stephan Mayer (CSU), Mitglied im Sportausschuss des Bundestages, hatte nach dem dürftigen Start des deutschen Olympia-Teams schon „eine schonungslose Analyse“ gefordert. „Wir benötigen unmittelbar nach den Spielen in Rio einen nationalen Sportgipfel. Es darf keine Tabus geben, und man muss auch von überholten Befindlichkeiten Abstand nehmen. Andere Nationen wie Großbritannien und Italien sind leider an uns vorbeigezogen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Klimke übte gestern vor allem Kritik am schwierigsten Geländekurs der olympischen Geschichte. „Da hieß es überall: Vorsicht, Falle! Wir wollen doch nicht Bilder sehen von Stürzen und Ausfällen. Ich liebe diesen Sport, aber er muss von Leichtigkeit getragen sein, man muss mit einem Lächeln reiten können.“ Noch nie hat es so viele Stürze gegeben wie in Rio.

Doch weil Deutschland gestern das Feld von hinten aufrollte, konnte schließlich doch noch gelächelt werden. „Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren“, sagte Auffarth.

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Von Manuel Becker

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