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Gute Olympia-Gesamtbilanz der Kanuten

Sieger ohne Star-Allüren Gute Olympia-Gesamtbilanz der Kanuten

Die Rennkanuten haben vier Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen geholt, stellen einen Fahnenträger aus Potsdam und werden nächstes Jahr bei der WM in einem Hotelschiff untergebracht. Nicht schlecht. Und für eine Silbermedaillengewinnerin gab es noch etwas ganz Besonderes.

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Jan Vandrey und Sebastian Brendel (rechts).

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Was für ein Finaltag der Kanurennsport-Wettbewerbe in Rio: Im 20-Minuten-Takt fischte die pinkfarbene Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) vier Medaillen aus dem Lagoa Rodrigo de Freitas und schraubte die Gesamtbilanz auf vier Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze. Elf der 13 Rennkanuten fahren mit Edelmetall heim. Gerade die eine Bronzeplakette wurde besonders gefeiert. Im ersten Finale kurz nach 9 Uhr ersprintete sich Altmeister Ronald Rauhe bei seinem fünften Olympischen Spielen seine ersehnte vierte Medaille, die ihm zwei Tage zuvor im Zweierkajak noch verwehrt geblieben war. Der 35-jährige Potsdamer musste durch ein Wechselbad der Gefühle. Erst leuchtete Platz vier auf – zeitgleich mit dem drittplatzierten Spanier. Dann setzte die Jury beide auf den Bronzeplatz, denn sie waren auf die Tausendstel die gleiche Zeit gepaddelt.

Ronald Rauhe

Quelle: Soeren Stache

Als kurz darauf Sebastian Brendel zum Zweiercanadier-Finale am Start stand, wusste der Potsdamer noch nichts von seinem Glück, am Sonntag zum Abschlussfeier die Fahne ins Maracana tragen zu dürfen. „Das habe ich nach der Siegerehrung erfahren. Das kam für mich ebenso überraschend wie meine Goldmedaille heute. Das ist eine Ehre und die Krönung meiner Karriere, darauf bin ich unheimlich stolz. Und es ist eine Anerkennung für die gesamte Kanu-Mannschaft, denn die vier Goldenen habe ich ja nicht alleine geholt“, sagte der 28-Jährige, der erst vor wenigen Wochen den C2-Startplatz mit seinem Klubkollegen Jan Vandrey erhalten hatte, weil die Teams aus Rumänien und Weißrussland wegen diverser Dopingvergehen suspendiert worden waren. Brendel/Vandrey lagen zwischenzeitlich auf Platz fünf, beide hielten den Abstand zu den führenden Brasilianern aber bei maximal 1,5 Sekunden. Mit einem atemberaubenden Endspurt stürmten sie auf den letzten 250 Metern zu Gold. Den souveränsten Sieg mit 2,9 Sekunden Vorsprung fuhr der Viererkajak der Männer ein. Die K4-Frauen mussten sich nur den Ungarinnen geschlagen geben, die ihrem auf der Tribüne mitfiebernden Präsidenten Viktor Orbán zuwinkten.

DKV-Präsident Thomas Konietzko muss bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Tschechien eine Wettschuld einlösen. Da die Hotelsituation im WM-Ort Racice nicht die beste ist, hatte er vorab zu seinem Team gesagt: „Bei vier Goldmedaillen spendiere ich euch ein Hotelschiff auf der Elbe.“ Dies setzt der aus Wolfen stammende Kanu-Chef gern um. Konietzko war ebenso glücklich wie seine Aktiven, meinte aber auch: „Wir haben die Messlatte extrem hochgelegt. Ich spüre schon die Schläge, wenn es in Tokio nicht ganz so klappen sollte.“ Zunächst freute er sich über die große mediale Resonanz: „Die  Währung, mit der unsere Athleten bezahlt werden, ist kein Geld, sondern die öffentliche Anerkennung."

Silbermedaillen-Gewinnerinnen: Sabrina Hering, Steffi Kriegerstein, Franziska Weber and Tina Dietze (von links nach rechts)

Quelle: Soeren Stache

Auch bei Viererkajak-Silbermedaillengewinnerin Sabrina Hering spielte eine Wette bei der Motivation eine entscheidende Rolle. „Ich wollte 2012 eigentlich aufhören. Da sagte mein Freund zu mir: Wenn du in Rio eine Medaille holst, bekommst du einen Heiratsantrag“, erzählte die 24 Jahre alte Hannoveranerin, die ihrem langjährigen Freund Paul (31) schon Minuten nach dem Rennen in den Armen lag. Dann ging es mit Verlobungsring und Freudentränen zur Siegerehrung.

Für Cheftrainer Reiner Kießler war es eine Woche nach seinem 65. Geburtstag der ideale Abschied. Der Sachse, der im im Februar in Rente geht, meinte: „Das ist vom Teamgeist her die beste Truppe, die wir je hatten. Einer steht bei uns für den anderen ein – und es gibt keinen Star. Das ist unser Erfolgsgeheimnis.“

Von Frank Schober

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