Startseite MAZ
Volltextsuche über das Angebot:

„London war mir eine Lehre fürs Leben“

Interview mit Paul Biedermann „London war mir eine Lehre fürs Leben“

Für Schwimm-Star Paul Biedermann sind es die dritten olympischen Spiele. Am Sonntag – seinem 30. Geburtstag – geht er in Rio erstmals an den Start. Im Interview erzählt er, wie es um seinen Schlaf bestellt ist, wie gut er vorbereitet ist und wie er die beiden anderen Olympia-Teilnahmen erlebt hat.

Voriger Artikel
Bundesaußenminister Steinmeier: "Ihr seid wahre Helden!"
Nächster Artikel
Ingrid Klimke, Triathletin des Pferdesports

Paul Biedermann.

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Für Schwimm-Star Paul Biedermann sind es die dritten olympischen Spiele. Am Sonntag – seinem 30. Geburtstag – geht er in Rio erstmals an den Start. Im Interview erzählt er, wie es um seinen Schlaf bestellt ist, wie gut er vorbereitet ist und wie er die beiden anderen Olympia-Teilnahmen erlebt hat.

Herr Biedermann, wie schlafen Sie zurzeit?

Paul Biedermann: Sehr entspannt. Wieso?

Ihr Trainer Frank Embacher hat mal gesagt: Wenn Paul schlafen kann, dann mache ich mir keine Sorgen um Rio. Ist es wirklich so einfach?

Biedermann: Schlaf ist natürlich mit das Wichtigste, wenn es um die Regeneration geht. Aber Herr Embacher hat das ja wahrscheinlich auf den veränderten Tagesrhythmus bei den Olympischen Spielen bezogen …

… wo die Abendabschnitte der Beckenwettbewerbe aufgrund der Prime-Time-Wünsche des amerikanischen Fernsehmarkts erst ab 22 Uhr gestartet werden, Sie schlimmstenfalls also erst um 2 Uhr ins Bett kommen und um 6 Uhr schon wieder vom Trubel im olympischen Dorf geweckt werden.

Biedermann: Wir haben diesen Rhythmus im Vorfeld schon zweimal getestet. Ich hatte da, toi, toi, toi, keine Probleme. Ich kann auch tatsächlich morgens lange schlafen, darauf kann mein Körper anscheinend relativ schnell reagieren. Da kann man ganz gut mit Ohropax und Schlafbrille arbeiten, die Fenster lassen sich super mit Alufolie abdunkeln, da kommt nichts durch.

Wie haben Sie sich gedanklich auf Rio vorbereitet?

Biedermann: Da fragt man sich schon: Wie wird die Halle sein, wie das Becken, wie sind die Wege, wie weit ist es von der Halle bis zur Unterkunft – das beschäftigt einen schon. Ich weiß: Ich habe noch etwas vor mir.

Für Sie sind es die dritten Olympischen Spiele. Was ging damals vor Ihrem ersten olympischen Finale 2008 in Peking eigentlich in Ihnen vor?

Biedermann: Ich kann mich da ehrlich gesagt gar nicht mehr an so viel erinnern. Da ist einfach viel Neues auf einmal passiert, das verschmilzt alles irgendwie zu einem total tollen Gefühl. Ich weiß aber noch, dass ich am Startblock wahnsinnig aufgeregt und beeindruckt war.

Und nach dem Anschlag?

Biedermann: Das war Freude pur. Über den fünften Platz, über die Zeit, über die Möglichkeit, überhaupt bei Olympischen Spielen dabei zu sein, dort schwimmen zu dürfen. Da war ich froh und glücklich. Das war ein richtig schönes Erlebnis.

Vier Jahre später dann das genaue Gegenteil: Die Spiele in London, die eigentlich Ihre Spiele hätten werden sollen, begannen mit einem Aus im Vorlauf über Ihre Weltrekordstrecke 400 Meter Freistil.

Biedermann: Das war wirklich eine herbe Enttäuschung. Auch körperlich war es sehr anstrengend. Und doch musste ich es abhaken, am nächsten Tag kamen ja gleich die 200 Kraul. Aber der Start in die Spiele war schon katastrophal, das kann man nicht anders sagen.

Wussten Sie vor dem anschließenden 200-Meter-Freistil-Finale, dass auch das nicht Ihr Rennen wird?

Biedermann: Da sind nur ganz wenige Erinnerungen übrig geblieben. Nur ein paar Gefühle – und die waren nicht gut.

Sie gingen als WM-Dritter mit großen Zielen und großem Druck ins Rennen. Nach dem enttäuschenden fünften Rang reisten Sie direkt wieder ab.

Biedermann: Das sind Sachen, auf die bereitet dich keiner vor. London und die Ereignisse dort waren mir eine Lehre fürs Leben.

Und nun geht es bei Ihren dritten und letzten Olympischen Spielen ausgerechnet an Ihrem 30. Geburtstag am Sonntag auf den Block für die 200-Meter-Freistil-Vorläufe. Wie würden Sie sich diesmal gerne fühlen?

Biedermann: Am besten großartig. Und mit der Sicherheit zu wissen, was ich kann.

Hilft es dabei auch zu wissen, dass es 2012 auch an mentalen Blockaden lag?

Biedermann: Klar. Mir helfen alle meine Erfahrungen, die ich über die Jahre gemacht habe, auch mit meinen großen Erfolgen 2009 (Doppel-Gold und Doppel-Weltrekord bei der WM in Rom; d. Red.). Und es hilft auch zu wissen, dass ich meine vermeintlich größte Niederlage schon hinter mir habe.

Und wie würden Sie sich gerne an Ihre letzten Rennen erinnern?

Biedermann: Damit, dass ich weiß: Ich habe alles gegeben. Damit, zu wissen: Das war wirklich alles, was du mit deinen 30 Jahren noch rausholen konntest.

Und dann ist auch schon Mittwoch, der 10. August. Sie wachen nach dem letzten Rennen Ihrer Karriere auf ...

Biedermann: ...und ich habe nach Möglichkeit überhaupt nicht geschlafen, weil ich einen tollen Abend im Deutschen Haus hatte.

Von Sabrina Knoll

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Olympia-News