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Party bis sechs Uhr morgens

Goldene Beachvolleyballerinnen lassen es krachen Party bis sechs Uhr morgens

Die Uhr im Caesar Park Hotel zeigte Viertel nach vier, als es auf der Goldparty der Beachvolleyballerinnen so richtig feucht wurde. Laura Ludwig hechtete mit Gold um den Hals in voller Montur in den Pool auf der Dachterrasse, Kira Walkenhorst sprang mitsamt dem Rest des Teams gleich hinterher.

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Kira Walkenhorst (rechts) and Laura Ludwig.

Quelle: Sebastian Kahnert

Rio de Janiero. Um 3.22 Uhr waren die Olympiasiegerinnen im 23. Stock erschienen, wurden von rund 50 Gästen mit „Oh, wie ist das schön!“ und „Schallalah“-Gesängen begrüßt. Es war der Startschuss für eine rauschende Goldnacht mit Caipirinha, Bier, Burger, Schlager und ganz viel Liebe. Ludwig kuschelte sich immer wieder an ihren Freund Imorfene Bowes, einen holländischen Beachvolleyballtrainer. Walkenhorst tanzte, hüpfte über die Terrasse – und gab hoch über den Dächern von Ipanema das Bekenntnis für Tokio 2020. „Eine Medaille geht noch“, erklärte sie. Und auch Ludwig hat „definitiv noch Lust auf mehr. Ich bin so fit.“

Olympia 2020 hat auch Manager Andreas Scheuerpflug längst im Visier. „Wir planen den nächsten Olympia-Zyklus.“ Neue, noch lukrativere Sponsorenanfragen für seine „Golden Girls“ und erste TV-Anfragen flatterten noch in der Partynacht auf sein Handy.

Es war eine magische Nacht. An der Copacaba, dem Beachvolleyball-Mekka, hatten die beiden Deutschen zuvor 11 000 fanatische Brasilianer zum Schweigen gebracht. Mit einem perfekten Spiel hatten die Weltranglistenersten die brasilianischen Weltmeisterinnen Agatha und Barbara mit 2:0 (21:18, 21:14) demontiert. Im Finale stand Walkenhorst beim Block „zehn Zentimeter höher“, war Ludwig „so brutal schnell in der Abwehr. Wir haben hier alles zusammengebracht, auch mental. Olympia gewinnt man im Kopf“, sagte Coach Wagner. Um 0.41 Uhr war der Traum real geworden – Gold in Rio! „Ich wusste, dass das nicht schiefgeht“, sagte Wagner hinterher. Vier Jahre zuvor, als er Julius Brink und Jonas Reckermann zum Olympiasieg geführt hatte, war er „wesentlich aufgeregter“. Im Moment des Triumphes hielten sich seine Mädels lang in den Armen. Auf dem Podium brach es dann aus beiden heraus, kullerten die Tränen. „Da ist mir so viel durch den Kopf gegangen, auch die schweren Zeiten, der steinige Weg“, sagte Walkenhorst.

Es hatte nämlich Momente gegeben, da wollte sie nur allein sein. Januar 2014  streikte der Körper. Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. „Die meiste Zeit war Warten und Sich-verrückt-Machen.“ Im Dezember 2014 durfte sie wieder leicht trainieren. „Eine Minute den Ball gegen die Wand pritschen, mehr ging nicht.“ Im April 2015 der nächste Rückschlag: Meniskusschaden im rechten Knie. „Ich habe nie über einen Plan B ohne Kira nachgedacht. Ich wusste, wenn wir gesund sind, sind wir ein starkes Team. Das wollte ich nie aufgeben“, sagte Ludwig.

Sie hatte schließlich auch ihre ganz persönliche Leidenszeit erlebt. Vor zwölf Jahren hatte sie einen Schlaganfall erlitten. „Bis heute weiß keiner, woher das kam. Es ist aber nichts zurückgeblieben.“ Die Rückschläge haben beide zusammengeschweißt.

Und was ist das Erfolgsgeheimnis von Meistermacher Wagner? „Er ist ein Perfektionist, versteht es wie kein anderer, ein Team ums Team aufzubauen“, sagte London-Olympiasieger Reckermann. Gemeint ist der innere Kreis der Beachvolleyballerinnen aus Hamburg, zu dem Psychologin Anett Szigeti, Heimtrainerin Helke Claasen und Physio Jochen Dirksmeyer gehören. Wagner ist der Kopf. Jetzt sehnt er sich aber nach Urlaub. Ob er weitermacht, ließ er offen: „Ich bin jetzt quasi ohne Vertrag.“

Bei der deutschen Meisterschaft in Timmendorfer Strand Mitte September wird er das Duo Ludwig/Walkenhorst aber auf jeden Fall noch einmal coachen. Es wird eine Riesenparty an der Ostsee. Die in Rio auf der Terrasse hatte um sechs Uhr in der Früh ein abruptes Ende. Die Olympiasiegerinnen wurden vom Hotelpersonal rausgefegt. Das wollte fürs Frühstück eindecken.

Von Jens Kürbis

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