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Olympia-Aus bei ARD + ZDF „eine Katastrophe“

Reaktionen aus Brandenburg Olympia-Aus bei ARD + ZDF „eine Katastrophe“

ARD und ZDF müssen sich für lange Zeit von ihren traditionellen Olympia-Übertragungen verabschieden. Die Olympischen Spiele werden von 2018 bis 2024 in Deutschland nur im Privatsender Eurosport zu sehen sein. Brandenburgs Olympia-Stars und führende Sportfunktionäre sind geschockt.

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Bilder von den Olympischen Spielen wird es künftig bei ARD und ZDF nicht mehr geben.
 

Quelle: Michael Kappeler, dpa

Potsdam.  Die Nachricht vom Olympia-Aus bei ARD und ZDF wühlt Brandenburgs Sportlandschaft auf. Olympia-Asse und führende Funktionäre reagierten enttäuscht darauf, dass die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 nicht von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF, sondern vom Privatsender Eurosport übertragen werden.

Olympische Spiele nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

„Wir Kanuten rücken meist nur alle vier Jahre dank der Olympischen Spiele und unserer Erfolge in den Blickpunkt der Öffentlichkeit“, sagte der dreimalige Olympiasieger Sebastian Brendel aus Potsdam. „Sollten ARD und ZDF nun aussteigen, wäre das ein schlechtes Zeichen für den Stellenwert des olympischen Sports. Gerade wegen der Olympia-Berichterstattung zahle ich ja meine Gebühren.“ Er hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. „Für den Fußball sind ARD und ZDF doch auch bereit, noch mehr Millionen zu zahlen.“

Eine Folge der Kommerzialisierung des Sports

Christian Diener, Olympia-Finalist im Schwimmen, reagierte fast sprachlos: „Diese Nachricht schockt mich gerade. Olympia als das größte Sportereignis nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen, das geht doch gar nicht.“

„Das alles ist eine Folge der Kommerzialisierung des Sports – und eben auch von Olympia“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Er bedaure die Entscheidung, finde es aber richtig, dass ARD und ZDF nicht mit weiter gepokert hätten. „Denn das ist Geld der Gebührenzahler. Das darf nicht überstrapaziert werden“, so Woidke. ARD und ZDF sollen bis zu 200 Millionen Euro für die Sub-Lizenzen von 2018 bis 2024 an den Rechteinhaber Discovery aus den USA geboten haben. Der Anbieter forderte aber etwa 300 Millionen. „Sport und Sportübertragungsrechte sind ein knallhartes Geschäft“, sagte Brandenburgs Sportminister Günter Baaske (SPD). „Es ist richtig, dass ARD und ZDF nicht jede Preistreiberei mitmachen.“

Auswirkungen auf den Breitensport

Wolfgang Neubert, Präsident des Landessportbundes Brandenburg, findet die Entscheidung sehr bedauerlich. „Olympische Spiele sind auch in ihrer Auswirkung auf den Breiten- und vor allem Nachwuchssport sehr wichtig. Denn hier werden viele Sportarten im Fernsehen gezeigt, die sonst nicht so in der Öffentlichkeit stehen. Außerdem ist das Aus von ARD und ZDF auch unter dem Aspekt zu bedauern, dass die Berichterstattung ja eine hohe Qualität hatte.“ Ruder-Olympiasieger Hans Gruhne aus Potsdam befürchtet, „dass die deutschen Sportler dann mit den entsprechenden Vor- und Nachberichten nicht mehr so im Fokus stehen“. Seinen sportlichen Ehrgeiz werde das aber nicht bremsen.

Das sah Leichtathlet Hagen Pohle genauso. Der Geher vom SC Potsdam meinte: „Ich finde es traurig, dass Olympia den Öffentlich-Rechtlichen nicht genug wert ist.“

Eine Katastrophe für den olympischen Sport

„Das ist eine Katastrophe für den olympischen Sport“, sagte Andreas Gerlach, Geschäftsführer im Landessportbund. „Olympia ist eine Dienstleistung, die ich bei ARD und ZDF einfach erwarte. Die Argumentation der hohen Kosten überzeugt nicht. Andere Sender bringen das Geld auch auf und finanzieren sich nicht über Gebühren und Werbung, sondern ausschließlich über Werbung.“ Sportler wie Funktionäre hoffen daher, dass „noch mal nachverhandelt wird“, wie LSB-Chef Neubert betonte. „Das sind ARD und ZDF dem normalen Sportfan schuldig, der auch in der Vergangenheit gerade über diese Sender Olympia geschaut hat.“

Olympische Spiele nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

Kommentar vom MAZ-Redakteur Peter Stein: Ein TV-Skandal

Dass sich ARD und ZDF mit ein paar bedauerlichen Worten aus der Olympia-Berichterstattung ab 2018 verabschieden, ist ein Skandal. Der Hinweis auf den sparsamen Umgang mit den Geldern des Gebührenzahlers taugt nicht als Feigenblatt. Nur mal zum Vergleich: Für die TV-Rechte an der Fußball-WM-Endrunde 2014 in Brasilien zahlten die genannten Sender 210 Millionen Euro, für die nächste Kicker-WM 2018 in Russland 218 Millionen Euro. Für die Olympischen Spiele 2018 bis 2024 – also zweimal Winter, zweimal Sommer – waren indes etwa 300 Millionen Euro zuviel. Dies hatte der Rechteinhaber, der US-Konzern Discovery, verlangt, dessen Tochterunternehmen Eurosport nun exklusiv den deutschen TV-Nutzer über Olympia informieren wird. Dass der Verhandlungswille bei den ARD- und ZDF-Verantwortlichen nicht besonders ausgeprägt zu sein scheint, beweist auch, dass Schweizer, österreichische oder britische Free-TV-Sender Sublizenzen erwarben. Nun steht zu befürchten, dass die olympischen Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Rudern oder Judo noch weiter ins Abseits gedrängt werden.

Von Peter Stein und Torsten Gellner

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