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Olympia: Potsdamerin bittet Merkel um Hilfe

Triathlon Olympia: Potsdamerin bittet Merkel um Hilfe

Nach ihrer Nichtnominierung für die Olympischen Spiele hat Triathletin Laura Lindemann in einem Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe gebeten. Die 20-Jährige war von ihrem Verband als Kandidatin vorgeschlagen worden, doch der Deutsche Olympische Sportbund folgte dem Vorschlag nicht. Sportliche Gründe scheinen dabei weniger eine Rolle gespielt zu haben.

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 Laura Lindemann wurde vom DOSB nicht für Rio nominiert.
 

Quelle: Joseph Kleindl

Potsdam.  Im Kampf um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen zieht Laura Lindemann alle Register. „Es ist ein Schlag ins Gesicht aller derjenigen, die für dieses Ziel arbeiten – also auch unser gesamtes Umfeld“, schrieb die Triathletin in einem zweiseitigen Brief. Adressat: Bundeskanzlerin Angela Merkel und das für Sport zuständige Bundesinnenministerium. „Ich bitte Sie mir dabei zu helfen, auch wenn es viele wichtigere Themen und Probleme gibt als dieses – Sie haben die Möglichkeit dazu“, schreibt sie an Angela Merkel. Es ist wohl die letzte Möglichkeit für Lindemann noch auf den Olympiazug aufzuspringen, nachdem sie am Dienstag völlig überraschend nicht für die Spiele nominiert wurde.

Nur eine Sportlerin wurde nominiert – von fünf möglichen

Denn vor drei Wochen war die zweifache Junioren-Weltmeisterin und Deutschlands Juniorsportlerin des Jahres 2015, wie zwei weitere Frauen und zwei Männer, von der Deutschen Triathlon Union (DTU) noch für einen der fünf Quotenplätze vorgeschlagen worden. Fünf Kandidaten für fünf Plätze – das Ticket nach Rio schien sicher.

Der Potsdamer Gregor Buchholz wurde ebenfalls nicht nominiert

Der Potsdamer Gregor Buchholz wurde ebenfalls nicht nominiert.

Quelle: Joseph Kleindl

Seit Dienstag hat sich die Gemütslage der 20-Jährigen allerdings radikal verschlechtert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) folgte nämlich nicht dem Vorschlag der DTU, sondern nominierte mit Anne Haug nur eine Triathletin für das Olympiateam. Die Männer gingen sogar ganz leer aus, darunter der in Saarbrücken lebende Potsdamer Gregor Buchholz, der ebenfalls vom Verband vorgeschlagen wurde. Vier Plätze, die dem deutschen Triathlon-Team zugestanden hätten, bleiben somit unbesetzt.

DOSB: Sportliche Gründe sind entscheidend

Von Seiten des DOSB heißt es offiziell, dass nur Anne Haug die sportliche Norm (ein siebter Platz bei einem Weltcuprennen) erfüllt hatte. Diese Begründung erscheint jedoch zumindest fragwürdig. Zum einen wurden auch in anderen Sportarten wie dem Segeln Sportler für Rio nominiert, die nicht die Normen ihrer Verbände erfüllt hatten. Zum anderen hatte die DTU mit dem DOSB vor drei Jahren in einer Zielvereinbarung für Olympia 2016 die Entwicklung von Teamtaktiken festgeschrieben. Lindemann und Anja Knapp, beide starke Schwimmerinnen, sollten Haug auf ihrem Weg zu einer olympischen Medaille unterstützen.

Lindemann und Verband zweifeln an Begründung des DOSB

Deshalb bezweifelt Lindemann die sportliche Begründung: „Der DOSB hat sich in unserem Fall gegen den Sport und für seinen Rechtsfrieden entschieden und ich finde das falsch!“ Beim Verband sieht man das ähnlich. „Die Nominierungsentscheidung des DOSB ist aufgrund etwaig drohender juristischer Konsequenzen zu Stande gekommen“, schreibt Präsident Martin Engelhardt in einem Brief an die DOSB-Spitze um Präsident Alfons Hörmann, der der MAZ vorliegt.

Die drohenden juristischen Konsequenzen beziehen sich auf Lindemanns Nationalmannschaftskollegin Rebecca Robisch. Die 28-Jährige war vom Verband nicht für Rio vorgeschlagen worden. Weil sie dies als ungerecht empfand, klagte sie beim Deutschen Sportschiedsgericht, das ihr Recht gab. Deshalb musste der Triathlon-Verband Robisch sowie Hanna Philippin kurzfristig am vergangenen Montag neben den bereits nominierten Lindemann, Haug und Knapp vorschlagen – also fünf Kandidatinnen für drei Tickets.

Schiedsspruch erging durch ehemalige Verbands-Präsidentin

„Inwieweit ein Zusammenhang zwischen dem Schiedsspruch [...] und der Entscheidung durch den DOSB besteht, ist spekulativ, aber wahrscheinlich“, so Engelhardt. „Man hätte das ganze auch anders lösen können, wenn rein sportliche Gründe ausschlaggebend gewesen wären“, sagte DOSB-Vorstand Leistungssport Dirk Schimmelpfennig am Rande der gestrigen Olympia-Pressekonferenz in Kienbaum (Oder-Spree) vielsagend. Pikant: Der Schiedsspruch erging durch die ehemalige DTU-Präsidentin Claudia Wisser, die mehrmals gegen ihren ehemaligen Verband prozessiert hat – „aus unserer Sicht ein Unding in einem Rechtsstaat“, wie Engelhardt in seinem Brief schreibt.

 Rechtsstreits nach den Nominierungen sind fast schon üblich. Am Donnerstag beantragte Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor (Leverkusen) wegen ihrer Nichtnominierung eine einstweilige Verfügung gegen den DOSB. Wie das Fachmagazin „Triathlon“ am Donnerstag berichtete, reicht auch Robisch nun eine Klage bei einem staatlichen Gericht ein. Der DOSB scheint indes die vier Quotenplätze bereits zurückgegeben zu haben. So hat Frankreich mit Cassandre Beaugrand bereits eine weitere Triathletin nachnominiert. Via Facebook gratulierte Lindemann der Französin bereits – beide sind befreundet.

Von Stephan Henke

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