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Olympiasieger Brendel und Röhler im Kreuzverhör

Talk unterm Turm Olympiasieger Brendel und Röhler im Kreuzverhör

Die Goldmedaillen hatten sie zu Hause gelassen, dafür plauderten sie aus dem Nähkästchen und gaben interessante Einblicke in ihre Sportlerwelt. Die Olympiasieger Sebastian Brendel (Kanu) und Thomas Röhler (Speerwurf) waren zu Gast bei Talk unterm (Fernseh-)Turm in Berlin.

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Der Potsdamer Moderator Dirk Thiele hatte die Olympiasieger Sebastian Brendel und Thomas Röhler (v.l.) zu Gast.

Quelle: Foto: Peter Stein

Berlin. Goldglanz in den Berliner Rathauspassagen. Eurosport-Reporter Dirk Thiele plauderte am Mittwochabend in seiner erneut gut besuchten Reihe „Talk unterm Turm“ mit den Rio-Olympiasiegern Thomas Röhler und Sebastian Brendel. Und Speerwerfer Röhler musste sich zur Probe beim Streichholzweitwerfen gleich mal ins Zeug legen. Dann verriet der 25-Jährige: „Neben der Kraft und Schnelligkeit beim Armzug kommt es auf den Abwurfwinkel an, der je nach Wind und Stadionbedingungen variiert. Dazu suche ich mir auf der Gegentribüne einen Fixpunkt, den ich anvisiere.“

Röhler ist in Finnland ein Nationalheld

Obwohl er als Mehrkämpfer eine vielseitige leichtathletische Grundausbildung in Jena erhalten habe, sei der Speerwurf einfach seine Lieblingsdisziplin, erzählte Röhler. Schon in der 3. Klasse habe er den Schlagball so weit geworfen, dass dafür der Pausenhof nicht ausreichte und die ältere Dame in der Nachbarschaft regelmäßig einen Schaden zu beklagen hatte, berichtete er mit einem Schmunzeln.

Röhler wird im speerwurfverrückten Finnland, wo er im Juni seine Bestleistung von 91,28 Meter erzielte, verehrt wie ein Nationalheld. Erst recht nach seinem Gold-Coup in Rio. Aber der 1,91 Meter große und 90 Kilo schwere Athlet weiß, dass er mit seinen körperlichen Ressourcen intelligent umgehen muss, wenn er pro Trainingstag bis zu 90 Würfe absolviert. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Das ist gefährlich. Die Belastungen sind immer grenzwertig, aber wo kein Risiko, da kein Spaß.“

Kanute Brendel geht mit dem Boot nie unter

Auch Kanute Brendel kennt diese Gratwanderung. „Ich bin ehrgeizig – auch im Training, aber um der Gefahr der Überlastung zu begegnen, muss man öfter die Reißleine ziehen“, berichtete der Potsdamer. Während für den Kanu-Laien Röhler der Einstieg gleich der Ausstieg ins schmale Boot wäre, ist Brendel nach eigenem Bekunden „noch nie richtig abgesoffen. Da habe ich vorher immer noch einen Steg zum festhalten gefunden“. Und wie lautet sein Erfolgsrezept, das ihn schon vor vier Jahren zu Olympia-Gold führte: „Am Ende entscheidet der Wille, das ist Kopfsache.“ Da war sich der Kanute („den Speer habe ich schon mal in der Hand gehalten, aber nicht geworfen“) mit dem Leichtathleten einig.

Mit Vandrey gleich ein gutes Gefühl

Der Goldjunge aus Thüringen ist in punkto Technik weiter am Tüfteln. „Jeder Speerwerfer ist da individuell, ich muss die Thomas-Röhler-Technik finden.“ Anders Brendel, der zieht schon seit Kindertagen – mit acht Jahren fing er an – das Paddel auf der linken Seite durchs Wasser. „Gelernt ist gelernt.“ Dass er in Rio mit dem gleichfalls aus Schwedt stammenden „Rechtspaddler“ Jan Vandrey Gold im Canadier-Zweier holte, sei auch ein wenig ein Glücksgriff gewesen. „Ich hatte vorher einen anderen Partner, aber mit Jan sofort ein gutes Gefühl. Wir haben uns schnell eingefuchst.“ Brendel und Hobby-Angler Röhler denken noch längst nicht ans Ende ihrer Karriere, kämpfen als Aushängeschilder für mehr öffentliche Anerkennung ihrer Sportarten.

Von Peter Stein

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