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Olympiasieger Eschert setzt auf weitere Medaillen

Olympia, Kanu Olympiasieger Eschert setzt auf weitere Medaillen

Wenn die Potsdamer Kanuten in Rio um die Medaillen paddeln, dann fiebert Olympiasieger Jürgen Eschert daheim am Bildschirm immer ganz besonders mit. Die MAZ war am Donnerstag dabei.

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Jürgen Eschert mit Ehefrau Christiane am Laptop.

Quelle: Foto: Stein

Potsdam. Als am TV-Bildschirm der ARD immer noch Golf läuft, greift Jürgen Eschert am Donnerstagnachmittag zum Laptop und schaut sich die Entscheidungen bei den Olympischen Spielen im ZDF-Livestream an. Er nimmt auf der Couch im Wohnzimmer seines Hauses Platz, neben ihm Ehefrau Christiane und der Computer auf dem Schoß. Auf dem Tisch stehen ein paar Leckereien „zur Nervenberuhigung“, wie die Frau sagt.

Der Potsdamer, 1964 Olympiasieger im Canadier-Einer, entpuppt sich sogleich als Insider, kennt auch die Stärken der Konkurrenten aus dem Effeff. Als Ronald Rauhe im Kajak-Zweier über 200 Meter mit seinem Dresdner Partner Tim Liebscher auf Platz fünf sprintet und nur ein Zehntel zu Bronze fehlt, kann Eschert mitfühlen, als Rauhe vor Frust die Hand aufs Boot donnert: „Das ist sehr schade für ihn. Ich war von Anfang an gegen diese 200 Meter Distanzen. Das Argument dafür, das sei spannender, zieht für mich nicht. Denn der Zuschauer, der in Rio auf der Tribüne sitzt, sieht den Unterschied gar nicht, hat keine Zeitlupe wie der TV-Zuschauer. Da waren ja fünf, sechs Boote wie an einer Perlenschnur gezogen. Das ist immer auch ein bisschen Glückssache. Ich hätte Ronny eine Medaille zum Abschluss seiner Karriere unbedingt gegönnt.“

200 Meter Strecke als Glücksspiel

Eschert machte den Kanu Club Potsdam zum erfolgreichsten der Welt, unter seiner Ägide führte Rauhes Weg einst auch von Berlin ins Brandenburgische. Hier trainierte er mit Tim Wieskötter, mit dem er 2004 Olympia-Gold im Kajak-Zweier über 500 Meter gewann. „Du musst bei den 200 Metern vom Umfang her genauso trainieren wie für die langen Strecken, nur eben völlig anders, weil alles über die Schnelligkeit geht. Ronny hat diese Schnellkraft unbedingt. Aber die Weltspitze liegt sehr eng beieinander. Das hat man heute wieder eindrucksvoll gesehen.“

Ein paar Minuten später ist Franziska Weber im Kajak-Einer über 500 Meter an der Reihe. Bis sie in Rio lospaddelt, erzählt Eschert daheim bei einer Tasse Tee noch ein paar Geschichten. Zum Beispiel die: „Als Franzi an der Sportschule ihr Abitur machte, fanden in Brandenburg Europameisterschaften statt. Ich habe es so organisiert, dass ihr der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck bei der Siegerehrung gleich noch das Abi-Zeugnis überreichte.“

Eschert will 2020 noch mal nach Tokio

Dann tritt Weber zum Rennen an und wird wie Rauhe Fünfte, auch ihr fehlen nur 18 Hundertstelsekunden zu Bronze. „Das ist aber in Ordnung und keine Enttäuschung“, sagt Eschert, zumal Weber zuvor im Zweier mit Tina Dietze (Leipzig) schon Silber gewann.

Der 74-Jährige traut den deutschen Kanuten insgesamt fünf Medaillen in Rio zu und rechnet auch wieder mit Sebastian Brendel im Canadier-Zweier.

Eschert hat noch einen ganz persönlichen olympischen Traum. Wenn 2020 die Olympischen Spiele in Tokio stattfinden, will er an seine Erfolgsstätte von 1964 zurückkehren und mit Brendel – in derselben Bootsklasse – noch mal dessen Gold feiern.

Von Peter Stein

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