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Olympiasieger Kurt Kuschela gibt Profisport auf

Feuerwehr statt Kanurennsport Olympiasieger Kurt Kuschela gibt Profisport auf

Nachdem er in diesem Jahr bei seinem Comeback die Qualifikation für die Weltmeisterschaften verpasste hatte und Olympia 2016 in immer weitere Ferne rückte, hat sich Canadierfahrer Kurt Kuschela nun entschlossen, seine Karriere zu beenden. Statt Medaillen gewinnen, heißt es für den Olympiasieger von 2012 künftig: Leben retten!

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Ein Kuss für die Ewigkeit: Kurt Kuschela (l.) und sein Zweierpartner Peter Kretschmer beim Olympiasieg 2012 in London.

Quelle: dpa

Potsdam. „Ich wollte das nicht groß an die Glocke hängen“, sagt Kurt Kuschela. Aber wenn ein Olympiasieger seine Karriere beendet, dann geht das nicht mit einem leisen Servus.

Im Sommer 2012 bei den Olympischen Sommerspielen in London feierte der mittlerweile 27-Jährige seinen größten Erfolg. Auf dem Dorney Lake in Eton holte er im Zweier-Canadier über 1000 Meter Gold mit Peter Kretschmer, beide starteten für den KC Potsdam. „Da hat alles gepasst, das war mein größter Moment. Mehr als Olympiasieger geht nicht“, meint Kuschela rückblickend. Nicht minder unvergesslich dürfte der Kuss sein, den er seinem Partner kurz nach der siegreichen Zieldurchfahrt noch im Boot auf die Stirn drückte. Dieses Bild ging um die Welt.

Die Motivation fehlt

War dies ein Moment für die Ewigkeit, so ist sich der Kanute Kuschela im Laufe des vergangenen Jahres mehr und mehr darüber im Klaren geworden, dass es im Kanurennsport nicht mehr vorwärts für ihn geht. Nachdem er sich 2014 auf die Ausbildung bei der Feuerwehr konzentriert hatte, verpasste er 2015 bei seinem Comeback die Qualifikation für die Weltmeisterschaften. „Der Druck wurde immer größer, aber dieser psychischen Belastung habe ich nicht mehr standgehalten. Mein Körper rebellierte. Alle paar Wochen wurde ich krank“, erzählt der Schützling von Erfolgstrainer Ralph Welke. Außerdem habe ihm nach dem Weggang von Kretschmer nach Leipzig der Zweierpartner gefehlt.

Kurt Kuschela mit Partnerin Lisa Elm und Söhnchen Pepe

Kurt Kuschela mit Partnerin Lisa Elm und Söhnchen Pepe.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Kuschela, dessen Kanu-Karriere im südbrandenburgischen Spremberg begann, schätzt ein: „Der Abstand zur Spitze wurde immer größer, die Motivation fehlte einfach. Ich habe wochenlang mit mir gerungen. Aber jetzt, wo die Entscheidung gefallen ist, fühle ich mich viel wohler und fitter.“ Er will sich nun ganz auf seine berufliche Entwicklung bei der Feuerwehr konzentrieren. Der ausgebildete Brandmeister absolviert derzeit ein Praktikum als Rettungssanitäter bei der Feuerwehrhauptwache in Potsdam. Hier wolle er sich im Februar bei der Berufsfeuerwehr bewerben. In dem Job fühle er sich angekommen und vor allem gebraucht. Sein Beruf habe ihm den Blick für Freud und Leid, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit frei gemacht, so der Mann vom KC Potsdam, der neben Olympia-Gold auch WM-Gold gewann (2013 im Canadier-Vierer). „Das Schlimme am Sport ist, dass du in deiner eigenen Welt lebst. Es ist eine künstliche Welt“, sagte Kuschela gegenüber welt.de. „Sportler denken, dass sie der Mittelpunkt sind, dass ihre Probleme die wahren und einzigen sind. Sie kriegen gar nicht mit, was sonst so passiert.“

Umzug von Potsdam nach Geltow

Und da hat er im wirklichen Leben derzeit eine Menge um die Ohren. „Wir ziehen gerade um“, berichtet der bodenständige Kumpeltyp, der 2012 mit Kretschmer auch Mannschaft des Jahres in Brandenburg geworden war. Mit seiner Familie – Partnerin und Ex-Judoka Lisa Elm sowie Söhnchen Pepe (ein Jahr und vier Monate alt) – bugsiert Kuschela den Haushalt von Potsdam nach Geltow, einem Ortsteil der Gemeinde Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark) vor den Toren der Landeshauptstadt. „Ich bleibe also am Wasser“, hat er seinen Humor noch nicht verloren. „Außerdem muss ich ja abtrainieren“, meint der Familienvater, der sich nun auf die Fahnen geschrieben hat, Leben zu retten, statt Medaillen zu gewinnen. Olympia 2016 in Rio findet jedenfalls ohne ihn statt.

Von Peter Stein

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