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„Geteiltes Leid ist halbes Leid“

Paul Voß im Interview „Geteiltes Leid ist halbes Leid“

Der Potsdamer Radprofi Paul Voß erzählt von seinen leiden bei der diesjährigen Tour de France, die er als 94. beendete. Ohne die Hilfe von Kollegen hätte er die Strapazen kaum durchgehalten.

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12. Etappe: Paul Voß auf dem Weg zum Plateau de Beille.

Quelle: Foto: DPA

Potsdam. Paul Voß hat es zum zweiten Mal geschafft – und nach über 3300 Kilometern, 21 Etappen, drei Wochen Quälerei das Ziel der 102. Tour de France auf dem Pariser Champs Elysées erreicht. Der 29-jährige Radprofi aus Potsdam spricht über die Tour der Leiden.

MAZ: Wie fällt Ihr Fazit aus?

Paul Voß: Ich habe bei der Tour gelitten wie noch nie auf dem Rad. Selbst eingefleischte Radprofis haben gesagt, es sei die härteste Tour seit Jahren gewesen. Deshalb fühlt sich bei der Ehrenrunde um den Arc de Triumph auch jeder als Sieger. Da muss ich kein schlechtes Gewissen haben.

Sie wurden diesmal 94. mit 3:24:53 Stunden Rückstand auf Gesamtsieger Christopher Froome. Im Vorjahr wurden Sie 50. Sind Sie da jetzt enttäuscht?

Voß: Das ist scheißegal. Ob du am Ende einer Etappe 10 oder 20 Minuten verlierst, interessiert nicht mehr, wenn du nicht um die ersten 20 Plätze in der Gesamtwertung fährst. Ich hatte mir aber mehr vorgenommen. Es lief nicht so.

Wo war es am schönsten?

Voß: Alpe d’Huez war ein unglaubliches Erlebnis. Diese 13,8 Kilometer mit ihren 21 Serpentinen hinauf zum Ziel der vorletzten Etappe waren einfach Gänsehaut pur, trotz der Quälerei. In der sogenannten Holländer-Kurve mussten wir im Grupetto sogar stoppen.

Warum das?

Voß: Die Fans standen einfach so dicht, sie haben uns alle einzeln abgeklopft. Sicher, mancher Fan war da nicht mehr ganz nüchtern. Aber irgendwie konnten wir dann doch weiterfahren und sind noch rechtzeitig oben angekommen.

Diese Begeisterung zählt zur Faszination der Tour de France einfach dazu. Wie gehen Sie mit soviel Fan-Nähe um?

Voß: Im Großen und Ganzen hatte ich keine Probleme. Vielmehr hat mir die Hitze mit Temperaturen von fast 40 Grad in den Bergen zu schaffen gemacht. Damit hatte ich schon in den Pyrenäen meine Probleme. Da haben mir die Kollegen im Grupetto geholfen. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Allein hätte ich das kaum durchgestanden.

Die deutschen Fahrer verstehen sich über die Teamgrenzen hinweg sehr gut. Wie kommt das?

Voß: Wir kennen uns schon lange, haben schon viele Rennen zusammen bestritten. Wie André Greipel habe ich in Rostock angefangen mit dem Radsport. Simon Geschke aus Berlin ist mein Jahrgang. Deshalb habe ich mich über seinen Etappensieg – noch dazu in den Bergen – besonders gefreut. Fast jeden Tag hatten wir kurz vor dem Start noch die Chance zu quatschen. Man hilft sich gegenseitig. Das ist Usus und ich finde das super.

Lassen Sie sich jetzt wie Geschke einen Vollbart stehen, der inzwischen Kultstatus genießt?

Voß: So weit ist es noch nicht. Aber ausgerechnet an dem Tag, an dem „Simoni“ seinen Etappensieg holte, ging es mir besonders dreckig. Das war gleich auf der ersten Alpenetappe nach dem Ruhetag. Wenn man so schnell aus dem Peloton fällt, wird es besonders schwer. Da kämpft man nur ums Überleben im Grupetto.

Wie hat sich der Wiedereinstieg der ARD bemerkbar gemacht?

Voß: Das war sehr positiv für den Radsport. Das habe ich auch in den sozialen Netzwerken gespürt. Ich durfte beim Mannschaftszeitfahren sogar als Co-Kommentator ran.

Wie geht es jetzt weiter?

Voß: Ich fahre im August unter anderem in Hamburg, will im Herbst zur WM. Ich bin auch 2016 noch beim Team Bora Argon 18 unter Vertrag. Mein großes Ziel ist nächstes Jahr Olympia in Rio.


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Von Peter Stein

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