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Paul Voß spricht über seine Tour-Erlebnisse

Radsport Paul Voß spricht über seine Tour-Erlebnisse

Radprofi Paul Voß aus Potsdam hat bei der 103. Tour de France für Aufsehen gesorgt. Als erster seines Teams Bora Argon 18 schaffte er es, sich ein Leadertrikot überzustreifen. Er trug das Bergtrikot. Was er sonst noch auf der Tour der Leiden erlebte, erzählt er im MAZ-Interview.

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Der Potsdamer Paul Voß (l.) in der Spitzengruppe und im Bergtrikot bei der Tour de France.

Quelle: Foto: DPA

Potsdam. Radprofi Paul Voß (30) aus Potsdam vom deutschen Team Bora Argon 18 trug bei der Tour de France, die am Sonntag in Paris zu Ende ging, als sechster Deutscher das rot gepunktete Bergtrikot.

Wo sind Sie gerade?

Paul Voß: Ich bin eben auf dem Flughafen in Düsseldorf angekommen. Nun geht es mit dem Auto nach Hannover, wo am Dienstagabend wieder die „Nacht von Hannover“ ansteht. Am Mittwoch fahre ich beim Radkriterium in Neuss.

Sind Sie nach den drei Wochen und 3535 Kilometern durch Frankreich nicht erst einmal kaputt?

Voß: Nicht unbedingt. Klar war das total anstrengend, aber ich fühle mich noch gut. Ich war diesmal eben besser vorbereitet als in den beiden vorangegangenen Jahren.

Was war Ihr größter Moment?

Voß: Natürlich, dass ich das Bergtrikot holen konnte. Der Plan im Team war, es gleich auf der 1. Etappe zu versuchen. Dass ich das geschafft habe, macht mich stolz. Ich bin ja sonst nicht so der Freund von Trikoteinrahmungen, aber das hänge ich mir auf jeden Fall ins Zimmer.

Auf der 2. Etappe waren sie 170 Kilometer in der Fluchtgruppe, wurden aber kurz vor dem Ziel gestellt und haben außerdem das Bergtrikot gleich wieder verloren. Ist das nicht frustrierend?

Voß: Sicher waren wir hinterher enttäuscht, weil wir taktisch im Team ein paar Fehler gemacht haben. Aber wir haben alles versucht, ich hatte bis zuletzt gehofft, dass es mit dem Etappensieg klappen könnte. Ich war später noch zweimal in Ausreißergruppen. Einmal hatte ich großes Pech, weil die Gruppe am Ende tatsächlich ankam und ich durch einen Platten rausgefallen war. Aber für mich steht fest: Im nächsten Jahr probiere ich es wieder. Irgendwann wird es schon mal klappen.

2017 startet die Tour de France in Düsseldorf. War das beim Abschied in Paris ein Thema?

Voß: Auf jeden Fall. Ich kenne einige Leute von der Organisation. Das ist für mich eine große Motivation. Ich denke, das gilt für jeden deutschen Radprofi. Wenn die Tour in Deutschland beginnt, möchte man erst recht dabei sein.

Sie haben die Tour auf Platz 101 und mit 3:36:25 Stunden Rückstand auf Sieger Chris Froome beendet. Spielt das eine Rolle?

Voß: Ob du am Ende 50. oder 160. wirst, ist egal. Wichtig war mir, in Paris anzukommen. Wenn ich meine Arbeit als Helfer erledigt hatte, habe ich Tempo rausgenommen.

Sind Sie lebensmüde, wenn Sie mit 100 km/h die Berge runter rasen?

Voß: Ich habe nicht auf das Tempo geachtet, dafür ging alles zu schnell. In dem Moment denkt man nicht daran, selbst wenn links und rechts schon Fahrer im Straßengraben liegen. Aber generell habe ich bei nasser Straße die Finger ein bisschen eher am Bremshebel. Ich bin zum Glück nicht gestürzt. Natürlich ist das absolut gefährlich, wir gehen ein hohes Risiko. Aber es gehört beim Radsport nun mal dazu, die Berge auch schnell wieder runterzufahren. Ich versuche lieber, ein paar mehr Meter Abstand zum Vordermann zu halten und fahre das Loch nach der Kurve wieder zu.,

Viele Topfahrer haben gerade auf den Abfahrten Zeit herausgeholt. Ist das ein neuer Trend?

Voß: Froome hat es anschaulich gezeigt. Sein Team Sky hat viel investiert und getestet. Auch andere Teams arbeiten daran, ob zum Beispiel der Reifendruck verändert werden muss, um besser abfahren zu können. Generell kommt es auf eine gute Radbeherrschung an. Die habe ich auch durch meine Cross-Ausbildung in der Jugend.

Was war in Paris die größte Freude?

Voß: Dass ich meine Freundin Lindsey, die extra aus London angereist ist, und meine gesamte Familie aus Potsdam mit Vater, Mutter, den zwei Schwestern und meinem Bruder begrüßen konnte. Dann freue ich mich immer darauf, dass man nicht essen muss, sondern essen kann, wenn man Hunger hat. Und das Spaghetti-Eis durfte nicht fehlen.

Wie haben Sie die Fans an der Strecke erlebt, teilweise gab es Kritik am Verhalten?

Voß: Es waren diesmal sehr viele Deutsche da. Wenn sie deinen Namen rufen, motiviert das. Aber einige haben sich daneben benommen, waren zu weit auf der Straße, haben dich mit Bier bespritzt. Es muss da auch Grenzen geben.


Von Peter Stein

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