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Paul Voß will auf den Champs Elysées

Tour de France Paul Voß will auf den Champs Elysées

Der Potsdamer Radprofi Paul Voß nimmt zum zweiten Mal an der Tour de France teil. Die Rundfahrt über 21 Etappen und mehr als 3300 Kilometer startet am Samstag im niederländischen Utrecht.

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Zäher Kämpfer: Paul Voß

Potsdam. Radprofis sind hart im Nehmen und betreiben ihren Sport bisweilen mit einer masochistischen Obsession. Paul Voß will die Wunden nicht zählen, die er auf dem Rennrad erlitten hat. Aber nun sagt er voller Vorfreude auf die am Samstag im niederländischen Utrecht mit dem Prolog beginnende 102. Tour de France: „Das ist wunderbar, wieder dabei sein zu können. Das sind drei Wochen Quälerei, um am Ende die Ehrenrunde auf der Champs Elysées in Paris zu genießen.“

Der 29-Jährige weiß, wovon er spricht. Die Erinnerungen an das Vorjahr sind sofort wieder da, werden immer bleiben. Er spürt es, wenn er mit der linken Hand an den Bremsen zieht immer wieder. Auf der 7. Etappe war er 2014 bei der Zielankunft in einen Massensturz verwickelt, brach sich das Nasenbein und den kleinen Finger der linken Hand. „Das Handgelenk hatte es vorher schon einmal erwischt, die nächsten zwei Wochen haben nicht unbedingt zur Heilung beigetragen. Den Finger kann ich nicht mehr so bewegen wie an der rechten Hand“, erzählt der Potsdamer, der seit einigen Jahren im spanischen Girona lebt.

Von der Ehrenschleife auf der Pariser Prachtstraße nach über 3000 Kilometern durch Wind und Wetter habe er das ganze Jahr über gezehrt. „Die Tour ist nun mal das größte Radrennen der Welt. Ich war bei der Vuelta in Spanien und beim Giro in Italien, aber die Tour durch Frankreich ist einfach noch mal eine Nummer größer.“ Er fühlt sich gut vorbereitet.

Der Fahrer vom deutschen Team Bora Argon 18 hat sich mit einem Höhentrainingslager in den französischen Pyrenäen individuell vorbereitet. Nur zwei Autostunden von Girona entfernt, stiefelte er die Berge rauf und runter, oben lag teilweise noch Schnee und herrschten Minusgrade. „Aber ich habe das durchgestanden, weil ich weiß, was mich jetzt in Frankreich erwartet, wird noch viel grausamer.“ Und nicht nur dort, bereits auf der 3. Etappe am Montag geht es in Belgien über das gefürchtete Kopfsteinpflaster und die Mauer von Huy, auf der 4. Etappe folgen die sturzintensiven Pavés von Paris – Roubaix. Voß ist die Klassiker im Frühjahr gefahren und fühlt sich auch dafür gewappnet. „Es gibt in diesem Jahr einige Etappen, die mir als Allrounder entgegenkommen. Ich hoffe, ich erhalte vom Team die Freiräume, Akzente zu setzen. Das ist auf jeden Fall mein Ziel – und natürlich in Paris anzukommen.“

Voß, der als gebürtiger Rostocker noch aus der Radsportschule von Peter Sager mit Jan Ullrich und vielen anderen Talenten stammt, fühlt sich mit 29 Jahren mittlerweile im besten Rennfahreralter und begrüßt es, in der ARD wieder in der ersten Reihe radeln zu können. „Das wurde ja Zeit, die können ja nicht immer nur Fußball bringen. Wir haben lange darum gekämpft. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen. Ich hoffe, das bleibt auch so“, spielt er auf das durch Doping ramponierte Image an. Längst sei mit den Degenkolbs und Martins eine erfolgreiche neue Generation am Start.

Apropos Start. Zum Eröffnungswochenende in Utrecht bekommt Voß wieder Besuch von seiner Familie aus Potsdam. Der 14-jährige Bruder Pepe ist wohl sein größter Fan, weil er selbst Radsport betreibt und den großen Bruder natürlich zum Vorbild hat. Vielleicht stehen sie ja gar eines Tages gemeinsam an der Startlinie zu einem Profirennen. Es kann ruhig die Tour de France sein. Voß sagt: „Bei der Tour geht jeder an seine Grenzen. Da will man dabei sein und am Ende auch ankommen. Kneifen gilt da nicht.“

Von Peter Stein

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