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„Potsdamer Erfolge wurden zu wenig gewürdigt“

Bilanz des Vorsitzenden des Potsdamer Stadtsporbunds „Potsdamer Erfolge wurden zu wenig gewürdigt“

Bevor am Freitag (19.30 Uhr) der Stadtsportball in der Potsdamer MBS-Arena eröffnet wird, blickt der Stadtsportbundvorsitzende Lutz Henrich auf das vergangene Potsdamer Sportjahr zurück. Der 64-Jährige, der seit 18 Jahren als Vorsitzender arbeitet, erklärt zudem die Ziele für die Olympischen Spiele in Rio und spricht über seine eigene Zukunft.

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Lutz Henrich (l.) im Gespräch mit MAZ-Mitarbeiter Stephan Henke.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am heutigen Freitag (ab 18.30 Uhr) wird der „Walk of Fame“ des Sports im Potsdamer Luftschiffhafen eröffnet, um 19.30 Uhr findet erstmals in der MBS-Arena der Stadtsportball statt. Zuvor zieht der Stadtsportbund-Vorsitzende Lutz Henrich Bilanz des Potsdamer Sportjahres, blickt auf die Olympischen Spiele voraus und spricht über seine eigene Zukunft.

Haben Sie schon für den Eröffnungstanz des Balls geübt?

Lutz Henrich: Nein. Ein Jahr habe ich meiner Frau gesagt, wir müssen dieses Mal Walzer tanzen, da wollte sie schon gar nicht mehr mitkommen (lacht).

Der 18. Stadtsportball am heutigen Freitag findet erstmals in der MBS-Arena statt. Wieso dort?

Henrich: Es ist doch klasse, dass man die Einweihung des „Walk of Fame“ mit dem Stadtsportball verbinden kann. Und wir erwarten mehr als die üblichen 300 Gäste, wenigstens 400, vielleicht auch 500. 40 Olympiamedaillengewinner, die auf den Stelen verewigt sind, haben ihr Kommen zugesagt.

Was wollen Sie mit dem „Walk of Fame“ erreichen?

Henrich: Wir haben schon seit vielen Jahren gesagt, dass es eigentlich schwach ist, dass unsere Erfolge, die wir im Sport in Potsdam hatten, nicht genug gewürdigt werden. Das richtig zündende Element waren die drei Fußballerinnen der Sportschule, die Anfang 2015 aus Chicago gekommen sind, wo sie einen Flyer über alle Olympia-Teilnehmer erhielten. Sie meinten, in der Stadt kenne die jeder, da hingen große Bilder und ein Film werde gezeigt. So entstand die Arbeitsgruppe, die das Projekt vorangetrieben hat. Und jetzt hoffen wir, dass die Sportschüler, die jeden Tag an den Stelen vorbeigehen, Motivation daraus ziehen, eines Tages ebenfalls ihre Namen dort zu lesen.

Wie viele Medaillen werden auf der Stele von Rio 2016 stehen?

Henrich: Wir nehmen uns natürlich vor, dass es nicht bei den Stelen bleibt, die schon stehen, sondern dass es bei jeden Olympischen Spielen und Paralympics mehr werden und sie nicht leer bleiben. Wir sind gespannt und können nur allen die Daumen drücken. Der eine oder andere Ruderer – das brauchen wir unbedingt, dass die wieder an ihre frühere Leistungsfähigkeit anknüpfen – und einige Kanuten können es schaffen. Dann sieht es aber auch schon ziemlich traurig aus.

Ist das zu wenig für die Sportstadt Potsdam?

Henrich: In der Leichtathletik hatten wir vor der Wende mit Udo Beyer, Ellen Streidt oder Peter Frenkel riesige Erfolge. Jetzt hängen wir hinterher. Ich glaube auch, dass die ganze Nachwuchssichtung früher besser war. Aber „Sportstadt“ heißt viel mehr. Ganz positiv ist doch die entgeltfreie Bereitstellung von Sportstätten, das ist ein wichtiges Zeichen der Stadtverordneten. Die Unterstützung für alle Potsdamer passt zum Thema Sportstadt.

Worauf freuen Sie sich 2016 – außer auf Olympia – noch?

Henrich: Die größte Freude wird die Einweihung der neuen Schwimmhalle sein. Das ist ein Highlight für den Potsdamer Sport – für den Schul- und Vereinssport wie auch die Bevölkerung. Höhepunkte sind auch wieder das Stabhochsprungmeeting im Stern-Center, der Schlösser- und RBB-Lauf sowie der Kanalsprint.

Die Zahl der Mitglieder war 2014 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Wie ist die Situation 2015?

Henrich: Es gab zwei Rückschläge: Einmal, als es vor ungefähr vier Jahren die große Diskussion um das Sportsponsoring gab und die Transparenzkommission eingeführt wurde. Da haben sich viele Sponsoren zurückgezogen, um Vorwürfen zu entgehen. Und zum anderen hat sich 2014 ganz schlimm ausgewirkt, dass die Sporthallen im Luftschiffhafen geschlossen waren. Da sind viele Mitglieder ausgetreten. Aber wir haben es geschafft, das wieder in den Griff zu bekommen. Aktuell haben wir 27 940 Mitglieder in 161 Vereinen.

Hat sich an der Sportstättensituation – vor zwei Jahren ergab eine Studie, dass elf Hallen und zehn Sportplätze fehlen – in Potsdam etwas grundlegend verbessert?

Henrich: Der Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung ist gefasst worden, dass dieses Defizit an Hallen und Sportplätzen in den nächsten zehn Jahren überwunden wird. Es gibt keine Schulneubauten mehr ohne Sporthallen und auch die Sanierung alter Hallen ist vorangegangen.

Wie sieht Ihre Bilanz zum Themenjahr „Potsdam bewegt“ aus?

Henrich: Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass wir der Potsdamer Bevölkerung nachhaltiger ins Bewusstsein rücken wollten, welche Bedeutung der Sport für Gesundheit und Erziehung von Kindern und Jugendlichen hat. Neben der Saisoneröffnung des Fanfarenzugs mit über 4000 Zuschauern war das Brückenfest am 15. Mai ein Höhepunkt, wo sehr viele Vereine ihre Angebote vorgestellt haben und beispielsweise beantwortet haben, wie Migranten in die Vereinsarbeit einbezogen werden.

Tun die Vereine dafür genug?

Henrich: Der SV Babelsberg 03 hat mit seinem Flüchtlings-Team Welcome United bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Dann haben Vertreter des Stadtsportbundes in Bürgerversammlungen über Integrationsangebote informiert. Diese sind zunächst zögerlich angenommen worden. Der Landessportbund hat dann mit der Gewährleistung der Versicherung für Migranten die Voraussetzungen geschaffen, das war ganz wichtig. Bei der Mitgliederversammlung im April wollen wir die Situation noch einmal besprechen. Ich schätze, dass derzeit 60 bis 70 Flüchtlinge in den Vereinen aktiv sind. Das wird eine Herausforderung für die nächsten Jahre.

Sie sind im April 2014 für vier weitere Jahre gewählt worden. Wollen sie die 20 Jahre Amtszeit bis 2018 voll machen?

Henrich: Ich kann ja jetzt nicht mittendrin aufhören. Wenn es gesundheitlich geht, und das tut es momentan, dann mache ich das. Ich werde bald 65, im August höre ich in der Universität auf zu arbeiten. Dann habe ich hoffentlich noch viel mehr Zeit für den Sport. Beim sportorientierten Jugendclub 91 tut es mir leid, dass ich ihn bisher so vernachlässigt habe. Darum möchte ich mich mehr kümmern.

„Walk of Fame“ wird vor Stadtsportball eröffnet

Der „Walk of Fame“ des Sports wird am heutigen Freitag bereits um 18.30 Uhr mit einem Empfang von Oberbürgermeister Jann Jakobs und dem Stadtsportbundvorsitzenden Lutz Henrich eröffnet.

Um 19 Uhr werden dann die Stelen am historischen Eingang des Potsdame Luftschiffhafens enthüllt.

Für die Eröffnung wurden alle Olypmpia-Medaillengewinner aus Potsdam, die auf den Stelen verewigt sind, eingeladen.

Nach der feierlichen Eröffnung beginnt um 19.30 Uhr der 18. Potsdamer Stadtsportball in der MBS-Arena im Luftschiffhafen, direkt neben dem „Walk of Fame“.

Es werden Ehrungen für die Nachwuchssportlerin, -sportler und -Mannschaft des Jahres aus Potsdam vorgenommen sowie der Ehrenamtler des Jahres ausgezeichnet.

Außerdem wird es, neben Livemusik und Abendprogramm, auch einen Auftritt des Kabarettisten Benjamin Tomkins geben.


Von Stephan Henke

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