Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Potsdamer Geher-Trio auf dem Weg nach Rio

Leichtathletik Potsdamer Geher-Trio auf dem Weg nach Rio

Diese drei Männer haben nur ein Ziel: die Olympischen Sommerspiele im August in Rio. Die Geher Christopher Linke, Hagen Pohle und Nils Brembach vom SC Potsdam bereiten sich gemeinsam darauf vor und wollen die Olympia-Norm schaffen.

Voriger Artikel
Formel-1-Qualifikation vor Reform - Rosberg: "Spannender"
Nächster Artikel
Bann für Blatter und Platini reduziert - "Willkür"

Ein Trio in Lauerstellung (v.l.): Nils Brembach, Christopher Linke und Hagen Pohle.

Quelle: FOTO: HÜBNER

Potsdam. Christopher Linke nimmt es mittlerweile gelassen, wenn er beim Training von Autos angehupt wird oder blöde Sprüche gesagt bekommt. „Das kommt tagtäglich vor. Als Geher muss man damit leben. Und man lernt damit umzugehen“, sagt der 27 Jahre alte Geher vom SC Potsdam, der in Werder wohnt, 2001 als Läufer auf die Sportschule in Potsdam gekommen ist und drei Jahre später das erste Mal mit der Disziplin Gehen in Berührung kam. „Irgendwann hat man alles gehört.“ Wegen der spezifischen Bewegungen, die der Sport mit sich bringt, muss sich der neunfache deutsche Meister oft Beleidigungen anhören. Gehen sehe schwul aus. „Wir werden oft als Arschwackler betitelt. Aber das hat mit der Sache eigentlich nichts zu tun. Jeder, der es mal gemacht und ausprobiert hat, hat vor dem Sport eigentlich viel Hochachtung“, fügt Nils Brembach (22) beim MAZ-Besuch an. Das Duo und Hagen Pohle (23) sind die drei Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele im Sommer in Rio de Janeiro. Der Blick geht seit Monaten Richtung Zuckerhut. Olympia 2016 soll nicht ohne Linke, Brembach und Pohle stattfinden.

Pohle hat die Norm über 50 Kilometer schon in der Tasche

Um das Ticket am Ende zu lösen, schuften die Jungs derzeit täglich im Training. Zuletzt weilten sie gemeinsam mit Carl Dohmann aus Baden-Baden im Trainingslager in Südafrika. In Dullstroom. Das liegt rund drei Autostunden nordöstlich von Johannesburg. In 1800 Metern Höhe. Es herrschen Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. „Meistens trainieren wir in der Gruppe“, erklärt Hagen Pohle, der bereits die 50-km-Norm für Olympia in der Tasche hat (3:51,18h). „Ab und zu gibt es Differenzierungen, weil der eine mal mehr, der andere mal weniger trainiert.“ Die Potsdamer lebten auf einer großen Farm. Die Abläufe in der WG waren genau organisiert. „Ich habe lieber gekocht als das Geschirr abzuwaschen. Chili Con Carne gab es sehr oft. Nudeln auch, Hühnchen mit Reis – Sportleressen halt“, so Christopher Linke, der früher bei Grün-Weiß Werder Handball spielte. Nils Brembach war für die Zubereitung des Gemüses zuständig. Hagen Pohle hatte im Camp „Handlangertätigkeiten übernommen“, erzählt er, der 2005 als Läufer nach Potsdam kam und zwei Jahre später wegen „mangelnder Grundschnelligkeit“ zum Gehen wechselte. „Carl Dohmann war unser Abwäscher. Den Müll musste niemand rausbringen, da zwei Mal in der Woche eine Hausfrau vorbeikam, die den gröbsten Dreck weggeräumt hat“, plaudert Pohle. „Wir wurden von unserem Heimtrainer Ronald Weigel trainiert.“

Das nächste Trainingslager in Südafrika steht an

Die Stimmung bei der Potsdamer Trainingsgruppe ist prächtig. Die Jungs sind hochmotiviert. Und schon echte Freunde geworden. Das ist zu spüren. Dass sie auf dem Weg nach Brasilien auch Konkurrenten sind, stört sie nicht. „Eigentlich ist es super, dass wir Konkurrenten sind“, findet Hagen Pohle. „Wir können uns gegenseitig motivieren und hochziehen, hat jemand mal einen schlechten Tag, kann er von den anderen profitieren, hat man einen guten Tag, können die anderen von ihm profitieren.“ Denn 20 beziehungsweise 50 Kilometer können lag sein. „Da geht einem das ganze Leben durch den Kopf. Man muss immer positiv bleiben“, so Pohle.

Ziel der Jungs: Alle drei wollen die Norm und die Qualifikation für Olympia schaffen. Ende Februar geht es bis zum 23. März in ein weiteres Höhentrainingslager. Wieder nach Südafrika. 1300 Meter über dem Meeresspiegel. Die Wettbewerbe in Rio steigen dann Anfang August. Und wer weiß: Vielleicht kann einer der Potsdamer nach den Spielen eine Medaille mit zum Training bringen und beim nächsten dummen Spruch das gute Stück in die Höhe halten.

Von Sebastian Morgner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
MAZ Sportbuzzer