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Potsdamer Haase ist der „Trainer-Flüsterer“

Handball-EM Potsdamer Haase ist der „Trainer-Flüsterer“

Seit gut einem Jahr ist der Potsdamer Alexander Haase Co-Trainer der Handball-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft in Polen geben Haase, zugleich sportlicher Leiter des Drittligisten VfL Potsdam, und der zweite Co-Trainer Axel Kromer Bundestrainer Dagur Sigurdsson den nötigen Input für dessen taktische Kniffe.

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Alexander Haase (l.) harmoniert bei der Europameisterschaft mit Cheftrainer Dagur Sigurdsson.

Quelle: Felix König

Breslau. Die tiefen Schatten unter den Augen zeugen davon, dass Alexander Haase in den EM-Tagen von Breslau nur wenig Schlaf gefunden hat. Bis 2 Uhr hatte der Potsdamer vorm Laptop gesessen, die Bilder des letzten deutschen Spiels in drei Stunden geschnitten. „Das war diesmal früh, vor der Partie gegen Russland war es vier Uhr.“ Taktik Abwehr, Taktik Angriff, die einzelnen Spieler, ihre Vorlieben, ihre Schwächen – über die russischen Handballer hatte er im Netz und über Datenbänke alles herausgefiltert, was er an Material zu fassen bekam.

Haase schneidet 100 Videoclips für jedes Spiel

Es ist der Job des Co-Trainers, den er sich bei der EM mit Axel Kromer teilt. Sie füttern die Mannschaft vor jedem Spiel mit Informationen, meist in 300 Dateien exportiert, in 100 kleine Videoclips aufgesplittet. Am Morgen setzen sie sich mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson zusammen. „Er entscheidet dann, was gezeigt wird.“ Keine 16 Stunden nach dem Abpfiff in der Jahrhunderthalle erhalten dann alle Spieler die Infos über den nächsten Gegner auf Sticks.

Nicht als wirres Sammelsurium, speziell zubereitet. Beispiel Torhüter: Andreas Wolff liebt es, jeden Spieler in kurzen Sequenzen zu studieren. Carsten Lichtlein ist „old school“, will Spielzüge komplett sehen.

Haase und Kromer teilen sich die Gegner-Beobachtung

Es ist ein klassisches Job-Sharing. Haase war der Daten-Sammler für Russland, Kromer ist jetzt für die Dänen zuständig. Als Sigurdsson beide vor der WM in Katar ansprach, „fanden wir es sofort interessant. Das ist eine innovative Geschichte, die es so noch nicht gegeben hat“, erzählt Kromer. Haase findet es als „unglaublichen Gewinn. Denn das ist bei dem Turnier, wo du alle zwei Tage spielst, Stress pur“. Sie sind aber mehr als nur für die Gegner-Spionage zuständig. Sie unterstützen Sigurdsson auf der Bank, geben Hinweise und halten im Spiel, wenn der Co-Partner zehn Meter dahinter auf der Tribüne sitzt, Augenkontakt, geben so auch Hinweise. „Von hinten hat man einen neutraleren Blick“, sagt Haase. Sechs Augen sehen mehr als vier. So wie gegen Schweden, als die Taktik-Flüsterer Sigurdsson in der Pause zur Umstellung auf die 4+2-Abwehr überredeten. Der Schlüssel zum Sieg.

Seit Dezember 2014 arbeitet das Trainer-Trio zusammen, wobei sich Sigurdsson und Haase aus vier gemeinsamen Jahren bei den Füchsen Berlin kennen. 2013 beendete der 39-Jährige, der an der Sportschule Potsdam als Lehrer-Trainer für Handball arbeitet, sein Füchse-Intermezzo aus familiären Gründen. Als den zweifachen Vater aber der erneute Sigurdsson-Ruf ereilte, habe er nicht lange überlegt. „Es war auch schwer für mich als junger Trainer, das abzulehnen, wenn man die Chance hat, bei WM, EM vielleicht sogar Olympia dabei zu sein und den Sport so liebt wie ich.“ Haase ist beim Drittligisten VfL Potsdam sportlicher Leiter, via Telefon und Mails aber auch aus der Ferne am Ball.

Haase vor Dänemark-Spiel: „Wir haben etwas Spezielles vorbereitet“

Haase & Kromer – das rotierende Co-Trainer-Duo schätzt das Miteinander mit Sigurdsson: „Wir haben ein tolles Vertrauensverhältnis und einen ähnlichen Blick auf den Handball. Das macht vieles einfacher“, sagt Haase. Und was haben sie gegen die Dänen (Mittwoch, 18.15 Uhr/ARD) in petto? „Wir haben etwas Spezielles vorbereitet, verraten es aber nicht.“ Dann bliebe da noch die eine Frage: Was passiert, wenn Deutschland eine Medaille gewinnt? Holen sie die Flex raus? Haase ist das „völlig egal. Wenn, wird sich auch da eine Lösung finden.“

Von Jens Kürbis

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