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Potsdamer Paul Voß will Tour-Etappensieg

Radsport Potsdamer Paul Voß will Tour-Etappensieg

Am Samstag ist es wieder so weit, das Radsport-Monument steht an. Bei der 103. Tour de France stehen 21 Etappen über 3519 Kilometer an. Der Potsdamer Paul Voß ist zum dritten Mal in Folge dabei.

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Radprofi Paul Voß fährt für das deutsche Team Bora Argon 18.

Quelle: FOTO: imago

Potsdam. Der Countdown läuft. Am Mittwoch stieg Paul Voß in den Flieger nach Paris, von dort ging es mit dem Teambus weiter an die Atlantikküste nach Mont-Saint-Michel. Am Donnerstag wird sich der Radprofi dem obligatorischen Medizincheck mit Blut- und Urin-Dopingkontrollen unterziehen und am Samstag steht er mit seinem deutschen Team Bora Argon 18 an der Startlinie zur 1. Etappe der 103. Tour de France.

Daheim noch mal Luft geholt

Der Potsdamer, der sich zu Wochenbeginn noch ein bisschen daheim von Mutter Sylke verwöhnen ließ und mit dem 15-jährigen Bruder Pepe ein paar Lockerungsrunden drehte, bestreitet seine dritte Frankreich-Rundfahrt in Folge. Noch nie ging der inzwischen 30-Jährige so ambitioniert in die 21 Etappen über 3519 Kilometer. „Ich fühle mich diesmal besser in Form“, sagt Voß. „Unser Team ist sicher nur Außenseiter, aber wir sind alle heiß auf einen Etappensieg. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, muss ich bereit sein, zuzuschlagen. Dann muss man im entscheidenden Moment auch mal über sich hinauswachsen.“ Der spektakuläre Etappenerfolg seines gleichaltrigen Kumpels Simon Geschke vom zweiten deutschen Tour-Team Giant Alpecin im Vorjahr habe ihm Mut gemacht.

Der Wasserholer hat viel zu tun

„Sicher versucht man es auf einer Etappe immer wieder, in eine Fluchtgruppe zu gelangen. Aber ob man am Ende durchkommt, das hängt von so vielen Faktoren ab. Das ist auch ein bisschen Lotteriespiel“, erklärt Voß. Aber die Erfahrungen, die er in den letzten beiden Jahren auf der Tour der Leiden sammeln konnte, sollen ihm nun zugute kommen. Voß weiß, dass er kein Mann für die ganz hohen Berge ist, spekuliert eher auf sogenannte Überführungsetappen auf leicht hügeligem Terrain. Ansonsten ist es sein Job, in der neunköpfigen Equipe Helferdienste zu verrichten, den irischen Topsprinter Sam Bennett in Position zu bringen oder als klassischer Wasserholer. Bis zu acht Trinkflaschen, die ihm aus dem Teamfahrzeug gereicht werden, stopft er dann in sein Trikot und verteilt sie an die Teamkollegen.

Deutsche sind heiß auf Etappensiege

Apropos Teamkollege. Wahrscheinlich wird er über die drei Wochen mit dem Österreicher Patrick Konrad ein Hotelzimmer teilen. „Das muss schon ein bisschen passen“, so Voß und spielt dabei auf menschliche Gewohnheiten an: „Der Toilettendeckel muss runtergeklappt sein und nachts das Fenster möglichst offen. Den Schlaf braucht man gerade bei einer so langen Rundfahrt, um sich zu erholen.“ Denn auf der stundenlangen Fahrt im schmalen Rennsattel muss er tagtäglich hellwach sein. „Wer zu vorsichtig fährt, hat schon verloren. Am Ende ist es nicht wichtig, ob du persönlich als 50. oder 120. ins Ziel kommst, wichtig ist der Erfolg der Mannschaft.“


Favoriten in der strampelnden Meute über die Gipfel der Pyrenäen und Alpen sind andere. Der Brite Chris Froome aus der Sky-Truppe will wie im Vorjahr das Gelbe Trikot holen. Aber die Zahl der Herausforderer scheint größer denn je. Der Kolumbianer Nairo Quintana (Team Movistar), im Vorjahr Zweiter, ist da ebenso zu nennen wie Altmeister Alberto Contador (Team Tinkoff), Tour-Sieger 2007 und 2009, sowie die beiden Italiener Fabio Aru und Vincenzo Nibali (beide Team Astana), die als Doppelspitze mit wechselseitigen Attacken Froome und die anderen Favoriten abhängen könnten.

Und die Deutschen? Für einen Gesamtsieg kommt keiner in Frage. Aber sie wollen wie in den letzten Jahren für Etappenerfolge sorgen. Zuallererst die Sprinter André Greipel (Team Lotto-Soudal), Marcel Kittel (Team Etixx-Quick-Step) und John Degenkolb (Giant-Alpecin). Gleich auf der 1. Etappe möchten sie ihre einmalige Chance nutzen und mit einem Erfolg im erwarteten Massensprint auch das „Maillot Jaune“ holen. Der Rostocker Greipel sicherte sich 2015 immerhin vier Etappenerfolge. Kittels Teamkollege Tony Martin könnte wieder zuschlagen. Der gebürtige Cottbuser schaut besonders auf das 37,5 Kilometer lange Einzelzeitfahren auf der 13. Etappe, da ist er Spezialist. Vielleicht landet ja diesmal noch ein anderer deutscher Radprofi den großen Etappencoup – warum nicht Paul Voß? „Bei der Tour eine Etappe zu gewinnen, macht dich unsterblich“, sagt der Potsdamer, da lohne es sich, durch die Hölle zu gehen.

Von Peter Stein

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