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Premier League hängt Europa mit Rekord ab

Fußball Premier League hängt Europa mit Rekord ab

Die englische Premier League hat mit Ausgaben von rund 1,185 Milliarden Euro erneut einen Transfer-Rekord aufgestellt. Die Bundesliga lag im Europa-Vergleich mit weitem Abstand auf Rang vier. Ein Spitzenfunktionär aber sieht bald Probleme für die Engländer.

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Kevin De Bruyne war der aktuell teuerste Einkauf der englischen Liga.

Quelle: Julian Stratenschulte

London. Im Milliarden-Monopoly auf dem Transfermarkt hat die englische Premier League einen weiteren Rekord aufgestellt und den Rest von Fußball-Europa erneut weit hinter sich gelassen.

Mit Ausgaben von rund 1,185 Milliarden Euro investierten die Erstligisten von der Insel in ihrer Sommer-Wechselperiode etwa 48 Millionen mehr in neue Spieler als noch im Vorjahr. Die Premier League ließ sich ihr neues Personal damit dreimal soviel kosten wie die Bundesliga, die für ihre Sommer-Neuzugänge nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte 395 Millionen Euro ausgab.

"Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht noch weiter von den Fans entfernen, dass es nicht nur ums Geschäft geht", warnte Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Nationalmannschaft, am Mittwoch. Obwohl die italienische Serie A in diesem Sommer tief in die Tasche griff, waren die Ausgaben von 551 Millionen Euro nicht mal halb so hoch wie die der Premier League. Dabei reinvestierte Meister Juventus Turin großzügig das unter anderem für Arturo Vidal eingenommene Geld, Inter und der AC Mailand warfen im Bemühen um die Rückkehr an die Spitze viele Millionen auf den Markt.

Auf Platz drei folgte Spaniens Primera Division mit 545 Millionen Euro. Grund für den großen Abstand zur Premier League dürfte wohl auch sein, dass der FC Barcelona wegen des Transferverbots der FIFA erst im Winter wieder richtig einkaufen kann und auch Real Madrid keinen neuen "Galactico" holte.

Teuerster Sommer-Transfer war daher Deutschlands Fußballer des Jahres Kevin De Bruyne, der für knapp 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City wechselte. City allein gab insgesamt 218 Millionen Euro für neue Profis aus, so viel wie nie zuvor ein englischer Club während einer Transferperiode. Im Vorjahr hatte ManCity sich noch mit rund 66 Millionen Euro beschränken müssen, weil Europas Dachverband UEFA dem Scheich-Club wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay ein Ausgabenlimit gesetzt hatte.

Diesmal konnte City wieder auf ganz große Shopping-Tour gehen und brach mit Raheem Sterling (62 Millionen Euro) und De Bruyne gleich zweimal seinen Vereins-Transferrekord. Stadtrivale United machte dafür wenige Stunden vor Schluss der Wechselfrist den 19 Jahre alten Anthony Martial vom AS Monaco mit einer Ablöse von mindestens 49 Millionen Euro zum teuersten Teenager der Fußball-Welt.

"Die treibende Kraft dahinter sind das Wachstum und die Verteilung der Übertragungsrechte der Liga", erklärte Deloitte-Analyst Alex Thorpe. So mancher Verein handelte dabei wohl bereits im Vorgriff auf den neuen TV-Traumvertrag, der den Premier-League-Clubs von der kommenden Saison an drei Milliarden Euro pro Jahr garantiert. Selbst der Tabellenletzte kann aus dem TV-Topf 135 Millionen Euro verplanen. Zum Vergleich: Der FC Bayern kassierte als deutscher Meister in der Vorsaison 50,6 Millionen Euro an Fernsehgeld.

Der Münchner Sportvorstand Matthias Sammer warnt jedoch vor Panikmache. "Sollen wir kapitulieren? Ich kann diese Diskussion nicht verstehen", sagte Sammer und riet den Bundesliga-Clubs, eher die Chancen als die Gefahren des veränderten Transfermarkts zu sehen. Weltmeister Toni Kroos sagte: "Ich sehe es nicht so dramatisch, dass der englische Fußball am deutschen und am spanischen vorbeizieht." DFB-Manager Bierhoff nannte als positiven Aspekt: "Geld aus einem fremden Markt fließt in den deutschen Markt".

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade sagte der "Sport Bild" indes: "Die Premier League wird später Probleme bekommen, wenn sie ihre überbezahlten Profis nicht mehr loswird, weil in Europa kein anderes Land in der Lage ist, die Gehälter zu bezahlen, die in England verdient werden." Für Schade ist daher klar: "Da wird die Premier League dann vom eigenen System gefressen."

dpa

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