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„Ruuuudiiii“ sagt tschüss

SVB-Urgestein Matthias Rudolph trainiert künftig die A-Jugend „Ruuuudiiii“ sagt tschüss

Wer "Ruuuudiiii" noch einmal zujubeln will, muss am Mittwoch ins Karl-Liebknecht-Stadion gehen. Beim Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Union Berlin kickt Matthias Rudolph zum letzten Mal für Babelsberg. Potsdam und dem Verein bleibt er erhalten.

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Matthias Rudolph

Quelle: Jan Kuppert

Potsdam. „Ruuuudiiii“. Wenn Abwehrspieler Matthias Rudolph im Trikot des SV Babelsberg 03 einem gegnerischen Angreifer den Ball konsequent vom Fuß nahm und auf der Außenbahn zum gegnerischen Strafraum stürmte, brüllten die Nulldrei-Anhänger ihren Schlachtruf. Am Mittwochabend wird „Ruuuudiiii“ zum letzten Mal durch das Karl-Liebknecht-Stadion hallen. Nach dem Freundschaftsspiel der Filmstädter gegen den Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin (Anpfiff 19.03 Uhr) wird der 30-jährige Linksverteidiger seine Töppen an den berühmten Nagel hängen. „Ich habe gemerkt, es reicht. Es bringt mir mehr, künftig als Trainer die A-Jugend des Vereins in der Regionalliga zu führen, als noch zwei, drei Jahre zu spielen“, begründet der angehende Lehrer seinen Schritt. „Es ist eine konsequente und vernünftige Entscheidung“, sagt Björn Laars, Geschäftsstellenleiter der Nulldreier.

Rudolph, der in Bad Belzig geboren wurde und beim FSV Grün-Weiß Niemegk mit dem Fußballspielen begann, kickte als 18-Jähriger zum ersten Mal in der Regionalliga-Mannschaft des SV Babelsberg 03. „Ich war beim 0:4 gegen Preußen Münster elf Minuten dabei, wurde für Jacek Ratajczak eingewechselt“, beschreibt er sein Debüt im November 2000. Am Ende der Saison stieg die Mannschaft, zu der Alexander Kunze, Björn Laars, Marco Laaser, Martino Gatti, Almedin Civa und Slawomir Chalaskiewicz gehörten, sensationell in die 2. Liga auf – und Rudolph war dabei.

Doch für ein Engagement im Profifußball war es für den eher schmächtig wirkenden Kicker noch zu früh. Erst im Frühjahr 2003, der SV Babelsberg war längst wieder in die Regionalliga abgestiegen und steuerte unaufhaltsam der Insolvenz entgegen, schlug Rudolphs große Stunde. „Ich habe in der Rückrunde fast jedes Spiel mitgemacht, habe alles noch genau vor Augen.“

Doch nach dem Abstieg kehrte Rudolph Babelsberg erst einmal den Rücken und ging nach Kassel. „Es war eine Bauchentscheidung, schließlich bin ich zum ersten Mal von zu Hause weg“, erzählt er. Als angehender Student trug er sich an der Uni in die Lehrfächer Geografie und Sport ein und schloss sich für zwei Jahre dem Oberligisten Hessen Kassel an. Es folgte ein weiteres Jährchen beim benachbarten KSV Baunatal, ehe der Kicker fußballerisch gereift nach Potsdam zurückkehrte und 2006 erneut beim SV Babelsberg anheuerte.

Trainer, Vorstände und Aufsichtsräte kamen und gingen, doch Rudolph blieb dem Kiez-Verein als Spieler treu. „Er war stets ehrgeizig, gewissenhaft und zuverlässig“, lobt der einstige Teamgefährte Björn Laars. 192 Punktspiele und ein Tor stehen für Rudolph beim SVB zu Buche. Und an seinen einzigen Treffer erinnert er sich noch ganz genau: „Es war ein Flutlichtspiel gegen Altona. Ich habe aus 20 Metern mit rechts abgezogen, der Ball ging links unten rein.“ Wichtiger waren jedoch die Aufstiege in den Jahren 2007 und 2010. „Die folgenden drei Jahre in der 3. Liga waren am schönsten. Ich habe unglaublich viel gesehen und erlebt, habe viele Leute kennengelernt“, so das Nulldrei-Urgestein

Umso bitterer der Abstieg in diesem Frühjahr – zumal Publikumsliebling Rudolph von Trainer Christian Benbennek ab Oktober nicht mehr berücksichtigt worden war. Dennoch hält sich der Fußballer mit öffentlicher Kritik zurück, will nur eines sagen: „Der Abstieg hat einen bitteren Beigeschmack. Das passiert, wenn im gesamten Verein die Geschlossenheit fehlt.“ Rudolph wünscht dem SV Babelsberg für die Zukunft die Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser. „Der Verein soll innerhalb der Potsdamer Sportfamilie seinen Platz finden und auch annehmen und eine solide Basis dafür schaffen, dass er irgendwann wieder sportlich angreifen kann.“

Beruflich wird der Fußballer, der kürzlich mit seiner Freundin Inka Wesely von Turbine Potsdam eine gemeinsame Wohnung bezogen hat, seinen Weg gehen. Das ist sicher. Im Herbst stehen für den Referendar am Potsdamer Humboldt-Gymnasium die Abschlussprüfungen an, dann wird er als Lehrer unterrichten. Nicht zuletzt will „Ruuuudiiii“ die A-Lizenz erwerben und den jungen Fußballern vieles von dem weitergeben, was er gelernt und erlebt hat.

Von Jens Trommer

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