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Sanierungsfall Formel 1: Reformdebatte dreht sich im Kreis

Motorsport Sanierungsfall Formel 1: Reformdebatte dreht sich im Kreis

Auf der Suche nach dem Weg aus der Dauerkrise dreht sich die Formel 1 im Kreis. In der quälenden Reformdebatte stritten sich die Grand-Prix-Gewaltigen auch am siebten Rennwochenende des Jahres in Kanada um die immergleichen Themen - und fanden doch keinen Konsens.

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Bernie Ecclestone ist genervt von der Reformdebatte. Foto: Diego Azubel

Montreal. Stattdessen sprachen sich die Teams plötzlich gegen die gerade erst von ihnen mitbeschlossenen Pläne für eine Rückkehr des Nachtankens aus, das Projekt ist damit wohl schon wieder beerdigt. "Wir sollten aufhören, herumzualbern und nach Meinungen zu fragen", sagte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone, längst genervt von den vielen ergebnislosen Diskussionsrunden.

Das abgetakelte Fahrerlager auf dem Circuit Gilles Villeneuve bot in diesen Tagen den passenden Schauplatz für den Sanierungsfall Formel 1. Der 1978 eingeweihte Kurs auf der Ile Notre Dame bröckelt an alle Ecken, sein spröder Charme aus rissigem Sichtbeton ist längst nicht mehr zeitgemäß. Erst zum Rennen 2017 ist eine Grundrenovierung geplant, alles eine Geldfrage.

Auch die Formel 1 will sich spätestens zur übernächsten Saison ein neues Gesicht verpassen. Nur welches? Das jüngste Gerücht ist ein altes: Mit Kundenautos, also einem kompletten Mietwagen-Paket, sollen die großen Rennställe die kleinen Teams versorgen. Die klammen Hinterherfahrer wären damit sportlich zwar in der Theorie auf einen Schlag konkurrenzfähig, im Umkehrschluss aber auch weitgehend abhängig von den Branchenriesen wie Ferrari, Mercedes und Red Bull.

"Die Teams, die das anstreben, wollen sich damit Mehreinnahmen sichern, an die sie sonst nicht kommen würden", vermutete Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn wie so oft finanzielle Interessen hinter den Plänen. Neben den großen Teams gilt auch Boss Ecclestone als Befürworter der Idee.

Die Ausschreibung des Weltverbands FIA für ein weiteres Team zur Saison 2016 wird in der Branche als Signal für Kundenautos gewertet, weil so der Weg für ein McLaren-Juniorteam geebnet werden könnte. Die Fraktion um Sauber, Lotus und Force India aber will ihre Freiheit als Autobauer nicht eintauschen.

Es ist das alte Lied. Weil jeder irgendwie mitreden darf, ist eine Einigung auf eine umfassende Reformagenda schier unmöglich. Stattdessen werden immer neue Vorschläge hitzig diskutiert - und am Ende zerredet. "Alles, was in den letzten Jahrzehnten herunterreguliert worden ist, muss sofort korrigiert werden", forderte Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, via österreichischer Nachrichtenagentur APA eine Radikalwende.

Schnellere Autos mit aggressiverem Design, lautere Motoren, breitere Reifen - so beschloss es die Formel-1-Strategiegruppe mit Vertretern der FIA, des Rechte-Inhabers um Ecclestone und der Teams erst vor wenigen Wochen. In Montreal klang das schon wieder etwas anders. Die Reifen bleiben wohl doch, wie sie sind. Und ob man Autos zugleich wagemutig und formschön entwerfen kann und sie dann auch noch schneller als die alten sind, bezweifeln eine Reihe Ingenieure.

"Das Problem ist, dass wir zu demokratisch sind", ätzte Ecclestone und schlug umgehend die Abschaffung der Strategiegruppe vor. Aber auch bei diesem Thema gibt es andere Meinungen. Lauda zumindest lehnte ein Diktatoren-Regime, wie es wohl in Ecclestones Sinne wäre, ab: "Das gibt es heute aber nicht mehr, das geht nicht."

Bei einer Lösung ihrer drängenden Probleme aber kommt die Formel 1 einfach nicht voran. "Es ist ganz wichtig, dass man jetzt den richtigen Schritt setzt", mahnte Lauda wenig überraschend. Bis Ende des Jahres müsse ein Konzept für den Wandel stehen, damit die Reformen ins Regelwerk für 2017 einfließen können. Reichlich Zeit also noch für viele Diskussionsrunden.

dpa

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