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Medaille trotz großer Zweifel

Schwimmerin Schnittger zieht Bilanz Medaille trotz großer Zweifel

Die paralympische Schwimmerin Maike Naomi Schnittger hat bei der Weltmeisterschaft in Glasgow Bronze gewonnen. EIn riesiger Erfolg. Wegen eines Schicksalsschlages hätte die 21-Jährige ihre Teilnahme beinahe abgesagt.

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Maike Naomi Schnittger gilt als Hoffnungsträger für Rio 2016.

Quelle: Foto: J.Stähle

Potsdam. Noch im Flugzeug auf dem Weg nach Glasgow zur Paralympischen Schwimm-Weltmeisterschaft zweifelte Maike Naomi Schnittger: Was tu ich mir hier eigentlich an? Vor zweieinhalb Monaten hatte die 21 Jahre alte sehbehinderte Schwimmerin des SC Potsdam einen gesundheitlichen Rückschlag erlitten. „Meine Sehkraft hat sich extrem verschlechtert“, erzählt Schnittger, die seit ihrem 10. Lebensjahr an einer fortschreitenden Zapfen-Stäbchen-Dystrophie leidet und aktuell nur noch ein Prozent ihrer ursprünglichen Sehkraft besitzt. „Da habe ich gedacht, jetzt ist Schluss mit dem Schwimmen. Ich bin vom Kopf her gar nicht klar gekommen und habe ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich die WM überhaupt mitschwimmen sollte.“

Gut, dass sie es dennoch getan hat. In ihrem letzten Wettbewerb, dem 50-Meter-Freistil-Finale, holte Maike Naomi Schnittger mit deutschem Rekord die Bronzemedaille. „Ich bin total happy“, sagt eine überglückliche Schnittger. „Wir haben bei der WM mit allem gerechnet. Von Bestzeiten bis ganz schlecht. Aber dass es so unfassbar gut läuft, haben wir zwar gehofft, aber nicht erwartet.“

Platz vier über 400 Meter Freistil

Dabei waren dem Bronze- Erfolg auch in Glasgow noch einige Rückschläge vorhergegangen: Über 400 Meter Freistil musste Schnittger mit dem undankbaren vierten Platz Vorlieb nehmen. Und im 100-Meter-Freistil-Finale schwamm Schnittger trotz eines starken Vorlaufes nur auf den sechsten Rang. „Im Finale hat es irgendwie nicht funktioniert“, erzählt sie. Enttäuscht und mit Tränen in den Augen stieg sie aus dem Becken und ließ ihrer Wut freien Lauf. „Ich habe erst einmal laut Scheiße gerufen und gegen die Wand gehauen.“ Doch schnell musste sich die Nachwuchshoffnung der Deutschen Paralympischen Schwimmmannschaft wieder fokussieren, denn nur kurze Zeit später stand das 50-Meter-Freistil-Finale auf dem Plan. „Ich habe mir gesagt, du musst deine Gefühle wieder in den Griff bekommen, schließlich willst du deswegen jetzt nicht auch noch die 50 Meter versemmeln. Das hätte ich mir im Leben nicht verziehen.“ Nach einem kurzen Ausschwimmen ging es mit neuer Konzentration ins letzte Rennen. Ein Klaps auf den Hintern von Zimmerkollegin und bester Freundin Emily Telle, mit der sie gemeinsam für die gute Stimmung im Team sorgt und der Satz „es sind doch nur 50 Meter“ gaben die letzte Motivation. Ihre letzte Möglichkeit auf die erhoffte WM-Medaille nutzte Schnittger dann: Nach 28,29 Sekunden schlug sie als Dritte hinter Hannah Russell aus Großbritannien und der Russin Darya Stukalova an.

Urlaub in der Türkei

An diesem Wochenende reist Schnittger, die neben dem Leistungssport im vierten Semester Psychologie an der Uni Potsdam studiert und in diesem Jahr für das Sport-Stipendium der Deutschen Sporthilfe nominiert ist, noch zu einem Weltcup nach London. Anschließend geht es in eine dreiwöchige Sommerpause. „Eigentlich will ich nach solchen Höhepunkten immer gar keine Pause machen“, sagt Schnittger. Den Hotelpool im Türkeiurlaub wolle sie dann aber trotzdem meiden.

Von Luisa Müller

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