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Seglerin Annika Bochmann auf Kurs Olympia

Der Weg nach Rio Seglerin Annika Bochmann auf Kurs Olympia

In der MAZ-Serie „Von Brandenburg nach Brasilien“ stellen wir diesmal Annika Bochmann vor. Die Seglerin aus Falkensee hat sich in der 470er Klasse für die Olympischen Sommerspiele in Rio qualifiziert. Sie erzählt aus ihrem Trainingsalltag.

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Annika Bochmann (r.) und Marlene Steinherr beim olympischen Testwettkampf vor Rio. Foto: privat

Falkensee. Die deutschen Segler wollen bei den Sommerspielen in Rio ihre olympische Medaillenflaute der letzten Jahre endlich beenden. Zu den Hoffnungsträgern in der 470er Klasse gehört Annika Bochmann. Die Steuerfrau aus Falkensee (Havelland) startet mit Vorschoterin Marlene Steinherr für den Berliner Verein Seglerhaus am Wannsee.

Die Leidenschaft für das Segeln hat Annika Bochmann von ihren Eltern Sabine und Michael geerbt, auf dem Ruppiner See bestand die gebürtige Nauenerin einst ihre ersten Fahrten hart am Wind. Dass sie nun bei Olympia dabei ist, sei die Erfüllung eines Traums. Aber der Trainings-Alltag ist hart, den Großteil des Jahres verbringt die 25-Jährige im Ausland, „weil es dort bessere Segelreviere gibt“. Denn ihren Sport übt sie längst das ganze Jahr hindurch aus. „Anders wäre die Olympia-Qualifikation nicht zu schaffen gewesen“, sagt Annika Bochmann. Vor Frankreich, Mallorca oder Barcelona/Spanien sind die bevorzugten Reviere. Ein normaler Trainingstag:

Stundenlang auf dem Wasser

8.30 Uhr: Frühstück: Zwar müssen die beiden Seglerinnen auch auf ihr Gewicht achten, aber sie frühstücken „ziemlich normal“. Annika Bochmann bevorzugt Müsli mit Obst. Mango mag sie besonders gern.

10 Uhr: Trainingsbeginn: Dann haben die beiden Seglerinnen das 4,70 Meter lange Boot schon vorbereitet. Der Mast ist sieben Meter hoch. Auch sie selbst müssen sich wappnen. Das heißt viel Sonnencreme auf die Haut schmieren und einen Neoprenanzug anziehen. Denn: „Das Salzwasser ist sehr aggressiv. Wenn wir da stundenlang auf dem Wasser sind, hinterlässt das seine Spuren. Die Fingernägel werden brüchig, die Haut trocknet schnell aus. Auch auf die Kopfbedeckung dürfen wir nicht verzichten“, erzählt Annika Bochmann.

Wechselnde Winde in der Guanabara-Bucht

Wenn die Wind- und Wetterverhältnisse es zulassen, stehen gleich zwei Einheiten auf dem Programm. Das habe den Vorteil, dass der meist zeitintensive Weg hinein und wieder heraus aus dem Hafen eingespart wird. Bis zu vier Stunden bleiben die Seglerinnen am Stück auf dem Wasser – allerdings nicht ohne Verpflegung. „Wir trinken viel Wasser und haben für den Hunger zwischendurch immer ein paar Müsli-Riegel dabei“, berichtet die Brandenburgerin. Die Guanabara- Bucht vor Rio sei ein schwieriges Revier. „Wir waren oft dort zum Training und zu Wettkämpfen“, sagt Annika Bochmann. „Der Wind ist sehr wechselhaft, kommt auch aus unterschiedlichen Richtungen.“ Sie mag es lieber, wenn ihr eine steife Brise um die Nase weht.

Viel Arbeit beim Putzen des Bootes

Ist das Boot wieder im Hafen, steht nachmittags noch viel Arbeit an. „Das Salzwasser ist ein Problem. Nun müssen wir alles abspülen, nicht nur den Bootskörper, sondern vor allem auch die Tauwerke. Aber da gibt es in den Seglerhäfen entsprechende Einrichtungen, liegen die Wasserschläuche bereit. Beim Putzen sind wir ein eingespieltes Team, hat jede ihren Arbeitsbereich.“

Gegen 18 Uhr steht Ausgleichstraining an. Das kann 10 Kilometer joggen sein oder eine Radtour. Auch das Athletiktraining dürfen die Seglerinnen nicht vernachlässigen. Dazu gehören spezielle Koordinations- und Stabilisationsübungen mit dem Pezziball. Schließlich ist ein Segelboot eine wacklige Angelegenheit, erst recht bei den vielen Wendemanövern.

20.30 Uhr: Abendbrotzeit, dann wird selbst gekocht. Die beiden Frauen teilen sich in den wochenlangen Trainingslagern meist ein Apartment. Die leichte mediterrane Küche stehe bevorzugt auf dem Speiseplan, aber auch Chili con Carne mit Reis. Natürlich gönnen sich die beiden auch mal ein Stückchen Schokolade und vor dem zu Bett gehen gegen 23 Uhr wird noch ein bisschen TV via Internet geschaut, zum Beispiel die US-amerikanische Anwaltsserie „Suits“. Oder per Skype wird Kontakt zur Familie daheim gesucht.

Das Boot auf Paixao – Leidenschaft getauft

Die Boote für Olympia wurden längst per Schiff in Containern nach Rio gebracht. Annika Bochmann und Marlene Steinherr haben ihr olympisches Arbeitsgerät „Paixao“ – „Leidenschaft“ getauft.

Am 2. August geht der Flieger nach Brasilien. Am 10. August steht dort die erste von zehn Wettfahrten an, am 17. August das Finale. Dafür will sich das Duo auf jeden Fall qualifizieren. Ob für die EM-Vierten und WM-Achten am Fuße der berühmten Christusstatue noch mehr geht, wird sich zeigen. Annika Bochmann meint: „Wir haben viel dafür investiert und vieles andere zurückgestellt. Nun hoffen wir, dass es sich auszahlt.“

Von Peter Stein

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