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Silber, Gold, Rekord: Roleder und Schippers überraschen

Leichtathletik Silber, Gold, Rekord: Roleder und Schippers überraschen

Die Leichtathletik-WM in Peking ist um zwei große Überraschungen reicher. Die deutsche Hürdenläuferin Cindy Roleder und die niederländische Sprinterin Dafne Schippers haben am Freitag nicht nur die übermächtige Konkurrenz aus Jamaika und den USA geschockt.

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Cindy Roleder sprintet in die Spitzengruppe.

Quelle: Christian Charisius

Peking. Eine deutsche Hürdensprinterin und eine 200-Meter-Läuferin aus den Niederlanden haben am Freitag bei der Leichtathletik-WM in Peking die ansonsten von Amerikanerinnen und Jamaikanerinnen dominierte Sprintwelt auf den Kopf gestellt.

Die Bilder des völligen Erstaunens ähnelten sich sehr. Cindy Roleder schlug fassungslos die Hände vors Gesicht. Eine halbe Stunde vorher hatte Dafne Schippers genauso ungläubig auf die Anzeigetafel gestarrt. Roleder gewann in der persönlichen Bestzeit von 12,59 Sekunden die Silbermedaille über 100 Meter Hürden. Und Schippers verbesserte bei ihrem ersten WM-Titel sensationell einen jahrzehntealten Europarekord der früheren DDR-Größen Marita Koch und Heike Drechsler.

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Christina Obergföll konnte sich erst mit ihrem letzten Wurf für das Finale qualifizieren.

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"Das war ein Traumlauf! Und eine hammermäßige Zeit", sagte Roleder. "Ich glaube, das war das Rennen meines Lebens." Die deutsche Meisterin hatte am Freitag schon im Halbfinale zum ersten Mal ihren persönlichen Rekord gesteigert (12,79). Im Endlauf musste sich die 26-Jährige aus Leipzig dann nur der Jamaikanerin Danielle Williams (12,57) geschlagen geben.

Roleder legte einen furiosen Schlussspurt hin. Nur wenige Meter mehr - und sie hätte dieses Rennen vielleicht noch gewonnen. Titelverteidigerin Brianna Rollins aus den USA (12,67), Mitfavoritin Tiffany Porter aus Großbritannien (12,68) - an allen lief sie noch vorbei. Schon vor dem Schlusswochenende in Peking verbesserte die EM-Dritte von 2014 damit die deutsche WM-Bilanz auf beachtliche sechs Medaillen.

Schippers lief über 200 Meter in 21,63 Sekunden die viertbeste Zeit der Leichtathletik-Geschichte. Nur die bereits verstorbene Weltrekordhalterin Florence Griffith-Joyner (21,34 und 21,56) und die geständige Doping-Sünderin Marion Jones (beide USA/21,62) waren schon einmal schneller. "Ich habe vorher auf die Goldmedaille und eine Zeit unter 22 Sekunden gehofft. Aber jetzt kann ich das nicht glauben. Das ist doch verrückt", sagte die Europameisterin nach ihrem Sieg vor den beiden Jamaikanerinnen Elaine Thompson (21,66) und Veronica Campbell-Brown (21,97).

Auch die 23-Jährige verdankte ihren Triumph einem energischen Endspurt. Zwar fehlten in diesem Finale die Titelverteidigerin Shally-Ann Fraser-Pryce aus Jamaika und die Olympiasiegerin Allyson Felix aus den USA. Dennoch war Schippers Rennen so herausragend, dass sie den je zweimal von Marita Koch (1979) und Heike Drechsler (1986) gelaufenen Europarekord von 21,71 Sekunden verbesserte.

Im "Vogelnest" von Peking war es auch ohne diese beiden spektakulären Entscheidungen der Tag des langen Atems. Titelverteidigerin Christina Obergföll erreichte erst mit dem dritten und letzten Versuch erneut das Speerwurf-Finale am Sonntag. "Das war krass", meinte die 34-Jährige, nachdem sie zwei völlig missglückten Versuchen in der Qualifikation gerade noch rechtzeitig die entscheidenden 64,10 Meter folgen ließ. Damit werfen am Sonntag um 12.45 Uhr deutscher Zeit alle vier deutschen Athletinnen um die Medaillen: Denn auch Christin Hussong (65,92), Linda Stahl (63,52) und Katharina Molitor (63,23) qualifizierten sich für das Finale.

Weitspringerin Malaika Mihambo belegte derweil mit 6,79 Metern den sechsten Platz. Den WM-Titel sicherte sich mit der Weltjahresbestleistung von 7,14 Metern im letzten Versuch die Amerikanerin Tianna Bartoletta.

Auch die erste Goldmedaille für den WM-Gastgeber China wurde erst nach einem ganz engen Finale im 20 Kilometer Gehen vergeben. Nach 1:27:45 Stunden hatte die Weltrekordhalterin Liu Hong nur einen Vorsprung von zwei Schritten auf ihre zeitgleiche Teamkollegin Lu Xiuzhi. "Ich habe einen großen Druck verspürt. Jeder in China hat darauf gewartet", sagte die 28-Jährige.

dpa

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