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Slalomfahrt im Schlauchboot über die Havel

Mein Verein Slalomfahrt im Schlauchboot über die Havel

In der Serie „Mein Verein“ stellt die MAZ diesmal den Sportboot-Club Havelland aus Potsdam vor. Die knapp 100 Mitglieder haben eine Freizeitbeschäftigung zum organisierten Sport gemacht, aus dem Hobby wurde bei den Besten Ernst.

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Trainer René Baier, Lissy Schmidt, Ralph Schmigalla und Carsten Steinbach (v.l.).

Quelle: Foto: Luisa Müller

Potsdam. „Wir sind eine Interessengemeinschaft und kein Verein mit günstigen Bootsliegeplätzen. Darauf legen wir viel Wert“, sagt Frank Leutert gleich zu Beginn. Sowohl dem Vorstandsvorsitzenden des Vereins Sportboot-Club „Havelland“ Potsdam als auch den anderen Vereinsmitgliedern ist die Gemeinschaft im Verein besonders wichtig. „Hier packen alle mit an“, so Leutert.

Das war schon so, als der Motorbootverein, zu Gründungszeiten noch auf der Freundschaftsinsel in Potsdam angesiedelt, 1973 umziehen musste. Aufgrund der „Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ sollte die Freundschaftsinsel umgestaltet werden und der Bootsplatz musste geräumt werden. „Es sei ein abenteuerliches Unterfangen gewesen, berichten Zeitzeugen. Teils zu Wasser, teils auf dem Landweg mussten über 100 Boote und verwertbares Inventar umgesetzt werden“, wird in der Chronik, die zum 40-jährigen Vereinsjubiläum erschienen ist, die damalige Situation beschrieben. Mit viel Einsatzbereitschaft und unter teilweise äußerst schwierigen Umständen ist es dem Motorbootclub dennoch gelungen, sein heute schickes Vereinsgelände herzurichten.

Auch die Wende 1989/90 stellte den Potsdamer Verein vor erneute Schwierigkeiten. Privatisierung mit Kommerzialisierung oder Bildung eines gemeinnützigen Vereins? Die Mitglieder entschieden sich für den zweiten Weg, es sollte weiterhin bezahlbarer Motorsport möglich sein. So wurde am 8. Mai 1990 der Sportboot-Club „Havelland“ Potsdam gegründet.

Neben der Gemeinschaft steht auch der Sport groß auf der Agenda des Vereins. „Viele denken bei Motorboot nur an eine Freizeitbeschäftigung. Aber es gibt tatsächlich Wettbewerbe“, erklärt Leutert. Im Landesverband Motorbootsport Brandenburg werden jährlich der beste Skipper auf der Kurz- und Langfahrt und der beste Verein ausgeschrieben. Auf ihren Bootstouren sammeln die Teilnehmer pro Kilometer und Schleuse, bei Teilnahme an einem Skippertreffen und für Bootsübernachtungen jeweils Punkte. Am Ende der Saison gewinnt die Crew mit den meisten Punkten. „Außerdem gibt es Orientierungs- und Geschicklichkeitsfahrten“, erzählt der Vorstandsvorsitzende, der zudem noch das maritime Sportfest, das der Sportboot-Club jährlich einmal austrägt, zu den sportlichen Ereignissen zählt. „Solche Sportfeste werden auch bei den Skippertreffen ausgetragen“, sagt Ronny Hübner, Hafenmeister im Sportboot-Club. „Die Disziplinen sind: Knoten, theoretische Fragen aus der Bootsführerscheinprüfung, Rettungsringwerfen, Rettungsleinen-Zielwurf, Geschicklichkeitsfahren im Paddelboot und noch einige andere.“

Als einer von drei Potsdamer Motorbootvereinen hat der SBC „Havelland“ auch eine Jugendgruppe, die sich dem Schlauchbootrennsport verschrieben hat. Aktuell trainieren neun Kinder und Jugendliche zwei Mal in der Woche auf dem Wasser direkt vor dem Vereinsgelände. „Für die Trainingseinheiten hat die Polizei uns dieses Gebiet freigegeben“, erläutert Leutert. „Weil wir dann schneller als die erlaubten neun Kilometer pro Stunde fahren.“ René Baier, selbst Deutscher Meister im Schlauchbootfahren, konnte nach seiner aktiven Sportlerkarriere als Trainer gewonnen werden. „Das ist ein echter Glücksfall für uns“, freut sich Leutert. „Beim Schlauchbootrennsport geht es darum, in kürzester Zeit einen Parcour abzufahren“, erklärt der 38-jährige Trainer. „Der Schwierigkeitsgrad des Parcours wird von Altersklasse zu Altersklasse höher. Am Anfang müssen die Kinder nur im Slalom um die mit Bojen abgesteckten Tore fahren. Später müssen sie durch die Tore hindurch oder rückwärts um die Tore fahren.“

Es klingt kompliziert, sieht aber nach sehr viel Spaß und Geschwindigkeit aus. In Schieflage saust Carsten Schönbach um die Tore, das Wasser spritzt. „Aus dem anfänglichen Spaß an dem Sport ist der Ehrgeiz gewachsen“, sagt der 19-Jährige, der seit neun Jahren den Schlauchbootsport betreibt und bereits mehrfach in den Top-3 bei den Landesmeisterschaften landete. In fünf Wettbewerben in Oranienburg, Ketzin, Brandenburg, Neuruppin und am Schwielochsee werden die brandenburgischen Landesmeister ermittelt.

Info: Alle Beiträge der Serie finden Sie auch im Internet unter
www.MAZ-online.de/mein-verein.

Von Luisa Müller

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