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Speerwerferin Sarah Mayer kickt jetzt bei Blau-Weiß Beelitz

Ungewöhnlicher Wechsel Speerwerferin Sarah Mayer kickt jetzt bei Blau-Weiß Beelitz

Sarah Mayer hat den Speer aus der Hand gelegt. Die U23-Europameisterin in der Leichtathletik hat ihre sportliche Laufbahn damit aber noch nicht beendet. Nun jagt sie bei Blau-Weiß Beelitz in der Regionalliga dem Fußball hinterher – mit Erfolg.

Potsdam/Beelitz. Gerade einmal vier Monate ist es her, da belegte Sarah Mayer bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg mit 56,78 Metern Platz sechs im Speerwurf der Frauen. „Saisonbestleistung. Ich war zufrieden“, erinnert sich die 24-Jährige. Als Zwölfjährige 2003 an die Sportschule Potsdam gekommen, konzentrierte sich die gebürtige Donzdorferin (bei Stuttgart) seitdem auf den Leistungssport. Zunächst als Siebenkämpferin, ehe Trainer Tino Lang die Sportschülerin „auf den Speerwurf spezialisierte, als er mein Talent dafür erkannte.“ Nach zehn Jahren mit dem Wurfgerät war Mayer in diesem Jahr endgültig in der Wettkampfklasse der Erwachsenen angekommen. Dort maß sich die U23-Europameisterin 2011 („Mein schönstes sportliches Erlebnis“) und U23-Vizeeuropameisterin 2013 vom SC Potsdam nun mit Speerwurf-Größen wie Christina Obergföll und Katharina Molitor.

Ein gutes Vierteljahr später sind diese Erlebnisse nur noch schöne Erinnerungen. Sarah Mayer hat ihre Leichtathletik-Laufbahn beendet und den Speer gegen den Fußball eingetauscht. Seit Saisonbeginn jagt die 24-Jährige in der Regionalliga Nordost für die SG Blau-Weiß Beelitz dem runden Leder hinterher.

Siegtreffer im Spiel gegen Dresden

Vergangenen Sonntag hatten sich die Spargelstädterinnen gegen den favorisierten FFC Fortuna Dresden durchgesetzt, nachdem sie zunächst in Rückstand gegangen waren. Siegtorschützin zum 3:2: Sarah Mayer. „Das war schon geil“, schwärmt die Anwärterin als Polizeikommissarin der Sportfördergruppe der Landespolizei. „Wir werden mit jedem Spiel besser.“ Nach durchwachsenem Saisonstart steht die SG inzwischen auf Tabellenplatz sieben.


Bei der U23-EM 2011 warf Sarah Mayer den Speer auf 59,29 Meter

Bei der U23-EM 2011 warf Sarah Mayer den Speer auf 59,29 Meter.

Quelle: imago sportfotodienst

Den Wechsel von der Leichtathletik zum Fußball hat Sarah Mayer bislang nicht bereut. Vor allem das Teamgefühl sei eine Bereicherung. „Sich als Einzelsportler jeden Tag neu zu motivieren, ist oft schwer. In einer Mannschaft kannst du dich nicht hängen lassen, weil du Verantwortung für das ganze Team hast.“ Grund für das Ende ihrer Leichtathletik-Karriere war „eine schwere Schulterverletzung, die mich 2014 weit zurückwarf. Danach war es schwer, den eigenen sportlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Ich habe mich zurückgekämpft und mit den Deutschen Meisterschaften 2015 einen guten Abschluss gefunden. Nach über zehn Jahren war die Zeit reif, den Speer wegzulegen“, berichtet Mayer.

Wadenbeinbruch am vierten Spieltag

Lange stillhalten konnte sie nicht. „Ich wollte irgendwas machen. Das erste Probetraining bei der SG Beelitz fühlte sich an, als hätte ich dort schon immer dazugehört. Für mich stand sofort fest – das ist es“, erinnert sie sich. Ihr altes Sportlerleben vermisst Sarah Mayer nicht. „Das einzige, was mich ein wenig wurmt, ist, den Speer nie über 60 Meter geworfen zu haben. Das hätte ich gern noch mal geschafft.“ Den EM-Titel sicherte sie sich 2011 mit einer Weite von 59,29 Metern.

Der Start auf dem Fußballplatz verlief für Mayer holprig. „Am 4. Spieltag habe ich mir das Wadenbein gebrochen“, grummelt sie. Die Verletzung ist auskuriert. Aus der Abwehrkette wurde sie inzwischen in die Offensive verpflanzt, das beflügelt Mayer zusätzlich. „Die Trainingsumstellung ist schon enorm. Vor allem Kondition und Spielverständnis sind nun gefragt.“ Drei Mal wöchentlich Training mit der Mannschaft, dazu „drei Mal Laufen und Krafttraining, was ich mir selbst auferlege“, absolviert Mayer. Vorher waren es zehn Einheiten pro Woche. „Ich genieße die freie Zeit ab und zu“, ist die 24-Jährige glücklich. Die verbringt sie oft mit den Turbine-Kickerinnen Tabea Kemme und Stefanie Draws. Seit mehreren Jahren teilen sich die einstigen Sportschülerinnen eine WG. „Da reden wir auch über Fußball. Tipps habe ich mir bislang noch nicht geholt, Motivation schon“, schmunzelt Mayer.

Kommenden Sonntag (13 Uhr) geht es zum Tabellendritten FC Viktoria Berlin. „Das wird schwer. Aber wir haben noch eine Rechnung offen“, gibt sich Sarah Mayer kampflustig. „Am 2. Spieltag haben wir gegen den FC bis zur 89. Minute 2:1 geführt und am Ende noch 2:3 verloren.“ Auch ihrem persönlichen Saisonziel will Mayer einen weiteren Schritt näher kommen: „Verletzungsfrei bleiben und soviel Spielpraxis wie möglich sammeln. Denn mit jedem Spiel wird mein taktisches Verständnis besser; da muss ich noch einiges lernen.“

Von Nadine Bieneck

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