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Mit Frauen-Power nach Berlin

Sterne des Sports Mit Frauen-Power nach Berlin

Der Karate-Verein Sho Dan Sha Kai aus Brandenburg/Havel gewinnt den Silbernen Stern des Landes Brandenburg. Den Initiatoren geht es um viel mehr als Kampfsport.

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Vereinsboss Andy Laube, Monika Schilling und Marc Puhlmann (r.)

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Marc Puhlmann ballte vor Freude die Fäuste. Monika Schilling sang „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“ Der Jubel war am Dienstagabend groß, als der Karate-Verein Sho Dan Sha Kai aus Brandenburg/Havel in Potsdam mit dem „Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet wurde, noch vor dem Uckermärkischen Boxverein 1948 Schwedt (2.) und dem Spremberger SV 1862 (3.). „Wir freuen uns riesig, damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Marc Puhlmann. Gemeinsam mit Monika Schilling hat er 2013 das Projekt „Wehrhafte Frauen“ initiiert. Mit dieser Idee nehmen sie am 26. Januar 2016 beim Bundesausscheid „Sterne des Sports in Gold“ in Berlin teil.

72 Vereine aus Brandenburg hatten sich in dem von den Volksbanken Raiffeisenbanken unterstützten Wettbewerb beworben. Die Förderpreise erhielten der Beeskower Drachensportverein, der Ruppiner Radsportclub und der SC Potsdam. „Es geht nicht nur um Siege und Bestleistungen, sondern um die Freude am Sport, am gemeinsamen Erleben und entdecken eigener Stärken“, so Sportminister Günter Baaske (SPD).

Prävention an erster Stelle

Um die Stärken der Frauen geht es Sho Dan Sha Kai (übersetzt: Gesellschaft kleiner Meister). Im Mittelpunkt stehe jedoch nicht Karate, betonte Puhlmann. „Es geht nicht zuerst ums Kämpfen, sondern um präventive Arbeit.“ Man habe Seminare entwickelt, um Mädchen und Frauen besser auf bestimmte Situationen vorzubereiten. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen“, sagte Puhlmann. Wer etwa im Dunkeln draußen unterwegs ist und sich unwohl fühlt oder Angst hat, solle auf sein Bauchgefühl hören. „Im Zweifel ein Taxi nehmen oder zurückgehen.“ Puhlmann ermutigt Frauen aber auch, mit mehr Körperspannung rauszugehen. „Sie müssen sich bei einer Konfrontation trauen, laut Stopp zu sagen.“ Einer Frau, die auf dem Weg vom Büro zum Auto einen dunklen Weg gehen muss, riet er, eine Taschenlampe mitzunehmen. Einer älteren Dame, die sich abends nicht zum Einkaufen raustraute, empfahl er, den Weg zu beobachten: „Wo sind sichere Inseln wie etwa ein Taxistand oder ein Restaurant, wo wird mir geholfen.“

Aktionstage im ganzen Land Brandenburg

Monika Schilling hat kürzlich selbst mit Karate begonnen. Die 59-jährige Frauen-Politikerin wollte wissen, wie die Kurse angenommen werden. „Die Frauen können mit bestimmten Situationen besser umgehen, ihnen werden die Augen geöffnet“, sagte die Personalberaterin.

Das Verhältnis zwischen Karate und Theorie ist in den Seminaren etwa ausgeglichen. Mit einem Selbstverteidigungskurs allein sei kaum geholfen, sagte Puhlmann. „Wer einen Selbstverteidigungskurs gemacht hat, kann sich noch nicht verteidigen. Es gehört viel mehr dazu als die Techniken des Karate. Etwa Selbstvertrauen, Mut, eine Einschätzung der Lage.“ Im kommenden Jahr soll es zu diesem Thema im ganzen Land Brandenburg Aktionstage geben.

Dann wird Puhlmann im Seminarraum und auf der Matte wieder den Ton angeben. Der Unternehmer hat sich vor 15 Jahren mit einem Finanzberatungsunternehmen selbstständig gemacht. Seit 21 Jahren betreibt er Karate. Einst sogar mit leistungssportlichem Anspruch. 2011 wurde Puhlmann bei der deutschen Meisterschaft Dritter. Aber der Stern in Silber ist wohl die schönste Auszeichnung.

Von Ronny Müller

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