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Teure Olympia-Gold-Mission für Brendel

3000 Euro für einen ruhigen Schlaf Teure Olympia-Gold-Mission für Brendel

Die 453 deutschen Athleten reisen nicht alle in derselben Klasse im Flugzeug zu Olympia nach Rio. Es gibt Unterschiede bei den Sitzplätzen. Die Kanuten jedenfalls müssen den 12-Stunden-Flug in der Economy-Klasse verbringen. Das ist gerade für Sebastian Brendel alles andere als komfortabel. Jetzt wird fieberhaft nach einer Lösung gesucht.

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Sebastian Brendel in seiner Lieblings-Pose: Jubel nach dem Zieleinlauf.

Quelle: dpa

Potsdam. Sebastian Brendel ist ­definitiv kein Sportler mit Star-Allüren. Dem Kanu-Olympiasieger von 2012 ist der Triumph nicht zu Kopf gestiegen. Ruhig, sachlich, professionell – der Potsdamer ist eher zurückhaltend, hilft wo er nur kann. Der Champion im Canadier-Einer sonnt sich nur selten im Licht des Olympia-Golds. Das zeichnet ihn aus. Auch seine Ansprüche, wie der Mann des KC Potsdam zu den Wettkämpfen kommt, sind übersichtlich. Brendel setzt sich schon mal selbst hinters Steuer, wenn es mit dem Auto zu Meisterschaften geht. „Das macht mir nichts aus“, so der 28 Jahre alte Kanute. „Ich habe auch kein Problem, in der Economy-Klasse zu fliegen. Ganz ehrlich. Ich bin aber schon verwundert, dass es bei der Platzwahl im Flieger nach Rio zu Olympia Unterschiede gibt.“

Das sieht schon edel aus

Das sieht schon edel aus: Die Business-Klasse von Lufthansa in einer Boeing 747-8.

Quelle: dpa

Zwölf Stunden Flug nach Rio

Denn: Gemütlich in den Flieger steigen und komfortabel mal eben zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro, die am 5. August beginnen, fliegen: Das gilt nicht für alle deutschen Athleten. Viele Sportler fliegen in der Economy-Klasse ganze zwölf Stunden nach Rio. Das bedeutet eingeschränkte Beinfreiheit und weniger Komfort – für manche vielleicht auch weniger Erholung auf dem Flug. „Das ist der wichtigste Wettkampf für uns. Das ist Olympia. Da möchte ich ausgeschlafen ankommen. Zumal ich nur vier Tage Zeit habe, mich in Brasilien zu akklimatisieren“, so Brendel, der deshalb doch in der Business-Klasse über den Teich möchte.

Kanuten ohne Zuschuss

Dafür muss eine der größten deutschen Gold-Hoffnungen tief in die Tasche greifen. Denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat für die insgesamt 453 deutschen Athleten nur Tickets für die Economy-Klasse gebucht. Viele Verbände beantragten für ihre Athleten ein Kontingent für die bequemere Business-Klasse. „Auch wir“, sagt Thomas Konietzko, Präsident des deutschen Kanuverbandes. Während andere Verbände einen Zuschuss bekamen, bleiben die Kanuten auf der Strecke. „Es hieß, das Kontingent sei aufgebraucht. Ich kann mir darüber keine Meinung bilden, weil ich nicht weiß, wie das Verfahren der Verteilung läuft. Ich weiß auch, dass es sicherlich eine Million Euro Mehrkosten gewesen wären, wenn alle Sportler in der Business-Klasse untergebracht worden wären. Das Geld kann man sinnvoller nutzen. Doch es muss Kompromisse geben.“

Das sieht schon weniger nach Beinfreiheit aus

Das sieht schon weniger nach Beinfreiheit aus: Die Economy-Klasse von Lufthansa einer Boeing 747-8.

Quelle: dpa

Wie bei Sebastian Brendel. 3000 Euro mehr kostet der bessere Platz. Die muss Brendel – fünffacher Weltmeister und zehnfacher Europameister – allein berappen. Vom DOSB heißt es: „Grundsätzlich stellt der DOSB mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums Flüge in der Economy-Klasse zur Verfügung. In Abstimmung zwischen den Spitzenverbänden, dem DOSB und dem BMI kann in Einzelfällen aus sportfachlichen Gründen (zum Beispiel Trainings- und Wettkampfplanung, Übergröße) upgegradet werden.“

Mehr Beinfreiheit nötig

Wettkampfplanung? Übergröße? Brendel ist 1,92 Meter groß und 95 Kilogramm schwer. Sein Wettkampf steigt vier Tage nach der Landung am Zuckerhut – Brendel bräuchte definitiv mehr Beinfreiheit. Der Potsdamer möchte aber trotzdem am 11. August ausgeschlafen in Brasilien ankommen und ist nun auf der Suche nach einem Sponsor für die bessere Klasse. „Wir sind bis zu zwölf Stunden unterwegs. Es ist ein Nachtflug. Da wäre die bequemere Klasse absolut sinnvoller. Ich will Gold holen.“ Das freut auch Konietzko. „Wir tüfteln an einer Lösung.“ Gut für Brendel, dem Champion ohne Star-Allüren.

Jan Vandrey und Stefan Kiraj doch zu Olympia

Das deutsche Kanuten-Aufgebot wird überraschend aufgestockt. „Wir erhalten zwei zusätzliche Quotenplätze für Canadier, da Weißrussland wegen Dopings für Olympia gesperrt wurde“, so Thomas Konietzko, Präsident des deutschen Kanuverbandes.

Freuen dürfen sich die Potsdamer Jan Vandrey (im C2 über 1000 Meter mit Sebastian Brendel) und Stefan Kiraj (C1 über 200 Meter). Beiden rücken nach und sind am Zuckerhut dabei.

Stefan Kiraj: „Da ist viel Freude dabei. Ich hatte ja weiter trainiert, weil es immer noch eine Minimalchance gab. Jetzt kann ich wieder besser schlafen.“

Jan Vandrey: „Das ist der Wahnsinn, überwältigend. Es ist eine große Ehre, doch dabei sein zu dürfen.“

 

Von Sebastian Morgner

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