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Die Augen des Rallye-Weltmeisters

Rallye-Co-Pilot Timo Gottschalk aus Rheinsberg Die Augen des Rallye-Weltmeisters

Wenn die Rallye-Boliden in der Weltmeisterschaft ab dem kommenden Donnerstag mit Höchstgeschwindigkeiten durch die engen Weinberge an der Mosel rasen, dann ist auch wieder Rheinsberger Timo Gottschalk gefragt. Der 40-Jährige koordiniert für das Werksteam von VW um Weltmeister Sebastien Ogier die komplette Streckeninspektion.

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Sebastien Ogier führt in seinem VW Polo R WRC das Klassement der Rallye-Weltmeisterschaft souverän an.

Quelle: fotos: dpa

Rheinsberg/Trier. Das Schlimmste, was ab Donnerstag bei der Rallye Deutschland passieren könnte, wäre für Timo Gottschalk unerwarteter Regen. „Wenn es bei einer Schotterrallye regnet, hat man nicht den falschen Reifen, das hat keinen großen Einfluss. Aber wenn es bei einer Asphaltrallye regnet und du hast einen harten Reifen, dann bist du geliefert“, sagt der Rheinsberger. Dass sein Team, die VW-Crew um Weltmeister Sebastien Ogier, mit der Reifenwahl bei der Asphaltrallye richtig liegt, ist auch seine Aufgabe. Denn der 40-Jährige koordiniert beim Weltmeisterteam bei jedem Rennen die Erfassung aller relevanten Strecken-Daten.

Dafür führt Gottschalk seitenweise Excel-Tabellen, in denen beispielsweise notiert ist, wann Ogier und seine Teamkollegen die einzelnen Wertungsprüfungen zur Besichtigung abfahren können. Während der eigentlichen Rallye sammelt er die Daten der „Meteos“, den Mitarbeitern, die an der Strecke Luft- und Asphalttemperatur messen und die Streckengegebenheiten durchgeben. „Ich gebe alles in eine Datei ein und erstelle den Temperaturverlauf. Die Beifahrer kommen dann zu mir und erkundigen sich, wie es auf der Strecke aussieht“, erzählt Gottschalk, der auch selbst als Co-Pilot arbeitet und 2011 die Rallye Dakar gewann. Auf dieser Basis entscheiden Fahrer und Ingenieur, mit welchem Setup und welchen Reifen sie fahren.

Im letzten Jahr krachte Ogier bei Tempo 160 in die Leitplanke

Dass diese Daten eminent wichtig sind, zeigte sich bei der Rallye Deutschland im vergangenen Jahr, als sich die Bedingungen während des Rennens änderten. Ogier, der Ehemann der deutschen TV-Moderatorin Andrea Kaiser, hatte auf Siegkurs liegend einen schweren Unfall. „In einer schnellen Passage war es ein bisschen feucht. Bei Tempo 160 fuhr er über eine leichte Kuppe. Das Auto ist ganz leicht gesprungen. Bei der Landung kam es ins Schlingern und ist in eine Leitplanke gekracht. Sie hatten großes Glück“, erzählt Gottschalk. Um solche sich ändernden Gegebenheiten zu erfassen, koordiniert der Rheinsberger auch die Route Note Cars, die vor den einzelnen Etappen die Strecken abfahren.

Timo Gottschalk gewann 2011 als Co-Pilot von Nasser Al-Attiyah die Rallye Dakar

Timo Gottschalk gewann 2011 als Co-Pilot von Nasser Al-Attiyah die Rallye Dakar.

Quelle: DPA

Und die Bedingungen ändern sich gerade bei der Rallye im Saarland ständig. „Das macht die ganze Planung enorm schwierig“, sagt Gottschalk. So sind neben den charakteristischen enge Straßen in den Weinbergen auch Etappen auf dem Flugfeld des Truppenübungsplatzes Baumholder geplant. „Das ist ziemlich rauer Asphalt. Wenn es da drauf regnet, ist es wie Glatteis“, erklärt er Rallye-Co-Pilot, der auch 2016 wieder mit Yazeed Al-Rajhi bei der Dakar starten wird.

Trotz dieser unberechenbaren Bedingungen peilt Ogier seinen ersten Sieg im VW bei der Rallye Deutschland ein. „Er macht wenig Fehler, auch wenn er voll attackiert. Und er ist im Kopf sehr stark“, sagt Gottschalk über den Franzosen, der die vergangenen beiden WM-Titel gewann. Auch in diesem Jahr liegt er mit 182 Punkten fast uneinholbar vor Teamkollege Jari-Matti Latvala (93) und kann in Trier seinen Titelhattrick perfekt machen. Seit 2013 dominieren VW die Rallye-WM – seither koordiniert Gottschalk auch sein 20köpfiges Team.

Von Stephan Henke

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