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Trainer Salomoni zieht einen Schlussstrich

Volleyball-Bundesliga SC Potsdam Trainer Salomoni zieht einen Schlussstrich

Trainer Alberto Salomoni hört nach fünf Jahren beim SC Potsdam auf. Im MAZ-Interview äußert er sich zu seinen Beweggründen. So sagt er: "In dieser Saison wurde aus jeder Niederlage ein Drama gemacht. Ich habe mich zunehmend eingeengt gefühlt [...]. Mein Gefühl ist es, ich habe mich mehr und mehr von den Verantwortlichen im Verein distanziert."

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Danke für fünf Jahre Trainerarbeit in Potsdam: Alberto Salomoni.
 

Quelle: Foto: Gerhard Pohl

Potsdam.  Mit dem Aus im Viertelfinale gegen den Schweriner SC ging bei den Volleyballerinnen des SC Potsdam eine Ära zu Ende. Trainer Alberto Salomoni (49) hört auf.

Warum machen Sie Schluss?

Alberto Salomoni: Ich möchte meine fünf Jahre in Potsdam in zwei Phasen einteilen: die ersten drei Jahre und die letzten zwei Jahre. Als ich 2011 begann, spielten wir gegen den Abstieg, wir wurden Elfter. Im Laufe der Jahre haben wir in Potsdam etwas aufgebaut. Der Verein erlebte einen Aufschwung, spätestens mit der Eröffnung der MBS-Arena. Wir waren eine Freude für die Stadt. Doch je besser sich der Verein entwickelte, desto höher wurden die Ansprüche. In dieser Saison wurde aus jeder Niederlage ein Drama gemacht. Ich habe mich zunehmend eingeengt gefühlt in meiner Arbeit. Ich brauche Raum für Gestaltung, will kreativ sein. Mein Gefühl ist es, ich habe mich mehr und mehr von den Verantwortlichen im Verein distanziert.

Wie meinen Sie das?

Salomoni: Ich arbeite immer mit sehr viel Emotionen. Aber trotz Diskussionen haben wir früher immer wieder zusammengefunden. Wenn ich früher Anmerkungen machte, dann wurde das auch umgesetzt. Zuletzt war das nicht mehr der Fall, da waren wir oft unterschiedlicher Meinung. Da habe ich gespürt, die Zeit ist reif für einen Wechsel. Ich klebe nicht an meinem Platz.

War es ein Fehler, schon bei Saison-Halbzeit den Abgang zu verkünden?

Salomoni: Wann ist dafür der richtige Zeitpunkt? Ich wollte es so, damit alle Bescheid wissen. Ich wollte damit die Mannschaft entlasten, die permanent in der Kritik stand und die Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Hätte ich es erst jetzt gesagt, wäre es wohl auch falsch gewesen, weil ich nicht loyal gegenüber dem Verein gewesen wäre. Auf jeden Fall hätte ich mir einen anderen Abgang gewünscht, möglichst mit einer Medaille.“

Nach Platz sechs und fünf sollte es diesmal für die Top Vier und das Halbfinale reichen. Warum wurden die Saisonziele verfehlt?

Salomoni: Die Mannschaft hatte mit Saskia Hippe, Wiebke Silge oder Regina Mapeli Burchardt individuell sicher die Qualität, das Ziel zu erreichen. Aber wir haben es nicht geschafft, eine Mannschaft zu formen. Uns fehlte die Kontinuität in der Leistung, mehr Balance im Team zwischen Annahme, Zuspiel und Angriff. Außerdem haben die Charaktere nicht gepasst. Die Harmonie fehlte, auch im Umfeld. Ich habe mich mit der Mannschaft oft allein gelassen gefühlt. Das Ergebnis sagt jedoch eindeutig, wir waren nicht gut genug. Natürlich habe auch ich Fehler gemacht.

Zum Beispiel?

Salomoni: Einige Neuzugänge haben nicht die Leistung gebracht, die wir uns vorgestellt hatten. Für diese Fehleinschätzung trage ich die Verantwortung. Aber auch das gehört im Sport dazu. Im Übrigen fehlte auch das Geld, um während der Saison Spielerinnen auszutauschen.

Ist die Liga stärker geworden?

Salomoni: Das Mittelfeld ist sicherlich breiter geworden. Unsere Schwäche hat verhindert, da rauszukommen.

In dieser Saison gab es einen Zuschauerrückgang. Woran lag das?

Salomoni: Wenn man das allein an der Leistung festmacht, macht man es sich zu einfach. Die neuen Spielerinnen hatten zu Beginn schon das Gefühl, dass die heimischen Fans nicht so hinter ihnen stehen wie sie das zum Beispiel in Stuttgart, Straubing oder Aachen auf Seiten des Gegners erlebt haben. Zuletzt war die Stimmung in der Halle besser. Treue ist mehr als zu applaudieren, wenn die Mannschaft gewinnt. Auch ich habe von anderen Vereinen mehr Anerkennung erfahren als in Potsdam. Wie heißt es so schön: Der Prophet gilt im eigenen Lande wenig.

Was war Ihr schönster Moment?

Salomoni: Als wir am 7. April 2013 im zweiten Viertelfinalspiel gegen Schwerin (2:3/d.A.) eine volle Halle hatten – schon eine Stunde vor Spielbeginn. Da hatte ich Gänsehaut.

Wie fällt Ihr Fazit in einem Satz aus?

Salomoni: Potsdam hat mir etwas gegeben, ich habe Potsdam etwas gegeben. Ich werde dem Verein immer dankbar sein, ich hatte eine schöne Zeit.

Wie geht es für Sie weiter?

Salomoni: Meine Zukunft ist offen.

Welche Botschaft geben Sie dem SC Potsdam mit auf den Weg?

Salomoni: Der Verein muss wirtschaftlich stabil bleiben. Das ist das Allerwichtigste. Um wieder mehr Zuschauer zu bekommen, muss mehr Werbung zum Beispiel unter den Volleyball-Vereinen in der Region gemacht und das Management verstärkt werden. Potsdam hat sicherlich Potenzial und ist inzwischen eine gute Adresse im deutschen Volleyball. Wenn der Verein für die nächste Saison die ökonomische Kraft hat, eine starke Mannschaft mit dem Ziel Halbfinale aufzustellen und mein Nachfolger das erreicht, dann ziehe ich den Hut vor allen.

 
 
 

Von Peter Stein

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