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UEFA tagt: Präsidentenfrage belastet Kongress

Fußball UEFA tagt: Präsidentenfrage belastet Kongress

Die UEFA kommt weiter ohne Präsidenten aus. Beim Kongress in Budapest hatte die Europäische Fußball-Union ihre Führungskrise um den gesperrten Michel Platini lösen wollen - rechtzeitig vor der EM. Bei der Tagung geht es aber um Sachfragen und noch nicht das Kernproblem.

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Michel Platini steht bei der UEFA-Tagung in Budapest im Mittelpunkt des Geschehens - obwohl abwesend.

Quelle: Jean-Christophe Bott

Budapest. Einen symbolhafteren Ort hätte sich die UEFA als Funktionärs-Herberge für ihre Sitzungstage in Budapest kaum aussuchen können. Das Corinthia Hotel versprüht den heimeligen Glanz alter Tage.

Anzeichen eines Aufbruchs in eine moderne Zukunft sind unter Kronleuchtern und hinter schweren Gardinen aber nicht zu erkennen. Keine sechs Wochen vor dem EM-Anpfiff verharrt die Europäische Fußball-Union in dem selbst auferlegten Schwebezustand, der eine Neuordnung verhindert. Der gesperrte Präsident Michel Platini ist vor dem 40. Ordentlichen UEFA-Kongress am Dienstag in der ungarischen Hauptstadt Ursache und Lösung des Problems zugleich.

Erst wenn der Internationale Sportgerichtshof CAS über den Berufungsantrag des Franzosen gegen seine Sperre von sechs Jahren wegen einer von Ex-FIFA-Chef Joseph Blatter veranlassten Millionenzahlung entschieden hat, traut sich der Kontinentalverband an die Klärung des Machtkonflikts an seiner Spitze. Für den 18. Mai wurde nun eine Sondersitzung einberufen. Im Falle eines Scheiterns von Platini soll dann vor dem Europa-League-Finale in Basel über das Prozedere der Nachfolgeregelung gesprochen werden, bestätigte der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Montag nach der Sitzung des Exekutivkomitees.

Der CAS hat eine Entscheidung in der Causa Platini bis spätestens 9. Mai angekündigt. Eine Aufhebung der Sperre wäre eine große Überraschung. Die Ironie: Der CAS hatte eine Ad-hoc-Entscheidung bis zum Montag angeboten, Platini lehnte ab. Die erwartete Bestätigung seiner Sperre hätte die UEFA bei ihrer Vollversammlung in enorme Turbulenzen gestürzt.

Dabei war das Meeting in Budapest ursprünglich von März in den Mai verlegt worden, in der Hoffnung, dass die seit Herbst 2015 schwelende Causa Platini bis dahin endlich geklärt sei. Bestmöglich mit einem Freispruch für Platini, den man sich im Hauptquartier in Nyon immer noch in Verkennung der Realitäten ersehnt.

Niersbach verteidigte die abwartende Haltung der UEFA. "Richtig war die Entscheidung, dass man noch keinen Präsidenten wählt. Das hätte man als nicht fair gegenüber Michel Platini empfunden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Budapest. "Deshalb wurden auch die formalen Voraussetzungen für eine Neuwahl nicht geschaffen", betonte das Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee.

Die Tragik der UEFA ist auch, dass es nach dem Aufstieg von Ex-Generalsekretär Gianni Infantino zum FIFA-Chef keinen logischen Kandidaten gibt. Niersbach ist seit seiner Verwicklung in die deutsche WM-Affäre nicht mehr vermittelbar. Angel Maria Villar Llona - formal als UEFA-Vize Platinis Vertreter - ist ein Mann der alten Garde, steht nicht für Aufbruch und hat auch intern viele Gegner. Der Niederländer Michael van Praag ist ein Konsenstyp, wäre aber mit 68 Jahren für die Restamtszeit bis 2019 nur ein Übergangschef. Dennoch ist er Favorit.

So schleppt die UEFA ihre Führungskrise erstmal weiter mit sich herum. Eine Belastung für die EM in Frankreich sieht Niersbach aber nicht: "Die EM wird stattfinden, ob mit einem gewählten Präsidenten im Amt oder ohne. Die EM ist durch die Administrative und den französischen Verband exzellent vorbereitet. Es ist kein Leck erkennbar", sagte Niersbach, der selbst noch auf ein Urteil der FIFA-Ethikkommission im Zuge der deutschen WM-Affäre wartet.

Theoretisch könnte die UEFA noch vor der EM in diesem Sommer einen neuen Präsidenten küren. "Ich halte Neuwahlen vor der EM für unwahrscheinlich, aber wir haben im letzten halben Jahr im Fußball erlebt, dass vieles möglich ist", sagte Niersbach.

In Budapest stehen somit Sachfragen im Mittelpunkt. Das Kosovo bewirbt sich um die Aufnahme als 55. UEFA-Mitglied - angesichts des Widerstands aus Serbien ein heikles Politikum. Und gewählt wird dennoch. Karen Espelund und Florence Hardouin bewerben sich um den für eine Frau reservierten Sitz im UEFA-Exekutivkomitee, der zur Mitgliedschaft im neuen FIFA-Council berechtigen wird.

dpa

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