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Urlaubs-Aufgaben für Löw: Umbruch angehen

Fußball Urlaubs-Aufgaben für Löw: Umbruch angehen

Sieben Tore, drei Punkte, Gruppenplatz zwei - und endlich Urlaub. Als Joachim Löw am Sonntag im sommerlichen Stuttgart aus dem DFB-Sonderflieger LH 0343 stieg, war die Fußball-Welt für sein Weltmeisterteam nach einer Saison mit vielen Widrigkeiten wieder ein Stück sonniger.

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Die deutschen Nationalspieler verabschieden sich in Faro von den Fans.

Quelle: Arne Dedert

Faro. "Wir kennen unsere Probleme und werden sie nach der Pause angehen. Die Mannschaft wird in die Spur kommen, weil sie ein großes Potenzial hat. Das werden wir wieder abrufen", versprach Joachim Löw vor den ersehnten Entspannungstagen, die mit einem Spaßkick für die Stiftung von Sami Khedira mit viel Lust begannen.

Löw glänzte dabei als Doppeltorschütze. Auch Manager Oliver Bierhoff und unter anderen die Weltmeister Jerome Boateng, Lukas Podolski, Julian Draxler und Miroslav Klose waren beim Benefizspiel auf dem Feld aktiv. Die extra ausgewählten B-Jugendlichen aus der Region Stuttgart waren zwar motiviert und scheuten auch keine Zweikämpfe mit den Stars - wirklich gefordert wurden die Profis im Gegensatz zum Auftritt in Portugal aber nicht mehr.

"Ich bin froh, dass ein langes Jahr jetzt zu Ende ist. Es war kein einfaches Jahr", sagte Mario Götze schon nach dem letzten Pflichtspiel der Saison. Der Münchner Dauerbrenner - als einziger von 32 eingesetzten Spielern der Nationalelf stand der Final-Torschütze von Rio bei allen zehn Saisonspielen auf dem Platz - kehrte mit einer Oberschenkelprellung von der letzten Dienstreise der Nach-WM-Spielzeit zurück. Zum Glück ist nichts kaputt, gab Götze selbst Entwarnung. Es hätte zu den Monaten der Leiden, Verletzungen und Formschwankungen gepasst, von denen vor allem die Helden von Brasilien gebeutelt wurden. "Es war schwierig. Wir hatten nicht die Souveränität wie in den Jahren zuvor", betonte Löw.

Die Fans zweifeln trotz der durchwachsenen Saison nicht am Ticket für Frankreich, wie ein Nebenthema beweist. In den sozialen Netzwerken beschäftigten sich die Anhänger mehr mit der Beauty-Einlage auf der Trainerbank als mit dem sportlichen Wert des Saisonabschlusses. Löw hatte mitten im Spiel einen gebrochenen Nagel per Feile repariert. "Das sollte nicht despektierlich sein. Aber der Nagel war eingerissen", sagte Löw.

Fünf Siegen standen 2014/15 zwei Remis gegenüber und drei Niederlagen, so viele wie nie zuvor in einer Saison ohne Turnier mit Löw. Auch beim 7:0 gegen die Amateure von Gibraltar schwankten die Spieler nochmals zwischen fehlender Entschlossenheit sowie fast peinlichem Torabschluss auf der einen Seite und Überlegenheit auf der anderen. "Was wir an Chancen ausgelassen haben, war schon ein bisschen an der Grenze zur Arroganz. Wir haben vier, fünf, sechs Chancen einfach vertändelt und den Torwart angeschossen. Ich habe gesagt: Ich will auf jeden Fall noch einige Tore sehen", berichtete der DFB-Chefcoach von seiner emotionalen Kabinenansprache in Faro.

Der finale Saisonwunsch wurde dem Weltmeister-Coach vor 7467 Zuschauern im Estádio do Algarve noch erfüllt. Nach den Treffern von André Schürrle (28./65./71. Minute), Max Kruse (47./80.), Ilkay Gündogan (51.) und Karim Bellarabi (57.) stand am Ende eines merkwürdig gestarteten Fußball-Abends gegen den krassen Außenseiter Gibraltar der zweithöchste Sieg der Ära Löw. "Tore tun immer gut. Wir wollten unbedingt Tore schießen. Jetzt kann man beruhigt und gut gelaunt in den Urlaub fahren", meinte der Dreifach-Torschütze Schürrle. Wie einige andere Kollegen wie Sami Khedira, Mats Hummels oder Bastian Schweinsteiger muss der Wolfsburger bei seinem Club eine gute Vorbereitung hinlegen, um auch bei Löw wieder überzeugende Argumente zu haben.

Andere erfahrene Profis wie Lukas Podolski (30), Roman Weidenfeller (34) und selbst Schweinsteiger (30), der gegen Gibraltar eine Elfmeterchance erstmals in seinem 111. Länderspiel verschenkt hatte, sind bereits in die Zielgerade ihrer DFB-Karriere eingebogen, auch wenn sich Löw ein Jahr vor dem EM-Start am 10. Juni in Paris noch nicht festlegen will. "Wann der richtige Zeitpunkt für einzelne Spieler ist, muss man abwarten. Wir haben nicht den Druck, jetzt endgültige Entscheidungen zu treffen", bemerkte der Bundestrainer.

Der Kurs ist aber klar: "Einige Spieler sind 30 und darüber. Wir müssen schauen, dass wir für diese Spieler gleichwertigen Ersatz finden", sagte Löw: "Wir haben die Zielsetzung, dass wir einige junge Spieler heranführen wollen." Besondere Bedeutung kommt da der bevorstehenden U21-EM in Tschechien zu, die Löw auch selbst besuchen will. "2009 war die U21 Europameister und hat sehr gut gespielt. 2010 bei der WM waren dann fünf, sechs Spieler bei uns dabei", erinnerte der Freiburger. In der neuen Saison muss Löw sein Team schnell fit bekommen für den "heißen Herbst" gegen den Tabellenführer Polen (4. September), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober). "Die letzten Qualifikationen sind wir gleich wegmarschiert, diesmal müssen wir wahrscheinlich bis zum letzten Spieltag hart darum kämpfen, diese EM zu erreichen", skizzierte Löw die Lage.

Sorgen aber macht sich der Bundestrainer nicht: "Wir alle werden uns dieses Chance nicht entgehen lassen." Das 1:1 zwischen Schottland und Irland hilft den Deutschen schon jetzt. Beim Neustart in Frankfurt kann Deutschland (13 Punkte) gegen den Nachbarn Polen (14), der durch einen Blitz-Hattrick von Robert Lewandowski Georgien mit 4:0 bezwang, die Tabellenführung erobern.

dpa

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