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Uwe Krupp über seinen Stanley-Cup-Sieg: „Es gibt kein vergleichbares Gefühl“

EISHOCKEY Uwe Krupp über seinen Stanley-Cup-Sieg: „Es gibt kein vergleichbares Gefühl“

Am Sonntag wird Uwe Krupp in die Eishockey-Hall-of-Fame aufgenommen. Im Interview erinnert sich der Ex-Nationalspieler an den größten Moment seiner Karriere, sein Tor im Finale des Stanley Cups.

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Das Tor seines Lebens: Uwe Krupp zeigt an einer Tafel, wie das Tor zum Stanley-Cup-Sieg 1996 entstand.

Quelle: Florian Petrow

Berlin. Große Ehre für eine großartige Karriere: Am Sonntag, dem Finaltag der Eishockey-WM, wird Ex-Nationalspieler Uwe Krupp in die Hall of Fame des Weltverbandes IIHF aufgenommen. Der 51-Jährige entschied 1996 die Finalserie um den Stanley Cup mit seinem Tor in der dritten Verlängerung des vierten Spiels zugunsten der Colorado Avalanche gegen die Florida Panthers (Serie 4:0). Es war der erste Titel für einen deutschen Spieler in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

Der Verteidiger Krupp absolvierte in seinen 21 Jahren als Profi mehr als 1000 Spiele für Köln, Buffalo, New York, Landshut, Quebec, Colorado, Detroit und Atlanta. 2010 führte Krupp, der aktuell die Eisbären Berlin in der DEL trainiert, die Nationalmannschaft bei der Heim-WM als Bundestrainer sensationell ins Halbfinale. Im Interview erinnert er an seinen größten Erfolg.

Herr Krupp, gehen wir zusammen in das Jahr 1996. Die Finalserie, es steht 3:0 für Colorado. Wie haben Sie den Abend vor dem großen Spiel verbracht?

Das Spiel war in Florida, wir sind an dem Vortag angereist. Ein Flug aus Denver mit der Chartermaschine des Klubs. Einchecken ins Hotel. In der Regel hatten wir in den Play-offs abends noch ein Teammeeting, ein Mannschaftsessen. Zu dem Zeitpunkt haben wir schon zwei Monate lang Play-off-Eishockey gespielt. Da entsteht Routine. Ich habe am Abend vorher traditionell ein Eisbad genommen. Das waren die Dinge, die zum Schlafen und Essen dazu gehört haben – besonders bei Auswärtsspielen.

Wie war Ihre Gefühlslage vor dem möglicherweise entscheidenden vierten Spiel?

Du spielst zwei Monate lang jeden zweiten Tag. Du steckst tief im Play-off-Modus, in dem du einfach funktionierst. Es geht nicht mehr um drei Punkte. Es geht nicht darum, wie du ein Spiel verlierst oder gewinnst – sondern nur darum, ob du verlierst oder ob du gewinnst. Es geht nur darum, dass jeder seine Rolle kennt und sein Teil dazu beiträgt, dass die Mannschaft erfolgreich sein wird.

Zuvor hat Colorado Florida dreimal besiegt, einmal mit 8:1. Das vierte Spiel ist plötzlich eng – und es gelingt einfach kein Tor ...

Du machst deinen Job, es ist aber kein Überraschungsmoment dabei. Ohne Überraschungsmomente schießt du keine Tore. Je länger das Spiel ging, desto mehr hatte ich das Gefühl: Es war nicht mehr so wichtig, ob wir gewinnen in diesem Spiel. Mit dieser Erkenntnis kam die Leichtigkeit in unser Spiel.

Irgendwann schwinden die Kräfte. Es kommt die erste Overtime, 20 Minuten – kein Tor. Es kommt die zweite Overtime, 20 Minuten – wieder kein Tor, nach drei Stunden auf dem Eis …

… und dann kommt noch ein Faktor hinzu: Du spielst in Florida, in Miami. Dort ist es sehr warm, die Halle war vollgepackt mit Menschen, das Eis war weich. Das waren schwierige Bedingungen. Du hast keine genialen Spielzüge mehr, es geht darum, Zweikämpfe zu gewinnen. Es ist ein Spiel, in dem sich die Defensive leichter tut als die Offensive.

Haben Sie sich irgendwann nicht einfach nur noch ein Tor gewünscht, egal von wem, nur damit es vorbei ist?

Ja. Aber wir wussten, dass es ein schmutziges Tor sein wird – egal auf welcher Seite.

Marco Sturm soll Eishockey-Bundestrainer bleiben

Der Ehrgeiz von Bundestrainer Marco Sturm bietet dem deutschen Eishockey eine glänzende Perspektive. Das knappe 1:2 gegen Weltmeister Kanada im WM-Viertelfinale reicht dem 38-Jährigen nicht. Offensiv moderiert Sturm seine Ambitionen und impft seinen Eishockey-Cracks die neue Denkweise ein. „Jetzt wird es mal Zeit, dass wir mal einen Gegner im Viertelfinale weghauen“, sagte der überragende NHL-Torhüter Philipp Grubauer, ebenso mächtig enttäuscht über den verpassten Halbfinaleinzug bei der Heim-WM in Köln wie Routinier Dennis Seidenberg. Die Top 8 findet der Abwehrstar „okay“ und „nicht schlecht“, aber eben nicht zufriedenstellend.

Sturm will sich lösen von Erinnerungen an die Vergangenheit. Der stets höfliche und geduldige 38-Jährige schafft eine angenehm professionelle Atmosphäre und hat für einen Aufschwung gesorgt, den Verbandspräsident Franz Reindl „kometenhaft“ nennt. In nicht einmal zwei Jahren hat sich Deutschland in der Weltrangliste von Platz 13 auf acht verbessert.

Sturms Vertrag läuft bis nach der WM 2018 in Dänemark, soll aber vorzeitig nach Gesprächen im Sommer oder Herbst verlängert werden. „Er ist einfach ein Top-Bundestrainer, der seine Spuren hinterlässt und überall gut ankommt“, lobt Reindl.

Zweimal nacheinander führte Sturm den WM-Außenseiter bis ins Viertelfinale, auch das Comeback auf der Olympiabühne bei den Winterspielen 2018 spricht für ihn. Dass anders als 2010, bei der letzten Heim-WM, der Halbfinaleinzug diesmal nicht gelang, hat vor allem damit zu tun, dass Viertelfinalgegner Kanada weitaus stärker war als die damals bezwungene Schweiz.

Doch trotz des Erfolgs steht eines fest: Eine Heim-WM wird es so schnell nicht mehr geben. „Zehn, elf, zwölf Jahre wird es dauern“, schätzt Reindl.

Dann läuft die 105. Minute …

… wir sind im Angriffsdrittel, etwa 20 Sekunden nach dem Bully. Terry Carkner versucht die Scheibe zu klären, und da stehe ich. Ich habe die Scheibe angenommen. Normalerweise hast du als Verteidiger wenig Zeit gehabt. Aber ich hatte das Gefühl, viel Zeit zu haben. Die Scheibe ist perfekt zu mir gekommen. Sie lag flach auf diesem zerstörten Eis. Normalerweise flattert das Ding durch die Gegend. Dann der Schuss: Es war ein ruhiger Ablauf.

Hatten Sie da gleich das Gefühl: Der geht rein?

Ich habe einen guten Kontakt gemacht. Die Scheibe lag flach. Ich war mir aber nicht sicher, ob er reingeht. Aber Mike Keane und Adam Foote, die direkt hinter meiner Position auf der Spielerbank gesessen haben, sagten später: Wir haben gesehen, wie du ausgeholt hast, und wir wussten: Das Ding geht rein.

Dann lag die Scheibe im Netz.

Ich habe in die Gesichter geschaut, ich habe den Sax (Joe Sakic, sein Mitspieler, d. Red.) gesehen, der hinter dem Tor rumkam. In dieser Sekunde habe ich unbändige Freude und Erleichterung gefühlt. Erleichterung, dass das Ding vorbei war.

Und dann wurde gefeiert?

Damals kamen sehr schnell von irgendwo Zigarren her. Jede Menge Schampus, Bier. Das war eine Party! Mike Keane ist mit seiner kompletten Eishockeyausrüstung in den Flieger gestiegen. Dieses Gefühl, den Stanley Cup zu gewinnen – es gibt kein vergleichbares Gefühl für einen Eishockeyprofi. Goldmedaille oder Stanley Cup? In meiner Generation von Spielern? Keine Frage. Stanley Cup, Stanley Cup, Stanley Cup.

Wie war der Empfang in Denver?

Super, wir sind um 5 Uhr morgens gelandet, da haben die Menschen schon auf uns gewartet. Es waren mehr als eine Million Menschen bei der Parade in den Straßen. Wir sind auf Feuerwehrautos durch die Stadt gefahren.

Es war die erste Saison, in der Denver dieses Eishockeyteam hatte.

Ja, verrückt. Das Team mit der Lizenz kam aus Quebec. Neun Jahre hintereinander hatte die Mannschaft den schlechtesten Rekord in der NHL. Die haben nur auf die Fresse bekommen. Dann kamen zwei, drei Spieler dazu – ich war auch dabei. Und es gab einen neuen General Manager, Pierre Lacroix, der hat die Atmosphäre in der Organisation verändert – plötzlich waren wir eine Familie. Und dann gewinnt die gleiche Truppe im ersten Jahr nach dem Umzug den Stanley Cup. Das war bitter für Quebec.

Dabei hatte Ihre NHL-Karriere kurios begonnen. Sie wurden 1982 von den Buffalo Sabres gedraftet – und keiner hat es mitbekommen. Was ist passiert?

Man muss bedenken, wir hatten keinerlei Informationen über Nordamerika. Um Spiele aus der NHL zu sehen, gab es eine Firma in Düsseldorf, die Videotapes konvertiert hat, weil die Dinger nicht kompatibel waren. Der Draft ist mir erst erklärt worden, nachdem ich gedraftet worden bin. Die Mutter eines Spielers bei den Kölner Haien hat ihm Kopien von Toronto Star geschickt. Er hat sie mir gezeigt und gesagt: Hier, Buffalo Sabres, du bist gedraftet. Ich wusste nicht, was das bedeutet. Wir haben uns hingesetzt und er hat es mir erklärt. Ich habe lange Zeit nichts mehr gehört.

Mit 21 Jahren sitzen Sie im Flugzeug, ein neues Leben beginnt – ohne Familie, ohne Freunde, fremde Umgebung, fremde Sprache, fremdes Essen. Wie fühlt sich das an?

Das war schon eine außergewöhnliche Sache. Sie haben mich abgeliefert am Niagara Falls Boulevard in Buffalo und das war ein kleiner Kulturschock. Das Essen hat mich nicht gestört. Aber alles war hochprofessionell. Ich bin 1986 nach Amerika gegangen und in meinem ersten Sommer zurückgekommen. Immer, wenn ich mit meinen Freunden in Buffalo telefoniert habe, waren die auf dem Eis. Die haben im Sommer voll trainiert. Und ich saß in Köln bei meinen Eltern und bin durch den Park gelaufen. Nach drei Wochen war klar: So kriege ich keinen Stammplatz bei den Buffalo Sabres. Du wirst nicht zu einem besseren Eishockeyspieler, wenn du durch den Park läufst, du musst auf dem Eis sein. Dadurch hat sich mein Lebensmittelpunkt komplett nach Nordamerika verschoben.

Was war die größte Umstellung?

Die größte Umstellung für mich war der Umstand, dass nicht nur gespielt wurde. Die Eisfläche war sehr klein, ich war groß. Als großer Verteidiger wurdest du zum Fighten herausgefordert. Ich hatte kein Interesse daran, als Fighter aufzutreten, aber du kannst es auch nicht sein lassen. Es gibt einen Punkt, an dem du dich etablieren musst. Ob du gewinnst oder verlierst, ist uninteressant. Wenn du es nicht machst, bist du ein Leben lang ein Waschlappen. Und als Waschlappen lebt es sich nicht gut. Ich hatte eine Saison mit 150 Strafminuten. Danach habe ich in meiner Karriere vielleicht drei- oder viermal die Handschuhe fallen lassen. Aber in dem einen Jahr musste ich mich etablieren.

2002 sind Sie mit Detroit nochmal Stanley-Cup-Sieger geworden. Da hat der Körper aber schon nicht mehr mitgemacht.

Das war eine komplett andere Erfahrung. Da war Schluss mit dem Körper, da war Schluss mit dem Eishockey. Die letzten Jahre waren knüppelhart. Ich habe eine gute Saison gespielt und den Free-Agent-Vertrag in Detroit unterschrieben und habe mich sofort verletzt. Du unterschreibst den größten Vertrag deiner Karriere und du spielst nicht. Aber du wirst bezahlt. Diese Mischung ist der negativste Moment, den ich als Sportler erlebt habe.

War das Karriereende eine Erlösung?

Das Karriereende war die logische Konsequenz. Eine Erlösung würde ich nicht sagen, weil es Zeit war, eine Entscheidung zu treffen. Und die Entscheidung, die mein Körper getroffen hat, war schon da. Ich war noch nicht bereit, aufzuhören. Im letzten Jahr in Atlanta war es eindeutig, dass es nicht mehr geht. Aber sobald du eine Entscheidung getroffen hast, geht es dir besser.

Von Philipp Schaper

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