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Von 1 auf 100 zu schnell für Hertha

Fußball Von 1 auf 100 zu schnell für Hertha

Hertha misst sich auf höchstem Niveau - und fällt (noch) durch. Trainer Dardai wehrt sich gegen Kritik an seiner Defensivtaktik im Pokal-Halbfinale. Sein Team brauche mehr Drucksituationen. Die nächsten gibt es jetzt gegen Bayern und bald wohl auch in Europa.

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Hertha-Trainer Pal Dardai (r) baute seine Spieler Sebastian Langkamp (M.) und Vedad Ibisevic auf.

Quelle: Annegret Hilse

Berlin. Am Tag nach dem chancenlosen Halbfinal-Auftritt gegen einen hoch motivierten BVB haben sich die Hertha-Profis "mit "Straßenfußball die Müdigkeit rausgebolzt". Berlins Trainer Pal Dardai berichtete von einer Frustbewältigung mit "guter Laune".

Der Ungar will sich die Entwicklung seiner Mannschaft nicht kaputtreden lassen. Der junge Coach hat den Berliner Fußball-Bundesligisten immerhin im Schnelldurchlauf von einem Abstiegskandidaten zu einem Anwärter auf einen Platz in einem europäischen Wettbewerb geformt.

Genau das aber ist auch die Problematik, die beim 0:3 im DFB-Pokal gegen klar überlegene Dortmunder sichtbar wurde. "Von einem auf 100 Prozent. Das war zu viel für alle, für Berlin, für uns", erklärte Dardai. Deshalb brauche seine Mannschaft nun den internationalen Wettbewerb - als Europa-Schulung für ein neues Level.

"Wir haben gegen Dortmund gesehen, was internationales Niveau ist", sagte Dardai. Die Gäste waren vor 76 233 Fans schneller, aktiver und erfahrener. "Unsere Mannschaft braucht mehr solche Drucksituationen", sagte der Hertha-Coach, der sich in einem Sky-Interview heftig gegen Kritik an seiner Taktik wehrte: "Wenn Sie eine bessere Idee haben, dann nehme ich sehr gerne Unterricht von Ihnen."

Nur ein teilweise leichtsinniger Umgang der BVB-Profis mit großen Torchancen und ein überragender Torhüter Rune Jarstein hielten die Partie spannend. "Wir hatten eine Phase von 15 Minuten, da hatten wir die Möglichkeit zum 1:1. Dann kam das 2:0 und damit war das Spiel entschieden", sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Gonzalo Castro (20. Minute), Marco Reus (75.) und Henrich Mchitarjan (83.) wandelten im vollbesetzen Berliner Olympiastadion letztlich die klare Überlegenheit der Gäste in den verdienten BVB-Erfolg um.

Schon am Samstag kommt der designierte neue Meister FC Bayern nach Berlin, der dort bei einer Dortmunder Niederlage in Stuttgart schon den vierten Titel nacheinander perfekt machen kann. "Wir werden versuchen, die Mannschaft frisch zu kriegen und zu rotieren", kündigte der Ungar an: "Wir werde alles dafür tun, Bayern einen Punkt zu klauen." Valentin Stocker, Peter Pekarik und Tolga Cigerci rücken neu in die Startelf. Torwart Rune Jarstein und Verteidiger John Anthony Brooks sind angeschlagen. Vladimir Darida wird gegen Bayern und danach auch noch im Spiel bei Bayer Leverkusen fehlen.

Mit 49 Punkten stehen die Berliner auf Rang vier, der die Qualifikation zur Champions League ermöglichen würde. "Ziel ist es natürlich, diesen Platz zu erhalten. Aber das wird verdammt hart", sagte Dardai. Es wird für ihn wohl die größte Herausforderung, seit er vor 14 Monaten die Chefrolle übernommen hat.

Denn der 40-Jährige stellte fest: "Wir spielen am obersten Limit, die Jungs sind eigentlich müde." Der deutliche Niveauunterschied im Halbfinale hat nicht nur den Traum vom ersten Pokal-Endspiel der Hertha-Profis seit 37 Jahren zerstört. Er hat auch aufgezeigt, wie weit weg Hertha noch von einer Spitzenmannschaft ist.

Seit dem Pokaleinzug des BVB und der Bayern ist allerdings klar, dass schon Liga-Platz sieben für die nächste Saison die Europa League bringt. Mit zehn Punkten Vorsprung auf den Tabellen-Achten Wolfsburg scheint bei vier ausstehenden Spielen zumindest dieses Ziel so gut wie erreicht. Schon am Samstag könnte Herthas Europa-Comeback perfekt sein. "Ich kämpfe dafür, dass wir nächstes Jahr internationale Spiele haben, denn da können sie lernen", sagte Dardai.

Vom Mittwochabend bleibt Herthas Spielern und Fans das Erlebnis einer historischen Partie. "Die Stimmung war Wahnsinn, das ist überragend. Vielen Dank, das war richtig geil", sagte der Norweger Per Skjelbred: "Ich hoffe, so eine Atmosphäre gibt es in Zukunft nicht nur zweimal pro Jahr."

dpa

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