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WM-Bronze: Für Solja ein Erfolg, für China zu wenig

Tischtennis WM-Bronze: Für Solja ein Erfolg, für China zu wenig

Das deutsch-chinesische Mixed Petrissa Solja und Fang Bo hat das Endspiel bei der Tischtennis-WM verpasst. Danach zeigt sich sehr gut, wie unterschiedlich man in beiden Ländern mit so einem Spiel umgeht.

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Petrissa Solja und Bo Fang verpassten das WM-Finale.

Quelle: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf. Voller Wut knallte der Weltklasse-Spieler Fang Bo nach dem Spiel die Tür zum Kabinentrakt hinter sich zu. Das deutsch-chinesische Doppel-Projekt bei den Weltmeisterschaften im Tischtennis endete mit einer Enttäuschung.

Mit 2:0 und 3:1 Sätzen führten Fang Bo und seine deutsche Partnerin Petrissa Solja im Halbfinale des Mixed-Wettbewerbs bereits gegen Kasumi Ishikawa und Maharu Yoshimura aus Japan. Am Ende stand es aus Sicht der beiden 13:11, 14:12, 5:11, 11:6, 5:11, 7:11, 5:11 - und die zwischenzeitlich so weit offene Tür zum Endspiel fiel wieder zu.

Der große Unterschied zwischen dem deutschen und dem chinesischen Tischtennis ist: Solja und Fang Bo gewannen in diesem Wettbewerb trotzdem die Bronzemedaille, und für eine deutsche Spielerin ist das ein großer Erfolg. Im Mixed holte der Deutsche Tischtennis-Bund seit 1971 keine WM-Medaille mehr. Und vielleicht wird es in diesem Jahr in Düsseldorf auch die einzige Medaille überhaupt bleiben, die sich irgendjemand aus Europa um den Hals hängt.

Für einen Spieler aus China zählt dagegen nur eins: "Gold, Gold, Gold!", wie die in China geborene und in Deutschland lebende Bundestrainerin Jie Schöpp hinterher sagte. "Das bekommen die dort über Jahre eingetrichtert." Deshalb war Fang Bo so sauer.

"Ich hoffe, er kann sich irgendwann auch über diese Medaille freuen", sagte Petrissa Solja. Bei aller Enttäuschung über diese Halbfinal- Niederlage könne sie das "mit etwas Abstand" ganz bestimmt.

Nach dem Spiel gewährte Jie Schöpp einige interessante Einblicke in die deutsch-chinesische Kooperation bei dieser WM. Schließlich stehen bei einem gemischt-nationalen Doppel nicht nur zwei Spieler aus zwei Nationen zusammen am Tisch, sondern es hat auch noch jeder von ihnen seinen oder ihren jeweiligen Trainer in der Box sitzen.

Jie Schöpp beschrieb später einen Fang Bo, der an dem Druck des Gewinnen-Müssens in diesem Spiel zerbrochen sei, und einen chinesischen Trainer, der diesen Druck immer mehr erhöht habe. "Er sagte zu ihm: Du bist der Mann. Du musst die Punkte machen", schilderte die 49-Jährige. "Sein Trainer hat ihn jedenfalls nicht so oft gelobt, wie ich das getan habe. Ich habe Fang Bo während des Spiels gesagt: Ihr spielt super. Aber da kam überhaupt keine Reaktion. Mein Lob zählt da leider nicht so viel."

Gleich zwei Top-Spieler hat die Tischtennis-Weltmacht China dem Gastgeber Deutschland für diese Heim-WM als Doppelpartner zur Verfügung gestellt. Die Verbindung zwischen beiden Verbänden ist eng, die Spieler verstehen sich untereinander gut. Zur Realität gehört aber auch: Beide Trainer eines Doppels mögen sich noch so gut absprechen und das Geschehen am Tisch noch so ähnlich bewerten - im Zweifel lässt sich ein Trainer aus China von niemandem etwas sagen.

Das "Legenden-Paar" Timo Boll und Ma Long schied bei dieser WM schon in der dritten Runde aus. Aber für beide ging das Turnier danach im Einzel weiter. Für Solja und Fang Bo ist es jetzt vorbei. Im Einzel wurde der WM-Zweite von 2015 diesmal nicht nominiert. "Ich kann seinen Ärger verstehen. Er ist nur für das Mixed hierher geflogen", sagte Solja. "Aber wir haben gut harmoniert. Ich würde mich freuen, wenn es für uns bei einer WM noch ein nächstes Mal geben würde."

dpa

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