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Wie aus dem süßen Sparschwein ein wilder Keiler wurde

Judo Wie aus dem süßen Sparschwein ein wilder Keiler wurde

Potsdams Judo-Bundesligist UJKC kam auf kuriose Weise zu seinem Maskottchen. Im Viertelfinal-Rückkampf gegen den TSV Großhadern soll es Glück bringen.

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Die Potsdamer Bundesliga-Kämpfer Jan Gosiewski (l.) und Faruch Bulekulov wollen die Sau rauslassen.

Quelle: Verein

Potsdam. Mario Schendel dachte, sein Schwein pfeift. Nach dem letzten Abi-Ball der Sportschule Potsdam kam der Trainer des Judo-Bundesligisten UJKC Potsdam nach Hause und traute seinen Augen nicht. Vor seiner Tür stand ein Schwein. Eine richtig fette Sau. „Ich habe laut losgelacht“, erzählt der 32-Jährige. Er roch den Braten sofort.

Mit einigen der Abiturienten waren im Potsdamer Kongress-Hotel die Gäule durchgegangen. Dort stand das süße rote Sparschwein als Marketinggag für eine Bank. Zu fortgeschrittener Stunde entführten die Sportler das Tier und schleppten es hinaus in die Dunkelheit. „Ich wohne ungefähr einen Kilometer vom Hotel entfernt. Das Schwein wiegt knapp 30 Kilogramm und ist ziemlich unhandlich. Da hatten drei Mann ganz schön zu knabbern“, sagt Schendel. Trotz seines Lachanfalls war ihm sofort klar: „Das Schwein muss zurück.“

Kratzer von der Entführung

Doch weil das Vieh beim Wegschleppen ein paar Kratzer bekommen hatte, nahm das Hotel sein Haustier aus Gips nicht zurück. „Wir haben dem Hotel ein neues Schwein bezahlt“, erzählt Schendel. Mit rund 500 Euro war die Entführung aus der Welt geschafft, Schwein gehabt.

Doch wohin nun mit dem neuen Mitbewohner? „Wir haben beim UJKC schon länger über ein Maskottchen nachgedacht“, erzählt Schendel. Schnell kreiste ein Adler in den Gedanken. Aber der ist schon von den Potsdamer Drittliga-Handballern besetzt. „Wir haben auch an einen Wolf gedacht. Es sollte etwas wildes sein, kein 08/15-Tierchen.“ Also wurde das Sparschwein umgeschminkt. „Es sollte ein bisschen aggressiver werden.“ Hauer statt eines freundlichen Lächelns. Außerdem ein schwarzer Anstrich – entsprechend den Vereinsfarben. Beim Heimkampf gegen Holle feierte das Maskottchen Premiere. Potsdam gewann 9:5. Schendel: „Es hat uns Glück gebracht. Und die Fans fanden es alle geil.“

Außenseiter gegen den amtierenden Meister

Am Samstag (18 Uhr, MBS-Arena) ist der schwarze Keiler wieder gefordert. Denn Potsdam muss im Rückkampf des Viertelfinales um die deutsche Mannschafts-Meisterschaft gegen den TSV Großhadern den Spieß umdrehen und einen 3:11-Rückstand aufholen. Beim Hinkampf in München hatten die Havelstädter große personelle Sorgen, brockten sich eine große Hypothek ein. „Jetzt wollen wir zeigen, was wir wirklich können“, gibt sich Trainer Schendel angriffslustig. „Alle Mann sind da. Wir können ein richtig gutes Team auf die Matte stellen. Das ist eine Truppe, die in der Lage ist, konkurrenzfähig zu sein.“ Wenn Potsdam nicht mindestens elf der 14 Kämpfe gewinnt, ist die Saison beendet. „Wenn es so kommt, wollen wir uns vernünftig von den Fans verabschieden.“ Und bei einer Sensation wollen die Potsdamer die Sau rauslassen.

Von Ronny Müller

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