Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Zehn Sporthallen und zehn Sportplätze fehlen

Diskussion zu Potsdams Sport Zehn Sporthallen und zehn Sportplätze fehlen

In der Themenwoche „25 Jahre Deutsche Einheit“ diskutierten Lutz Henrich, Dietrich Wendorff und Bernd Schröder im Bildungsforum über die Situation des Potsdamer Sports. Dass Potsdam eine Sportstadt ist, stand für die Experten außer Frage. Doch es gibt durchaus Probleme.

Voriger Artikel
Brandenburg punktet mit seinen Erstligisten
Nächster Artikel
DVV-Männer scheitern im EM-Viertelfinale an Bulgarien

Dietrich Wendorff, Lutz Henrich und Bernd Schröder (v.l.).

Quelle: Foto: Christel Köster

Potsdam. Bernd Schröder kam gleich zu Beginn der Gesprächsrunde um die Frage zu dem von ihm trainierten, abgesackten Frauen-Bundesligisten im Fußball 1. FFC Turbine Potsdam nicht herum. Der Coach lächelte die Bedenken weg: „Es ist ein psychologisches Problem der Mannschaft. Wir haben noch genügend Zeit, wieder in die Spur zu kommen“, sagte er. Der Trainer-Fuchs stellte sich den Zuhörern am Dienstagabend im Bildungsforum Am Kanal innerhalb der Themenwochen „25 Jahre Deutsche Einheit“. Zu seinen Mitstreitern bei der Diskussion über 25 Jahre Sport im Wandel in Potsdam zählten mit Lutz Henrich, Vorsitzender des Stadtsportbundes, und Dietrich „Atze“ Wendorff von der Wohnsportgemeinschaft (WSG) Waldstadt zwei weitere sportliche Methusalems.

Nachdenklich wurde Schröder beim Hinweis: „Im Internet sind die Hirnis bereits am Werk.“ Da würden von Leuten, die keine Ahnung hätten, Schmutzkübel ausgeschüttet. Schröders Ansprache stimme nicht, ebenso wenig die Chemie in der Mannschaft. Der 73-Jährige blieb gelassen: „Das Schlimmste wäre, niemand würde sich mehr um uns kümmern.“ Rückblickend äußert der eloquente Mann, der seit 50 Jahren mit der selben Frau verheiratet ist und mit 45 Trainerjahren bei einem Verein im Guinessbuch steht: „Die größte Leistung ist, dass wir den Namen Turbine behalten haben. Solche Tradition im Osten fehlt oft.“

Sorge um die Ehrenamtler

Unter der launigen Moderation von Tim Jaeger vom RBB kam mit „Atze“ Wendorff der Vater der WSG Waldstadt zu Wort. Er war der letzte Vorsitzende des Kreissportvorstandes des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR und Geschäftsführer des ersten Stadtsportbundes nach der Wende. Wendorff rief 1965 die WSG ins Leben, die auf 1700 Mitglieder in neun Sportarten anschwoll, eine der größten in der DDR. „Wir haben in den Neubaugebieten, wo auch Schulen und Turnhallen entstanden, die Bürger vor der Haustür abgeholt“, nannte er das Erfolgsrezept. Mit 60 Teams bei den Volkssportrunden im Volleyball war Potsdam spitze. Nach 1989 schmolz die WSG auf knapp 200 Mitglieder ab. Sieben ehemalige WSG haben in der Stadt überlebt, die Waldstädter betreuen 330 Anhänger. Der 79-jährige Wendorff hatte im Februar das 50-jährige Jubiläum als WSG-Chef gefeiert. Ein Problem blieb neben knappen Hallenzeiten: die Gewinnung von Ehrenamtlern. Der Rat des ehemaligen Fußball-Torwarts der DDR-Ligisten SC Potsdam und Motor Babelsberg: „Sucht sie unter den aktiven Sportlern!“

„Ist Potsdam noch eine Sportstadt?“, wurde Henrich gefragt. Die Antwort ist ambivalent: „Der Leistungssport hat abgebaut, einige Leuchttürme sind geblieben. Der Breitensport schnellte in die Höhe. Vor der Wende gab es 14 000 Mitglieder in den Gemeinschaften, heute sind es 28 000. Aber es fehlen zehn Sportplätze und zehn Hallen.“ Die Unterstützung der Stadt mahnte Henrich bei der Integration der Flüchtlinge an. 25 Neu-Bürger haben sich bisher gemeldet. Der Sportchef frönt dem Basketballsport, sagt aber: „Ich würde keinen mit zur Schule 49 am Schlaatz nehmen. Da fehlen die Duschen.“

Von Detlef Braune

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport
MAZ Sportbuzzer