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Zwei Fans im fernen Sibirien dabei

Berlin Volleys Zwei Fans im fernen Sibirien dabei

Zahlenmäßig waren sie klar unterlegen, aber zu überhören waren sie keinesfalls: Lars Wichmann und Bernd Paul waren die beiden einzigen Fans der Berlin Volleys, die sich im fernen Sibirien gegen 2998 russische Fans behaupteten und mit den Berlinern den Europapokalsieg feierten.

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Der Berliner Bernd Paul (l.) und Lars Wichmann aus Heidesee präsentieren in der Halle in Surgut den silbernen Pokal. Die beiden waren die einzigen Fans aus Berlin.

Quelle: FOTO: PRIVAT

Heidesee. Lars Wichmann und Bernd Paul halten den silbernen Pokal stolz in die Kamera. Daumen hoch, hieß es am Samstag nach dem ersten Europapokal-Titel der Vereinsgeschichte für die BR Volleys. Als erstes deutsches Männer-Team hatten die Berliner den CEV-Pokal gewonnen. Im Final-Rückspiel siegte der deutsche Volleyball-Vizemeister beim russischen Club ZSK Gazprom-Ugra Surgut mit 3:0. Der Jubel war groß.

Und mittendrin das Duo Wichmann/Paul. Die beiden Zuschauer waren die einzigen Fans der Volleys in der mit 3000 Zuschauern rappelvollen Halle. „Wir haben uns aber nicht einschüchtern lassen und haben unser Team von der ersten bis zu letzten Minute angefeuert“, erinnert sich Wichmann (39) aus Heidesee (Dahme-Spreewald). „Wir haben schon während des Spiels viele Nachrichten aus Deutschland bekommen.“ Die beiden seien gut zu hören, hieß es dort. Und das muss schon was heißen. Denn die restlichen Zuschauer standen hinter ihrem russischen Team. „In unserem Block hat man uns schon klar verdeutlicht, dass wir nicht so laut sein sollen. Wir hatten eine Riesenrassel dabei, die mächtig Krach gemacht hat. Uns wurde nicht nur einmal gesagt, dass wir das Ding lieber liegen lassen sollen, sonst würde man es zerbrechen.“

Sieben Stunden Flug

Der Geschäftsführer einer Firma, die Software für Zahnärzte und Ärzte programmiert, und Kumpel Bernd Paul ließen sich das Schreien aber nicht verbieten. „Als schnell klar war, dass unsere Volleys nichts anbrennen lassen werden, wurde das Publikum aber auch ruhiger“, plaudert Wichmann, der vor zwei Jahren mit dem Volleys-Virus infiziert wurde. „Ich war mit Freunden bei einem Heimspiel dabei. Das Gesamtpaket hat mich sofort überzeugt. Die Stimmung in der Halle war prächtig. Die Präsenz des Teams beeindruckend. Seitdem bin ich immer dabei. Bei Heimspielen und auch auswärts“

Der Trip ins 3600 Kilometer entfernte Surgut in Sibirien war aufwendig – und hat dem Brandenburger eine Stange Geld gekostet. „Wir sind fast sieben Stunden geflogen. Der Flug hat 600 Euro gekostet. Mit Umsteigen in Moskau“, so Wichmann, der selbst in der Landesklasse beim SV Prieros Zuspieler ist und sonst für die Bundesliga-Fußballer von Hertha BSC schwärmt. „Doch schon nach dem Weiterkommen im Halbfinale war für mich ganz schnell klar: Das lasse ich mir nicht entgehen. Ich werde beim Rückspiel in Russland dabei sein.“

Mitglied im Fanclub „7. Mann“

Das Visum wurde beantragt. Der Reise stand nichts mehr im Weg. Auch Bernd Paul hatte seine Koffer gepackt. Der 62-Jährige ist oft auswärts dabei. „In Russland war ich schon viermal mit dem Team“, so der Berliner, der 2000 die Volleyballer kennengelernt hat und seit 2002 eingefleischter Fan ist. „Es war leider das erste Mal, dass wir mit den Fans Probleme hatten. Da hatten wir ein wenig Pech. Mich kennt in Deutschland jeder mit meiner Rassel. Neben uns saßen merkwürdige Gestalten, denen wir zu laut waren. Da haben wir uns schon böse Blicke eingefangen“, so Paul, der durch den Volleys-Manager und einstigen Arbeitskollegen Kaweh Niroomand zum Verein kam und den Volleys-Fanclub „7. Mann“ organisiert.

Am Mittwoch (19.30 Uhr) können die Berlin Volleys mit dem zweiten Playoff-Sieg beim CV Mitteldeutschland bereits den Einzug ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft klarmachen. Nach dem Gewinn des CEV-Cups und dem Triumph im nationalen Pokal soll in dieser Saison noch die siebente Meisterschaft her. Bernd Paul und Lars Wichmann reisen mit. Samt ihrer Riesenrassel.

Von Sebastian Morgner

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