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28-Stunden-Woche: IG-Metall-Plan heftig umstritten

IG Metall und Arbeitszeitverkürzung 28-Stunden-Woche: IG-Metall-Plan heftig umstritten

Die Forderung der IG Metall, einen auf zwei Jahre befristeten Anspruch auf Teilzeit einzuführen, sorgt für Aufsehen. Die Arbeitgeber erklärten schon einmal, dass sie Arbeitszeitverkürzungen angesichts des Fachkräftemangels ablehnen. Die IG Metall hingegen sieht in den Plänen auch eine Alternative, um aus der „Teilzeitfalle“ herauszukommen.

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In der Metallbranche stehen die Zeichen auf Arbeitskampf

Quelle: DPA

Potsdam. Die Industriegewerkschaft Metall, die in der kommenden Tarifrunde für die 28-Stunden-Woche kämpfen will, sorgt mit dieser Forderung für Aufsehen. Die Meinungen gegen dabei weit auseinander: Während die einen darin ein Zukunftsmodell auch für andere Branchen sehen, halten andere die Idee für rückwärtsgewandt und wenig praktikabel.

Überrascht hat die IG Metall in jedem Fall. Mit sechs Prozent mehr Geld konnten die Arbeitgeber nach Jahren der Lohnzurückhaltung zumindest rechnen. Neu ist die Forderung nach einer spürbaren individuellen Arbeitszeitverkürzung – erstmals seit mehr als 20 Jahren. Für nicht wenige soll es dabei sogar einen Lohnausgleich geben.

Der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen, Oliver Höbel, sieht in der Möglichkeit, die Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden in der Woche abzusenken, viele Vorteile. Dies bedeute eine Weiterentwicklung der einheitlichen Wochenarbeitszeit hin zur jeweiligen Lebenssituation der einzelnen Beschäftigten. „Damit ist das eine Alternative zur Teilzeitfalle“, sagte Höbel der MAZ. In den vergangenen Jahren sei die Gewerkschaft den Bedürfnissen der betrieblichen Produktion weit entgegengekommen. Jetzt müssten die Bedürfnisse der Belegschaften mit neuen Systemen flexibler Arbeitszeit gestaltet werden.

Die Arbeitgeber sehen das naturgemäß anders und haben schon im Vorfeld erklärt, dass sie Arbeitszeitverkürzungen angesichts des Fachkräftemangels ablehnen. Die Vorstellungen der Gewerkschaft erinnern an „ein tarifpolitisches Wünsch-Dir-was“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME). „Mit ihren Forderungen setzt die IG Metall den Standort aufs Spiel“, meinte Amsinck. IG-Metall-Bezirksleiter Höbel weist diese Kritik zurück. Es gehe nicht um „Wünsch Dir was“, sondern um eine präzise Vorstellung, was notwendig sei, um mit den Belegschaften die Zukunft einer neuen Arbeitswelt zu gestalten. „Arbeitgeber, die einen Arbeitskräftemangel beklagen, sollten sich an die eigene Nase fassen“, sagte Höbel . Die Anstrengungen zur Ausbildung von Fachkräften seien in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt worden. „Wer jetzt auf soziale Innovationen verzichtet, begeht den nächsten schweren Fehler.“

Rückendeckung gab es aus der SPD. Noch-Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD), die geschäftsführend auch dem Arbeitsministerium vorsteht, begrüßt die 28-Wochenstunden-Initiative. Zeit für Familie, die Pflege von Angehörigen oder persönliche Weiterbildung sei ist für viele Arbeitnehmer innen und Arbeitnehmer inzwischen wichtiger als mehr Gehalt. „Darauf müssen auch die Arbeitgeber reagieren, wenn sie Fachkräfte gewinnen und halten wollen“, sagte Barley dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem auch die MAZ gehört. „Unsere Arbeitswelt ist im radikalen Wandel. Wenn die ständige Erreichbarkeit immer öfter zum Regelfall wird, ist es wichtig, neue Antworten für individuelle Bedürfnisse in einer modernen Arbeitswelt zu finden“, so Barley.

Die IG Metall ist Deutschlands mächtigste Gewerkschaft, die die Interessen von rund 3,9 Millionen Beschäftigten in Schlüssel-Industrien wie Auto und Maschinenbau vertreten. Die Tarifparteien richten sich auf einen harten Konflikt ein, der nach den ersten beiden Verhandlungsrunden in diesem Jahr bereits im kommenden Januar eskalieren könnte. Die IG Metall hat sich für den Arbeitskampf eine neue Waffe zurechtgelegt: den Tagesstreik. Das Instrument ermöglicht es, mit 24-Stunden-Streiks empfindliche Nadelstiche in einzelnen Betrieben zu setzen, ohne gleich die Urabstimmung zum unbefristeten Flächenstreik ausrufen zu müssen.

Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld

Mehr als 20 Jahre nach Vollendung der 35-Stunden-Woche will die IG Metall erstmals wieder kürzere Arbeitszeiten durchsetzen.

Die Forderungen: Sechs Prozent mehr Geld und die grundsätzliche Möglichkeit, zwei Jahre lang die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden zu reduzieren.

Schichtarbeiter, Eltern und pflegende Familienangehörige sollen für den entgangenen Lohn Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe erhalten.

Die Forderung hat der Vorstand der IG Metall beschlossen. Die endgültige Entscheidung liegt in zwei Wochen bei den regionalen Tarifkommissionen, die aber in aller Regel nicht mehr von der Empfehlung des Vorstands abweichen.

Von Igor Göldner

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