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02:16 22.03.2018
Martin Litsch, Vorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Quelle: ZB
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Potsdam

Patienten sollen weitere Wege in Kauf nehmen, dafür aber eine bessere Behandlung bekommen. Das fordern die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit Blick auf die künftige Krankenhauslandschaft in Deutschland. Demnach sollen sich die Kliniken stärker auf bestimmte Behandlungen und Operationen spezialisieren und im Jahr eine Mindestzahl von Eingriffen vorweisen.

„Ein deutlicher Schritt wäre es bereits, wenn zukünftig Kliniken mit mehr als 500 Betten nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel in der Krankenhauslandschaft bilden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK-Bundesvereinigung, Martin Litsch, am Montag.

Viele Kliniken müssten wohl schließen – oder sich verbünden

Wenn es künftig in der Regel nur noch Großkliniken mit mindestens 500 Betten gebe, hätte das gravierende Folgen für Brandenburg. Die allermeisten der 53 Brandenburger Krankenhäuser liegen von dieser Bettenzahl allerdings weit entfernt. Nur sieben Häuser haben laut Krankenhausstatistik mehr als 500 Betten.

Die Landeskrankenhausgesellschaft (LKB) warnt daher vor einer Verunsicherung der Patienten. „Unsere Strukturen sind bereits zentralisiert und zukunftssicher, die weitere Zentralisierung gefährdet die flächendeckende medizinische Versorgung vor Ort“, sagte LKB-Geschäftsführer Jens-Uwe Schreck. „Die Forderung: je größer, desto besser, wird nicht dadurch besser, indem man sie jedes Jahr wiederholt“, sagte er.

Geht es um Qualität oder um Einsparungen?

Es gebe zwar Bereiche, in denen eine gewisse Anzahl von Eingriffen zu mehr Qualität führe. „Aber ab einem gewissen Punkt kann die Qualität wieder abnehmen.“ Masse bedeute eben nicht gleich Klasse, warnte Schreck. Er vermutet, dass es der AOK nicht in erster Linie um mehr Qualität, „sondern vor allem um Einsparung beziehungsweise Kosteneffizienz“ gehe.

Die AOK verweist auf eine Untersuchung ihres wissenschaftlichen Instituts, wonach die Versorgung der Patienten durch eine Zentralisierung deutlich verbessert werden könne. 2015 habe es in Deutschland rund 44 000 Darmkrebsoperationen in mehr als 1000 Kliniken gegeben. Ein Viertel der Häuser führte den Eingriff jedoch maximal 17-mal im Jahr durch.

Würden derartige Operationen nur noch in Spezialzentren oder Kliniken mit mindestens 50 OPs pro Jahr gemacht, blieben 385 Häuser übrig. Der mittlere Anfahrtsweg für Patienten würde sich dadurch von acht auf 16 Kilometer verlängern, heißt es bei der AOK.

Das gilt aber nicht für das Flächenland Brandenburg, wo die Wege ins Krankenhaus im Schnitt schon heute bei 11,2 Kilometern liegen und sich auf 25,7 Kilometer mehr als verdoppeln würden.

Landesregierung ist gegen noch mehr Zentralisierung

„Zentralisierung ist nicht alles, dieses Ziel sollte nicht wie ein Man­tra vor sich hergetragen werden“, sagte Brandenburgs Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. Die größte Herausforderung sei es, eine qualitätsgesicherte und zugleich wohnortnahe und flächendeckende Versorgung auch jenseits von Großstädten zu gewährleisten. Die Zukunft liege in der Kooperation zwischen ambulanten und stationären Angeboten. „Das ist aus unserer Sicht ein ganz wichtiges Ziel“, so Hartwig-Tiedt.

Für Raik Nowka, Gesundheitsexperte der Brandenburger CDU, gehen die Überlegungen der AOK an der Brandenburger Realität vorbei. Schon jetzt sei die Kliniklandschaft aufgeteilt in Schwerpunktkliniken und Häuser für die Regel- und Grundversorgung. Außerdem seien Krankenhäuser „Magneten für Mediziner“, so Nowka. Klinikschließungen hätten zur Folge, dass es weniger Ausbildungsplätze gebe.

Ähnlich sieht das Ursula Nonnemacher (Grüne). Die Forderung der AOK nach einer stärkeren Spezialisierung sei zwar nachvollziehbar, Brandenburg sei dafür aber die falsche Adresse. Hier könne kaum von einem Überangebot an Krankenhäusern die Rede sein. Sie sehe in Brandenburg keine Notwendigkeit, im großen Umfang zu zentralisieren.

Von Torsten Gellner

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