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Abgas-Skandal bei VW: Doch verbotene Software bei Audi

Auto Abgas-Skandal bei VW: Doch verbotene Software bei Audi

Der Abgas-Skandal hat Volkswagen weiter voll im Griff. Nun muss auch noch Audi zugeben, eine Software eingebaut zu haben, die nach US-Gesetz unzulässig ist. Dafür ist VW in Europa einen Schritt weiter.

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VW-Tochter Audi gibt die Installation einer Software zu, die in den USA als illegales Schummelprogramm gilt.

Quelle: Julian Stratenschulte/Archiv

Ingolstadt/Wolfsburg. Im Abgas-Skandal beim Autokonzern Volkswagen gerät nun die VW-Tochter Audi zunehmend unter Druck. Audi gab am Abend die Installation einer Software zu, die in den USA als illegales Schummelprogramm gilt.

In Europa muss Volkswagen bei den bevorstehenden Rückrufen von Dieselfahrzeugen keine großen Umrüstungen vornehmen. Der VW-Konzern steckt wegen des Abgas-Skandals seit zwei Monaten in einer schweren Krise.

Audi teilte mit, den US-Behörden bei der Zulassung von 3,0-Liter-Diesel-Autos insgesamt drei Software-Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als "Defeat Device" betrachtet. Als Defeat Device bezeichnen die US-Umweltbehörden EPA und CARB verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten bei Emissionstests.

Defeat Devices können feststellen, ob sich ein Auto im Emissionstest befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb ist die Luftverpestung deutlich höher. Der Einbau solcher Software verstößt gegen US-Klimaschutzgesetze und kann mit drastischen Strafen geahndet werden.

Bislang hatte der VW-Konzern nur eingeräumt, bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben, die Schummelvorwürfe gegen den größeren, von der Tochter Audi entwickelten Motor jedoch abgestritten.

Obwohl nun auch beim 3,0-Liter-Diesel Gesetzesverstöße zugegeben wurden, bestreitet das Unternehmen weiter eine vorsätzliche Täuschung. Ein Audi-Sprecher sagte, es handele sich nicht um eine Manipulations-Software: "Dann müsste das System auf dem Prüfstand anders agieren als auf der Straße – das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem Prüfstand steht." Fest steht allerdings, dass der VW-Konzern den Einbau der strittigen Software den US-Behörden nicht vorschriftsgemäß gemeldet hat.

Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Schritte der Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle wurde bis auf weiteres verlängert. Audi werde das Programm nun überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen.

Am Freitag hatten die US-Umweltbehörden CARB und EPA betont, dass der VW-Konzern wegen der Regelverstöße mit Konsequenzen rechnen müsse. Zuvor war bekanntgeworden, dass die verdächtige Software nicht nur in Volkswagen-, Audi- und Porsche-Modellen der Baujahre 2014 bis 2016 installiert, sondern bereits seit 2009 verwendet wurde. Dadurch stieg die Zahl der betroffenen Fahrzeuge von 10 000 auf 85 000 an. Dazu kommen in den USA mehr als 480 000 Wagen mit 2,0-Liter-Diesel, bei denen VW im September Manipulationen zugegeben hatte.

Die US-Umweltbehörde EPA hatte dem Konzern bereits Anfang November vorgeworfen, auch in Autos mit 3,0-Liter-Dieselmotoren eine Manipulations-Software eingesetzt zu haben. Volkswagen hatte dies damals zurückgewiesen.

Unterdessen kommt VW in Europa bei der Bewältigung des Skandals voran. Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestätigt, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 Führungskräften. Dabei sei der Aufwand für die Nachrüstung "technisch, handwerklich und finanziell überschaubar". Der Deutschen Presse-Agentur lagen Auszüge der Rede Müllers vor.

Bei Autos mit 1,6 Liter-Motoren sind demnach laut Müller keine "grundlegenden Eingriffe" am Motor notwendig - wie VW zunächst angenommen habe. Für die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um "relativ einfache Veränderungen" am Luftgitter beziehungsweise an der Luftfilterkassette, sagte Müller in der Rede.

Bei den anderen Motorvarianten, denen mit 1,2 und 2,0 Liter Hubraum, reicht nach VW-Angaben ein Update der Abgas-Software. Für Autos mit 2,0 Litern Hubraum hatte VW dies bereits mitgeteilt. Für Fahrzeuge mit 1,2-Liter-Motoren soll VW bis Ende November Lösungen vorschlagen. Auch hier genüge aber voraussichtlich ein Softwareupdate, hieß es.

In ganz Europa müssen 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Nach früheren dpa-Informationen sind europaweit rund drei Millionen Fahrzeuge mit dem 1,6-Liter-Diesel unterwegs. Die größere Variante mit 2,0 Litern Hubraum kommt auf etwa 4,6 Millionen Fahrzeuge, 340 000 haben den kleinen Motor mit 1,2 Litern. Zusätzlich zu diesen insgesamt rund acht Millionen Wagen mit Euro-5-Norm ruft VW freiwillig 500 000 Diesel zurück, die nur Euro 3 und Euro 4 erfüllen.

In Deutschland muss VW wegen des Abgas-Skandals insgesamt 2,4 Millionen Wagen in die Werkstätten rufen. Die Aktion soll Anfang 2016 beginnen. Es geht um verschiedene Motoren- und Fahrzeugmodelle.

Bei der Abgas-Software geht es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem aber hatte VW bei 800 000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Konzernchef Müller kündigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen.

dpa

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