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Auch Volksbanken müssen künftig Strafzinsen zahlen

Banken Auch Volksbanken müssen künftig Strafzinsen zahlen

Das Zinstief macht den Banken zu schaffen. Die Genossenschaftsbanken wollen die Lasten nun anders verteilen. Privatkunden sollen aber weiterhin verschont bleiben.

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Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstitutes WGZ-Bank, Hans-Bernd Wolberg. Zum 1. August schließen sich DZ und WGZ zum neuen genossenschaftlichen Zentralinstitut für die gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland zusammen.

Quelle: Andreas Arnold

Frankfurt/Main. Deutschlands Volks- und Raiffeisenbanken müssen mit höheren Kosten wegen der extrem niedrigen Zinsen rechnen: Ab Anfang August werden sie für Geld, das sie bei ihrem Spitzeninstitut lagern, zur Kasse gebeten.

"Seit die EZB Negativzinsen erhebt, haben wir die Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Liquidität bei uns anlegen, davor bewahrt, Negativzinsen zahlen zu müssen. Wir sind jetzt gemeinsam zu der Auffassung gelangt, dass wir das so nicht länger durchhalten können, ohne unsere eigene Gewinn-und-Verlust-Rechnung zu ramponieren", sagte der Vorstandsvorsitzende der Düsseldorfer WGZ Bank, Hans-Bernd Wolberg, in einem Interview der Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Geschäftsbanken mittlerweile 0,4 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Dieser Strafzins soll die Institute dazu bewegen, das Geld eher als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzureichen und so die Wirtschaft anzukurbeln. "Wir werden die Volks- und Raiffeisenbanken sicherlich nicht in dem Maße mit Negativzinsen belasten wie es die EZB direkt täte. Voraussichtlich teilen wir uns die Lasten", sagte Wolberg.

"Wir wollen einen fairen Ausgleich auf den Weg bringen, geplant ist das ab 1. August", bekräftigte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. "Sie können auf Dauer in unserer Organisation den Markt nicht ausschalten." Denn: "Der niedrige Zins frisst sich immer mehr in die Bilanzen der Banken." Zum 1. August schließen sich DZ und WGZ zum neuen genossenschaftlichen Zentralinstitut für die gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland zusammen.

Strafzinsen für Privatkunden wollen die Genossen möglichst weiterhin vermeiden. "Für uns ist ganz klar, dass wir uns aus Wettbewerbsgründen, aber auch aus psychologischen Gründen im Moment die Weitergabe von Negativzinsen an Privatkunden nicht vorstellen können", betonte Kirsch.

"Was anderes ist es im institutionellen Geschäft: Wir haben ein Rating von AA-. Solche Adressen sind in Zeiten, wo es eine Suche nach Qualität und Bonität gibt, gefragt. Würden wir im institutionellen Geschäft nicht Marktsätze zahlen und nehmen, würden wir aus der ganzen Welt Liquidität anziehen, die wir im Kundengeschäft derzeit gar nicht einsetzen können", sagte Kirsch. Daher gebe die DZ Bank "im institutionellen Geschäft und im großvolumigen Firmenkundengeschäft die Marktzinssätze individuell an unsere Kunden weiter".

Große Mengen Geld in eigene Tresore zu legen, um den Strafzinsen der EZB zu entgehen, planen die Institute nicht. "Ich finde, das ist eine aberwitzige Idee: Auf einer Seite reden wir von Digitalisierung, auf der anderen Seite soll Bargeld Problemlösung für den Negativzins der EZB spielen", sagte Kirsch. Wolberg warnte jedoch: "Wenn Negativzinsen beim Privatkunden ankommen, dann wird die Schlacht um die Schließfächer beginnen."

dpa

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