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Wirtschaft BER-Chef im Interview: „Der Schallschutz ist sehr gut“
Nachrichten Wirtschaft BER-Chef im Interview: „Der Schallschutz ist sehr gut“
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01:17 02.12.2018
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Quelle: Detlev Scheerbarth
Schönefeld

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (62) will das jüngste Schallschutz-Urteil akzeptieren und spricht im MAZ-Interview von einem „Schallschutzfrieden“. Er verteidigt seine Kritik an angeblich zu strikten Bauauflagen und stellt ein neues Rekordjahr für Tegel und Schönfeld in Aussicht.

Brandenburgs Bauministerin Kathrin Schneider (SPD) hat klar gesagt:
Es wird weder eine Änderung an der Bauordnung noch eine Lockerung der TÜV-Kriterien geben
, um den BER an den Start zu bringen. Sie haben aber genau darum geworben. Wirft das jetzt Ihren Zeitplan bis zur Eröffnung durcheinander?

Engelbert Lütke Daldrup: Nein, wir haben nicht über eine Änderung der Bauordnung oder der TÜV-Kriterien diskutiert, wir haben darüber geredet, wie die Bauordnung in Brandenburg ausgelegt wird. Dazu gibt es schon einen längeren, intensiven Dialog mit der Bauaufsicht. Der Flughafen wird nach den in Brandenburg geltenden Vorschriften zu Ende gebaut.

Sie haben in einem Interview eine überbordende Regelungswut in Deutschland, die Großprojekte erschwerten, beklagt. Halten Sie den BER ernsthaft für ein Opfer bürokratischer Vorgaben?

Ich bin von einer Fachzeitschrift zu meinen Erfahrungen und der Entwicklung baurechtlicher Normen befragt worden. Früher konnte man ein Haus bauen mit einem Architekten und einem Statiker. Heute brauchen Sie schon für eine kleine Schule zehn Fachingenieure. Wir haben es schlicht mit sehr viel mehr Regelungen und Normen zu tun – und das hat das Bauen langsamer, teurer, aber nicht immer besser gemacht. Darum geht es mir. Es ist schwer zu verstehen, dass Flughafenprojekte bei uns 20 bis 30 Jahre dauern von der Planung bis zur Eröffnung.

„Es wird nichts ignoriert“

Aber beim BER haben doch Planungs- und Baufehler zu den vielen Verzögerungen geführt.

Das war natürlich ein wesentlicher Grund. Aber auch der Flughafen München hat ewig gedauert: 1962 begonnen, 1992 fertiggestellt. Wir müssen in Deutschland darüber nachdenken, wie wir zu schnelleren Verfahren kommen.

Zuletzt wurde bekannt, dass Kabelschächte, die zur Südbahn führen, unter Wasser stehen. Das ist intern seit Jahren bekannt. Wollten Sie das einfach ignorieren?

Nein, das ist Unsinn. Es wird nichts ignoriert. Im Unternehmen ist schon länger bekannt, dass in diesen Kabelschächten Wasser steht. Deswegen haben wir auch Regressforderungen gegenüber den beteiligten Unternehmen geltend gemacht. Wir haben die Kabel hinsichtlich Widerstand und Isolation seit 2016 laufend beobachtet und in diesem Jahr entschieden, dass wir sie erneuern werden. Sie würden aber noch ein paar Jahre durchhalten, es ist also kein terminkritisches Problem. Im Sommer wurde der Austausch vom Aufsichtsrat beschlossen. Im kommenden Jahr werden wir das erledigen.

Engelbert Lütke Daldrup Quelle: Detlev Scheerbarth

Schallschutz bis zur Eröffnung

Sie halten an der Eröffnung im Oktober 2020 fest. Werden die Anwohner bis dahin den Schallschutz haben, der ihnen rechtlich zusteht?

Wir haben für fast 99 Prozent aller bearbeitbaren Anträge die Ansprüche ermittelt. Insofern können alle, die Anspruch auf Schallschutz haben, ihn auch bis zur Eröffnung bekommen. Aber wir sind nicht diejenigen, die das umsetzen. Umsetzen müssen es die Eigentümer, indem sie Handwerker beauftragen. Jetzt steht die Inbetriebnahme vor der Tür und wir appellieren daher dringend an die Eigentümer, den Schallschutz an ihren Häusern umsetzen zu lassen. Keiner weiß, wie die Auftragslage kurz vor der Eröffnung sein wird. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man jetzt anfangen, sich darum zu kümmern.

Die Regelung im Planfeststellungsbeschluss besagt, dass die Eigentümer eine Geld-Entschädigung anstelle von Lärmschutzmaßnahmen erhalten, wenn die Kosten für den Lärmschutz über 30 Prozent des Verkehrswerts des Objekts liegen. Wie oft ist das der Fall?

Im Tagschutzgebiet ist das heute schon in mehr als 56% der Fälle so. Dort fließen hohe Beträge bis in den sechsstelligen Bereich. Wir wissen nicht, was die Empfänger damit machen, aber wir empfehlen ihnen dringend, das Geld in Lärmschutz zu stecken, und wir bieten dafür eine kostenlose Beratung an. Wir wollen ein gesundes Arbeits- und Lebensumfeld rund um den Flughafen.

Wir wollen einen Schallschutzfrieden


Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat im Sommer Anwohnern Recht gegeben
, die auf Schallschutz in ihren Wohnküchen, Zimmern mit niedrigen Decken und als Wohnraum genutzten Wintergärten geklagt hatten. Welche Konsequenzen zieht die FBB aus diesem Urteil?

Wir akzeptieren diese Urteile und werden sie auch auf vergleichbare Fälle anwenden. Wir wollen einen Schallschutzfrieden. Das heißt: Die Eigentümer, die glauben, dass sie eine vergleichbare Situation mit ihrer Wohnküche oder ihrem Wintergarten haben, bitten wir, uns ihren Fall zu schildern. Das werden wir gemäß der Rechtsprechung prüfen und behandeln. Das Gericht hat dazu Kriterien vorgelegt, nach denen wir handeln werden. Mit den Entscheidungen des OVG sind aber nicht alle baurechtlichen Kriterien, die einen Wohnraum ausmachen, aus der Welt.

Das Schallschutzbudget liegt bei 730 Millionen Euro. Mit welchen Mehrkosten rechnen Sie?

Es geht um geschätzt 25 Millionen Euro, die wir zusätzlich aufwenden müssen. Aber genau kann man das erst sagen, wenn sich die Betroffenen bei uns gemeldet und wir die Ansprüche erneut geprüft haben. Es kann auch mehr oder weniger sein.

Der Schallschutz ist sehr gut

Wo kommt das zusätzliche Geld her?

Wir werden Vorsorge treffen. Es kann mehrere Jahre dauern, bis klar ist, um welche Summe es sich handelt. Aber wenn es soweit ist, muss das Unternehmen das bereit stellen.

Viele Anwohner haben bisher gezögert, die Angebote des Flughafens für Schallschutz anzunehmen. Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung? Haben die Anwohner Angst, dass sie übervorteilt werden?

Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Wenn man das Schallschutzniveau am BER mit dem anderer Flughäfen vergleicht, kann man nicht sagen, dass wir hier einen schlechten Standard hätten. Der Schallschutz ist sehr gut. Deshalb sind die Aufwendungen für 26.000 Anspruchsberechtigte mit 730 Millionen Euro ja auch so hoch. Wenn man vergleicht, was alle 22 großen deutschen Flughäfen in den vergangenen Jahren für Schallschutz ausgegeben haben, floss mehr als die Hälfte davon am BER.

Keine hohen Ausgeben wegen Tegel

Es war nicht das erste Mal, dass erst ein Gericht den Anwohnern zu ihrem Recht verholfen hat. Warum hat es die FBB darauf angelegt, mit den Nachbarn um den Schallschutz zu feilschen?

Wir sind keine Streithansel, das ist mir wichtig. Die Planfeststellung ist an einigen Stellen eben auslegungsbedürftig. Deshalb gab es unterschiedliche Rechtsauffassungen und wir sind als Unternehmen angehalten, nach den rechtlichen Prinzipien zu verfahren. Manches war streitig, das landete dann zwangsläufig vor Gericht. Mit dem Angebot zum Schallschutzfrieden erwarten wir, dass die insgesamt größere Zufriedenheit über die Schallschutzregelungen zu mehr Akzeptanz führt. Im Übrigen wurde unsere Vorgehensweise bei den Flugrouten, beim technischen Schallschutz und bei der Verkehrswertermittlung komplett bestätigt. Hierüber wird nur weniger öffentlich diskutiert. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden: Die FBB hat bei den Streitfällen, die vor dem OVG waren, den baulichen Schallschutz nicht verweigert, sondern Schutz nach bundesweit üblichem Niveau angeboten.

Bleibt die Frage des Schallschutzes rund um Tegel: Bis Ende 2019 muss die Berliner Senatsverwaltung dort Lärmschutzzonen definieren. Wird das neue Kosten verursachen?

In den ersten Jahren entstehen dort Ansprüche in relativ geringem Umfang. Das ist mit Schönefeld nicht zu vergleichen. Wir gehen von einem einstelligen Millionenbetrag aus.

Rekordjahr 2018: 35 Millionen Passagiere

Sie werben derzeit bei Fluggesellschaften um mehr Langstreckenverbindungen. Wie erfolgreich sind Sie?

Es gibt ein großes Interesse an Berlin, vor allem mit Blick auf den BER. Die Vorlaufzeit liegt in der Regel bei zwei Jahren. Es wird aber schon vor der Eröffnung des BER einiges passieren, ab Juni wird es etwa ab Tegel eine Verbindung nach Philadelphia geben. Berlin ist bei Weitem das attraktivste Ziel in Deutschland, wir sind auch deutlich größer als touristische Ziele wie Rom oder Barcelona. Und ökonomisch hat sich die Region sehr gut entwickelt. Das wird weltweit in der Branche aufmerksam beobachtet.

Vor gut einem Jahr ging Ihr Hauptkunde, Air Berlin, pleite. Haben Sie das inzwischen kompensieren können?

Ar Berlin hatte 30 Prozent Marktanteil, das war natürlich ein Einschnitt. Aber wir liegen jetzt schon über der Passagierzahl von 2017. Letztes Jahr zählten wir am Ende 33,3 Millionen Passagiere. Ich erwarte für dieses Jahr 35 Millionen Passagiere.

Von Torsten Gellner

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